VW Tiguan 2.0 TDI

Klein Beigegeben

Foto: Uli Jooß 19 Bilder

Der erste Kompakt-SUV von VW ist mehr als nur ein Golf im Abenteurer-Look. Der Tiguan soll im Kleinen zeigen, was der Touareg im Großen kann.

Ein Zuspätkommer, den das Leben bestrafen wird? Nein, beteuert Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, der kleine Krabbler von VW erfahre die Gnade der späten Geburt. Schon in der Amtszeit des damaligen Vorstandschefs Ferdinand Piëch Ende der neunziger Jahre war heftig über den Kompakt-SUV nachgedacht worden. Doch wenn VW einen Geländewagen macht, so der damalige Vorstandsvorsitzende, dann nicht als halbherzige Abenteuerversion des Golf.

Die Entwickler mussten also einem Fahrzeug mit Quermotor Offroad- Eigenschaften anerziehen. Dabei dauerte es Jahre, bis der Gegner von Toyota RAV4, Hyundai Tucson oder BMW X3 endlich auf den Rädern stand. Anders als beim Touareg erlagen die Ingenieure nicht der Versuchung, alles, was technisch möglich ist, in dieses Auto hineinzupacken.

Zwar empfindet ein erstaunlich großer Teil der deutschen Autofahrer Lust, abseits befestigter Straßen unterwegs zu sein – aber letztlich bleiben sie lieber auf befestigten Fahrbahnen und hängen allenfalls einen Trailer an ihren Kompakt-SUV. Darum konnte man auf schwere, aufwendige Offroad-Ingredienzien wie Leiterrahmen, Untersetzungsgetriebe und Sperrdifferenziale verzichten – und auf die weiterentwickelte Quermotor- Plattform aufbauen. Das Auto passt in jeder Hinsicht ins VWPortfolio.

Äußerlich ähnelt es dem Touareg, ohne aber als Schrumpf-Version durchzugehen. Der Tiguan wirkt auch nicht mal ansatzweise grobschlächtig; ein markanter Hingucker wie der neue Ford Kuga ist er nicht. Die Technik stammt von Golf und Passat beziehungsweise wird dort künftig ebenfalls zum Einsatz kommen.

Der Radstand des 4,43 Meter langen, mit mindestens 16 Zoll großen Rädern bestückten Kompakt- SUV liegt zwischen dem der beiden Bestseller; das Leergewicht pendelt um 1,6 Tonnen. Erstaunlich, aber wahr: Die Track & Field-Variante mit einer zugunsten von mehr Böschungswinkel unten abgeschrägten Front und serienmäßigem Offroad-Modus (einschließlich Bergabfahrassistent und sehr spezieller Auslegung aller Fahrdynamiksysteme) taugt sogar für anspruchsvolleres Gelände. Aber auch die Ausführungen Trend & Fun und Sport & Style verfügen über die neueste Generation des Haldex-Allradantriebs.

Er verteilt nun ohne erkennbaren Schlupf die Antriebskraft blitzschnell und bedarfsgerecht. Dazu kommt der noch mehr Stabilität verleihende, stählerne Hilfsrahmen für die Hinterachse. Zweifelsfrei erkennbar sind die beiden zivileren Versionen am verchromten Grill und der viel weiter heruntergezogenen Frontschürze.


In Vorbereitung ist eine etwas tiefergelegte R-Line-Variante. Raumgefühl und Möblierung des Neuen erinnern in ihrer Anmutung an den Passat. Die Position der bequem geschnittenen Sitze ist naturgemäß höher, was der Übersichtlichkeit zugute kommt.

Integriert in den übersichtlich gezeichneten Instrumententräger wurde eine neu gestaltete Mittelkonsole mit einem hochwertigen Radio-Navigationssystem, dessen Display – nun auch bei VW mit Touchscreen-Funktion – im Sichtfeld liegt. Erfreulich viele Ablage- und Staufächer nehmen den alltäglichen Krimskrams auf, oberhalb der Mittelkonsole auf dem Instrumententräger ist Platz für ein Buch im DINA5- Format und andere Utensilien.

Die asymmetrisch geteilte Rückbank ist in Längsrichtung um bis zu 16 Zentimeter verschiebbar – allerdings lassen sich nur die in der Neigung variierbaren Lehnen umlegen, so dass sich kein durchgehend flacher Laderaum ergibt. Untergebracht werden können zwischen 505 und 1510 Liter Volumen.

Dank der aufpreispflichtigen umlegbaren Lehne des Beifahrersitzes ergibt sich aber eine 2,50 Meter lange Durchlademöglichkeit. Öffnet man die einteilig nach oben schwingende Heckklappe, fällt der Blick auf einen Hebel links oberhalb des Kennzeichens: Damit lässt sich via Seilzug die Hängerkupplung ausklappen und mit einem Fußtritt in die richtige Position bringen – ein einfaches, cleveres Konzept.

Bis zu 2,2 Tonnen kann der Zweiliter-Diesel an den Haken nehmen. Ist die optionale Rückfahrkamera an Bord, lässt sich das Andocken wie in einem Film erleben. Weitere Optionen sind Picknick-Tischchen an den Rückseiten des vorderen Gestühls, ein Panorama-Glasdach und als besonderer Clou ein vollautomatischer Einparkassistent wie beim Touran.

Zum Serienumfang gehören dagegen halbautomatische Klimaanlage und elektrische Feststellbremse inklusive Halte-Funktion fürs Anfahren am Berg. Das Auto bietet einen sehr anständigen Reisekomfort, sofern nicht das als Extra angebotene, zu harte Sportfahrwerk geordert wurde.

Die aufwendige Einzelradaufhängung à la Golf und Passat sichert einerseits eine weich ansprechende Federung und einen guten Geradeauslauf, andererseits aber auch genügend Agilität auf kurvigem Geläuf. Traktionsproblemen wird durch das Allradsystem mit variabler Kraftverteilung sowie dem nur teilweise abschaltbaren ESP entgegengewirkt.

Ein Lob verdient die neu entwickelte, elektromechanische Servolenkung, die zielgenau und ohne Stößigkeit arbeitet. Analog zu den breiteren Reifen wurden auch die Bremsen verstärkt und vergrößert. Ein spannendes Kapitel des Tiguan sind seine Motoren. Neben der erstaunlich durchzugsfreudigen, 150 PS starken 1.4-TSI-Basisversion kommt hier erstmals im VW-Konzern ein 2.0 TDI mit Common-Rail-System zum Einsatz.

Die von auto motor und sport gefahrene 140-PS-Version überrascht mit dezenter Akustik und einer fast schon übertrieben harmonischen Kraftentfaltung, die den harten Punch der bisherigen Pumpe- Düse-Triebwerke vermissen lässt. Bis zum Marktstart nachgereicht werden die 170-PS-Variante sowie ein ebenfalls neuer 2.0 TSI mit 170 und 200 PS.

Dieser Turbobenziner stammt aus der EA-888-Motorenfamilie, die man bislang nur als 1,8-Liter-Version im Audi A3 erleben konnte. Noch offen ist der Einsatz eines VR6. Gekoppelt sind die Motoren entweder mit einem Sechsgang- Schaltgetriebe oder einer Sechsstufen- Wandlerautomatik – das DSGGetriebe wird hier nicht angeboten.

Ab 26 700 Euro wird der gut ausgestattete Tiguan kosten; er liegt auf dem Niveau eines Toyota RAV4. 130 000 Stück sollen jährlich in Wolfsburg entstehen. Man braucht keine prophetischen Fähigkeiten, um ihm einen Platz an der Klassenspitze vorauszusagen. Denn das war bei fast allen Spätkommern aus dem Hause Volkswagen so.

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Technische Daten
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion Sport & Style Sport & Style VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion Sport & Style Sport & Style
Grundpreis 32.975 € 33.075 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4426 x 1809 x 1703 mm 4426 x 1809 x 1703 mm
KofferraumvolumenVDA 470 bis 1510 l 470 bis 1510 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h 201 km/h
Verbrauch 6,0 l/100 km 6,0 l/100 km
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