VW Tiguan Allspace (2018)

Tiguan 7-Sitzer im ersten Fahrbericht

10/2017, VW Tiguan Allspace Fahrbericht Torsten Seibt Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

SUV statt Van: Als Allspace ist der VW Tiguan 21 Zentimeter länger und hat Platz für eine 3. Sitzreihe. Wie fährt sich der Kodiaq-Konkurrent? Das testen wir mit dem 180-PS-Benziner.

Wie lange es den VW Tiguan schon gibt? Ewig meinen Sie? Falsch, vor gerade einmal zehn Jahren beendete er die Kompakt-SUV-lose Zeit bei Volkswagen. Und wie: der hochbeinige Alleskönner auf Basis von Golf und Passat kam sah, siegte – und vermehrte sich spätestens seit Generation zwei mit irrer Geschwindigkeit innerhalb des Konzerns. Ob Seat, Skoda oder Volkswagen, bei allen Konzernmarken purzeln inzwischen kompakte SUV vom Band. Und das in drei Längen: als VW T-Roc und Seat Arona, Skoda Karoq, Seat Ateca und VW Tiguan, sowie Skoda Kodiaq und VW Tiguan Allspace. Na, rauscht es bereits im Kopf? Okay, konzentrieren wir uns auf den Allspace. Er teilt sich mit dem Rest der SUV-Family die MQB-Plattform, legt beim Radstand gegenüber dem normalen Tiguan elf Zentimeter auf 2,79 Meter zu, die Gesamtlänge wächst um rund 21 Zentimeter.

Platz für sieben Sitze

10/2017, VW Tiguan Allspace Fahrbericht Torsten Seibt Foto: Hans-Dieter Seufert
Gegenüber dem normalen Tiguan legt der Allspace um 21 Zentimeter an Länge zu.

Dadurch bietet der lange Tiguan Platz für eine dritte Sitzreihe. Wenn gerade kein kürzeres Vergleichsexemplar zur Hand ist, lassen sich die Varianten kaum voneinander unterscheiden, denn allzu viel Kosmetik verpassten sie ihm außer Chromspangen im Kühlergrill sowie der serienmäßigen Dachreling nicht, hinzu kommen Sicken im Dach des Allspace. Wie der normale Tiguan ist auch der Allspace als Onroad- oder Offroadvariante erhältlich, mit jeweils eigenständiger Frontpartie und unterschiedlichem Böschungswinkel. Am besten klappt das Differenzieren noch beim scharfen Blick Richtung auf die Fondtüren, denn die sind beim Allspace länger, um den Zustieg nach ganz hinten zu erleichtern. Dort logiert es sich wie in dieser Klasse üblich zwar recht beengt, für kleinere Mitreisende reicht es aber. In Reihe zwei darf man sich dafür auf der serienmäßig verschiebbaren Bank regelrecht rekeln: gegenüber dem Tiguan gibt es beim Fünfsitzer satte sechs Zentimeter mehr Beinfreiheit, das hat Luxuslimousinen-Niveau.

Regelrecht Van-mäßig wird es beim Kofferraum – oder sollte man besser sagen: in der Kofferhalle – zwischen 230 und 1.775 Liter fasst der Siebensitzer, beim Fünfsitzer sind es zwischen 760 und 1.920 Liter, 145 Liter mehr als beim Standardmodell.

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Motoren, Ausstattung, Einstiegspreis

Damit beim Fahren alles glatt geht, bekommt der Lange schon bei der Einstiegsversion für unter 30.000 Euro serienmäßig Multikollisionsbremse, Spurhalteassistent und Notbremsassistent samt Personenerkennung mit auf den Weg. Weitere Goodies wie LED-Scheinwerfer, Abstandsregeltempomat, Parkhilfe, Umgebungskameras, Stauassistent und Anhängerrangierhilfe sowie das große Infotainmentsystem mit Gestensteuerung kosten extra.

Motorseitig gibt es einige Auswahl: TSI-Benziner mit 1,4 und zwei Litern Hubraum (150, 180 und 220 PS) sowie TDI mit 150, 190 und 240 PS. Bis auf die 150 PS starken Versionen ist Allradantrieb sowie Doppelkupplungsgetriebe obligatorisch, was eine Anhängelast von 2,5 Tonnen bedeutet, mit Vorderradantrieb sind es zwei Tonnen.

Ansonsten überzeugt der Maxi-Tiguan mit luftigem Platzangebot inklusive hoher Funktionalität mit zahlreichen Ablagen, der verschiebbaren Rückbank, verstellbarem Ladeboden und netten Details wie der herausnehmbaren Taschenlampe im Gepäckraum. Sitzkomfort und die Bedienung der Grundfunktionen konnte VW schon immer, der Allspace profitiert wie der Rest der Familie von den aktuellen Infotainment-Systemen. Beim serienmäßigen Composition Colour gibt es noch mechanische Regler für Lautstärke und Menü, beim Topsystem Discover Pro inklusive Gestensteuerung läuft alles über den Berührungsbildschirm.

Und wie fährt der Tiguan Allspace? Entspannt

10/2017, VW Tiguan Allspace Fahrbericht Torsten Seibt Foto: Hans-Dieter Seufert
Die Unterscheide zum kürzeren Tiguan erklären sich am einfachsten in der Seitenansicht.

Der Direkteinspritzer- Benziner mit 180 PS erweist sich beim Erstkontakt als harmonischer Antrieb für den Allspace, der allerdings keine Lust auf übertriebene Hektik hat. Die Sport-Einstellung des DSG bringt mehr Lautstärke als Freude, das willkührlich wirkende Auswringen der einzelnen Gangstufen will nicht recht zum Charakter des Allspace passen. Ganz anders im normalen Fahrmodus, bei dem die Getriebesteuerung zu Recht auf das Drehmoment der TSI-Maschine setzt, früh und sanft schaltet.

So wird man der Grundidee des Tiguan Allspace als variabler Familienkreuzer eher gerecht, nachdem auch das Kurvenhandling wegen des längeren Radstands einen Tick gemütlicher als beim kurzen Bruder ausfällt. Das Fahrwerk zeigte sich bei groben Unebenheiten etwas humorlos, wozu die 19-Zoll-Räder des Testwagens auch ihren Teil beitrugen. Insgesamt eher straff als sänftig, ist der Fahrkomfort jedoch – auch dank des niedrigen Geräuschniveaus – hoch. Die Lenkung passt, das Fahrverhalten lässt sich beim Allradmodell per Dreh- und Drücksteller anpassen – bis hin zu speziellen Offroad-Modi.

Kommt ein Hybrid nach Europa?

Für den chinesischen Markt ist ein Plug-In-Hybrid mit der Technik des Passat GTE fest eingeplant. Ob er nach Europa kommt, hängt laut VW davon ab, wie sich der Markt für Hybride in den kommenden Monaten und Jahren entwickelt. Derzeit beschränkt sich das Angebot für den deutschen Markt auf drei Benziner (150 bis 220 PS) sowie drei Diesel (150 bis 240 PS), die als Einstiegsversion mit 150 PS und Schaltgetriebe, ansonsten stets mit DSG vorfahren.

Volkswagen hat die Preise der Tiguan XL-Version Allspace zum Bestellstart bekanntgegeben. Seitdem kann der Siebensitzer zum Einstiegspreis von 29.975 Euro in der Ausstattungslinie Trendline als 1,4-Liter-Benziner mit 150 PS geordert werden. Darüber rangieren die Ausstattungen Comfortline (ab 32.375 Euro) und Highline (ab 40.300 Euro). Den teuersten Tiguan Allspace bezahlt der Kunde mit mindestens 46.600 Euro. Dafür arbeitet unter der Haube dann ein Zweiliter Diesel mit SCR, 240 PS und Allradantrieb.

Fazit

Angesichts des Einstiegspreises von unter 30.000 Euro, dem hervorragenden Platzangebot und der aufgewerteten Ausstattung wirkt die VW Prognose von 20 Prozent Allspace gegenüber dem Standard-Tiguan reichlich konservativ. Der Lange hat Chancen auf mehr. Wir sind jedenfalls auf den ersten Test gespannt!

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