VW Touareg V8 und BMW X5 4.8i

Oberklassen-SUV mit V8

VW Touareg V8, BMW X5 4.8i Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Prägnante Stimmen, heftige Trinksitten und eine Aura des Erfolgs: Oberklasse-SUV wie BMW X5 4.8i und VW Touareg V8 mit dicken Benzinern sind so etwas wie die schillernden Rockstars des Allrad-Gewerbes. Mäßige Vorbildfunktion, aber ein vollformatiger Auftritt - plus Schlag bei den Frauen.

Na klar, Sechszylinder-Diesel sind vernünftiger - deswegen werden sie ja auch zahlreicher gekauft. Doch wer sich keine Gedanken über Dispo-Grenzen machen muss und am liebsten auf einem flauschigen V8-Klangteppich dahinschwebt, für den sollte es ein Top-Benziner sein. Big Otto statt Diesel - wenn schon, denn schon. Etwa beim BMW. Wie ein genmanipulierter Skarabäus lauert dessen 4,8-Liter unter der Motorhaube, streckt seine Ansaugrohre Richtung Kühler-Niere. Beim Gaswechseln helfen ihm Ventile mit variablem Hub, die konventionelle Drosselklappen weitgehend arbeitslos machen. Die Vorteile: geringerer Strömungswiderstand, höhere Effizienz.

Bei den Messungen fährt er davon

Der FSI des Touareg kontert mit Direkteinspritzung. Optimierte Verwirbelung, kühleres Gemisch, höhere Verdichtung und effektivere Verbrennung sind die Vorteile des Systems, das den Kraftstoff mit 150 bar Druck in die Brennräume presst. Doch es nutzt dem VW wenig - und der BMW spielt sein Hubraumplus von 0,6 Litern kaltblütig aus. Selbst wenn der Touareg am Stammtisch mit 350 zu 355 PS nur knapp hinten liegt: Der X5 fährt bei den Messungen und in der Praxis davon.

Saftig, fleischig und angemessen wuchtig schiebt das Valvetronic-Aggregat den knapp 2,3 Tonnen schweren BMW voran, strapaziert bei Bedarf die Nackenmuskeln der Mitfahrer. Da wundert es kaum, dass jemand versehentlich 4.8si auf der Testwagen-Begleitkarte notiert. Überdies beweist der V8, dass sich Laufkultur und Emotion nicht ausschließen müssen. Bei wenig Last noch schmuseweich gurrend, schmuggelt sich bei zunehmender Drehzahl fein proportioniertes Bollern ins Fahrerohr. Der Sechsgangautomat reagiert spontan auf Befehle des Gaspedals und zappt den Motor vom Cruising-Modus bei Tausendundeinpaar Umdrehungen Richtung Druckzone jenseits der 3.000er-Marke.

Als Langstreckenfahrzeug geeignet

Im Sportmodus läuft die Sache noch zackiger, manchmal sogar mit einer Tendenz zum Hektischen, etwa wenn der V8 beim Zwischenspurt am roten Bereich schnüffelt. Der Touareg-V8 dreht zwar noch schwereloser hoch, wirkt aber trotz kürzer übersetzter Gangstufen weniger entschlossen als der BMW. Am liebsten schnürt der FSI in unteren Lagen dahin, während ihm der Sechsgangautomat die passende Übersetzung zuweist. Hier zeigt der 4,2-Liter, wozu generöse Geräuschdämmung und ein fein austarierter Schwingungsausgleich fähig sind - nämlich laufkulturmäßig Kontakt zur Limousinen-Oberklasse aufzunehmen. In Verbindung mit den überraschend niedrigen Windgeräuschen schaffen beide SUV die solide Basis für ein Verwöhnaroma, das selbst kritische Langstrecken-Haudegen überzeugt.

Offroad-Spurenelemente im Innenraum

VW würzt die Nummer zudem mit Offroad-Spurenelementen im Innenraum, etwa einer hoch aufragenden Mittelkonsole sowie großen Tasten und Reglern. Stichwort Regler: Wo der X5 mit einem einsamen Knopf für die Bergabfahrhilfe auskommen muss, legt VW eine ganze Steigeisen-Armada in die Auslage. Getriebeuntersetzung, Differenzialsperren vorn, zentral und hinten (Option) sowie Luftfederung mit Liftfunktion. Damit kann der Touareg dem X5 abseits befestigter Pisten zwar davonstaksen, Steigungen meistert aber auch der BMW dank ausgefuchster Elektronik durchaus talentiert.

Ein Unterfahrschutz ist, im Gegensatz zum VW, jedoch nicht im Programm. Wohl aber optionale Fahrdynamik-Booster in Gestalt von verstellbaren Dämpfern und Stabilisatoren (3.290 Euro) sowie einer Aktivlenkung mit variabler Übersetzung. Selbst wenn Letztere beim Testwagen nicht an Bord ist - im Vergleich zum träge reagierenden Touareg fühlt er sich trotzdem danach an. Wie er nach Kurven schnappt, sich darin verbeißt, sie querbeschleunigend durchzieht. Wanken? Gering. Rückmeldung? Hoch. Traktion? Unerbittlich. Dabei profitiert der X5 unter anderem von seiner schnellen Komponentenvernetzung per Flexray-Datenbus mit besonders exakter, dämpferspezifischen Ansteuerung sowie dem dynamisch ausgelegten Allradantrieb.

Ganz klar, der X5 mimt glaubhaft den höhergelegten Fünfer. Um ihn beim Innenraumdesign mit loungigem Chic und dezenter Eleganz zu überholen. In unbeobachteten Momenten streichen selbst SUV-Kritiker versonnen über die glänzenden Holzpaneele, erfreuen sich am elegant aufschwingenden Handschuhfach, nesteln am silbrigen Joystick-Wählhebel, registrieren sogar wohlwollend das satte Klicken des i-Drive-Controllers. Dennoch: Die Bedienung des Touareg samt Infotainment mit Berührungsbildschirm und Festplattenspeicher gestaltet sich einfacher. Im Gegensatz zum Handling: zu leichtgängig und entkoppelt die Lenkung, zu indifferent das Verhalten in schnell angegangenen Kurven. Außerdem absorbiert der X5 mit seinen Stahlfedern vorn und Luftfedern hinten plus adaptiven Dämpfern Unebenheiten gelassener als das Luftfahrwerk des Touareg (2.600 Euro extra).

Unter 14 Litern auf 100 Kilometer läuft wenig


Zudem bietet er wie der VW fünf Menschen samt Gepäck bequemen Unterschlupf, darüber hinaus gegen 1.470 Euro Aufpreis noch eine Siebensitz-Option. Selbst die Übersichtlichkeit ist bei beiden Fullsize-Allradlern nicht schlechter als bei manchem Kompaktvan, von den 3.500 Kilogramm Anhängelast (X5: 80 Euro extra) ganz zu schweigen. Also doch ein Plädoyer für den SUV mit Vollwert-V8? Na ja, bis auf den Blick auf Bordcomputer und Tankrechnung. Unter 14 Litern auf 100 Kilometer läuft wenig, bei Nutzung der fahrdynamischen Möglichkeiten liegt der Schnitt ruck, zuck jenseits von 20 Litern, was beide V8 für die Betty-Ford-Klinik prädestiniert. Aber das gehört bei echten Rockstars ja irgendwie dazu.

Technische Daten
VW Touareg V8 Stahlfederung BMW X5 xDrive48i
Grundpreis 66.100 € 70.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4754 x 1928 x 1726 mm 4854 x 1933 x 1739 mm
KofferraumvolumenVDA 555 bis 1570 l 620 bis 1750 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder 4799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 257 kW / 350 PS bei 6800 U/min 261 kW / 355 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h 240 km/h
Verbrauch 14,0 l/100 km 12,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Honda CR-V Honda CR-V im Fahrbericht 1,6-Tonnen-SUV braucht nur 6,3 Liter
Beliebte Artikel Nissan Murano Nachfolger nimmt X5 ins Visier Asma Mercedes ML Extrem-SUV vom Tuner Cayenne, Q7, ML, Touareg und X5
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Mobile Menschen im Hymercar 323 Von der Auszeit zum Vanlife Zwei Vollzeit-Nomaden im Camper Hartnäckiger Schmutz Moos, Regenstreifen, Harz Tipps für hartnäckige Fälle
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften