Wenn 630 PS 940 Kilo Auto prügeln

Ja, ja, die Engländer. Liefern mit dem Stealth B6 einen 277.000 Euro teuren Gruppe-C-Renner für den Straßenverkehr. Eine kompromisslose Fahrmaschine die ihresgleichen sucht.

Lotus, Caterham, Westfield? Massenware. Im Vergleich zu Stealth Cars Limited zumindest. Stealth? Übersetzt: die Heimlichkeit. Und fürwahr tüfteln hier in aller Abgeschiedenheit von Ewelme, auf halbem Weg zwischen London und Oxford gelegen, eine Hand voll unerschrockener Sportwagen-Enthusiasten an einer Fahrmaschine, die ihresgleichen sucht.

Ihr Name: B6 - so kurz die Bezeichnung auch geartet ist, so überdimensional sind die Fahrleistungen dieses formellen Gruppe C-Renners für die Straße. Jawoll, bei Bedarf auch für den öffentlichen Verkehrsweg. Als rabenschwarzes Schreckgespenst von Ferrari, Lamborghini, Porsche und Co. Eine Kanonenkugel auf vier Walzen - mit maximal zwei Mann Besatzung, denen ordentlich Feuer unter dem Allerwertesten geboten wird.

Feuer aus 6.132 ccm, summiert aus acht Zylindern, addiert zu 630 PS. Gezündet hinter zwei kargen Sitzkuhlen und losgelassen auf 940 kg Leergewicht. Um die Fähigkeiten dieser Fahrmaschine auszuloten, ist die Perfektion des Umfelds ein absolutes Muss und der Pragmatismus Pflicht in der engen Pilotenkuppel des Stealth.

Allein das Eintauchen in die Fänge des Cockpits erfordert die Fähigkeiten gelenkiger Akrobaten. In der Sitzschale festgesaugt, quetscht der festgezurrte Sechspunktgurt die letzten Kubikzentimeter Luft zwischen Rückgrat und Sitzwanne heraus. Einfache Kippschalter am blanken Kunststoffpanel werden grundsätzlichen StVO-Richtlinien gerecht - wie Blinker, Lichter oder auch Scheibenwischer. Auch eine Handbremse existiert. Hinter dem Wildlederlenkrad weiß ein multifunktionales Display über Querbeschleunigung Motortemperatur oder auch Drehzahlen zu berichten.

Der Starterknopf animiert den Dampfhammer im Heck. Der aus dem Chevrolet-Regal stammende Achtzylinder hat bereits knapp über Leerlaufdrehzahl die Wucht einer texanischen Horde Wildpferde. Die massigen Kräfte sind allerdings noch lange keine Versicherung dafür, dass das Anfahren zum Kinderspiel wird. Vielmehr gilt hier Demut, Vorsicht und Fußspitzengefühl, dann trägt die Millimeterarbeit auf der Pedalerie Früchte.

Das schwarze unbekannte Tier gleitet mit wohligem Grummeln aus der Boxengasse der Rennstrecke von Dijon. Dabei spricht der V8 dermaßen spontan an, dass bereits die kleinste Zuckung im rechten Bein ein flammendes Inferno entfacht. Im vollen Galopp legt der B6 nun alle Karten auf den Tisch. In 8,4 Sekunden stürme der B6 aus dem Stand auf Tempo 200 - wenn man denn wolle und auch könne. So versprechen es seine Macher. Und man glaubt es gerne: Um nach links und rechts zu blicken, bleibt im gestreckten B6-Galopp wenig Zeit. Dafür rast der Film der Beschleunigung zu schnell an einem vorüber. Hier zählt nur die Konzentration auf das Wesentliche.

Zum Beispiel auf das Getriebe. Das verlangt nach einem beherzten Griff. Beim Hochschalten notfalls auch ohne Kupplung, aber stets mit einem Augenmerk auf die richtige Reihenfolge. Denn der erste Gang in diesem H-Schema liegt links hinten.

Es bedarf also einer angemessenen Eingewöhnungszeit, um sich mit dieser locker 330 km/h schnellen Fahrmaschine inniger vertraut zu machen. So konservativ, aber auch funktionell ihr Aufbau mit Gitterrohrrahmen und Glasfaser verstärkter Kunststoffkarosserie auch geartet ist, so diffizil und hoch angesiedelt ist die maximal erreichbare Fahrdynamik.

Der B6 katapultiert seinen Lenker absolut präzise um Biegungen, verzögert mit absoluter Brachialgewalt und fordert auch auf der Geraden stets vollste Aufmerksamkeit im Glutofen des Cockpits. So wird selbst die Fahrt zum Bäcker zum schweißtreibenden Ritt, aber nichts anderes war ja die Zielsetzung. Der Stealth B6 gibt nämlich die Antwort auf diese Frage: Wie fühlt es sich eigentlich im Straßenverkehr an, wenn man die Einzelpunkte Leistung und Gewicht konsequent zu einer Linie verbindet?

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