Windhund mit dem Herz einer Bulldogge

In der kompakten Karosserie des TVR Tamora wartet ein 3,6-Liter-Reihen-Sechszylinder auf die Jünger des ultimativen Roadster-Kicks.

Unter der knappen Motorhaube mit den bumerangförmigen Kiemen haust ein hart drehender 3,6-Liter-Reihensechszylinder, der mit den knapp über 1000 Kilogramm des TVR Tamora kurzen Prozess macht. Aus dem Stand feuert der TVR Tamora in nur 4,5 Sekunden auf 100 km/h, aber was sagen schon nackte Zahlen über diesen abartigen Vorwärtsdrang. Es reißt und drückt, der Motor dreht bissig hoch, die Hinterreifen werden mit Gewalt durchgezogen.

Leicht verdaulich ist dieser Spaß allerdings nicht. Und das liegt nicht nur am Preis – der bewegt sich mit umgerechnet rund 60.000 Euro durchaus auf dem Niveau der Großserienkonkurrenz -, sondern vor allem auch an der hemdsärmeligen Machart des englischen Kleinserienprodukts.

Um die Sache zu präzisieren: Wer TVR fahren will, der muss ziemlich abgebrüht sein. Begeisterung hilft auf alle Fälle, ein wenig Verrücktheit auch und die bedingungslose Liebe zum Besonderen sowieso. Der Tamora ist diese Faszination wert. Die Verarbeitungsqualität ist prima, besonders das Cockpit mit den minimalistischen Uhren und den aus vollem Aluminium gefrästen Drehschaltern kann begeistern. Wenn dann das originelle Hard-Top fällt, die verbleibende Stoffmütze im Heck des Tamora verschwindet, dann findet die Liebe ihre Erfüllung.

Leichtfüßig eilt der Windhund mit dem Herz einer Bulldogge über die „twisty roads“ im Hinterland von Blackpool – dort wo die Berge nach Schottland hinauf beginnen -, und die Herkunft aus diesem Traum-Revier aller Sportwagen-Fahrer ist dem Tamora abzuspüren: Trotz des straffen Fahrwerks meistert der gedrungene Power-Roadster auch schlechte Straßen ohne derbe Härte. So fühlt es sich an, als säße man im tränenden Auge einer verspielt dahinstürmenden Windhose: Angelehnt an den voluminösen Getriebetunnel, den kurzen Schalthebel in griffgünstiger Reichweite, bereit zu wahren Großtaten.

Die direkte Lenkung wirft den Tamora regelrecht hinein in die Ecken und zieht ihn wieder heraus. Bei wirklich schneller Fahrt könnte das Lenkrad ein wenig autoritärer über den Geradeauslauf befehlen, der Heckdiffusor bändigt den bösen, kleinen Kerl aber nachhaltig.

Zum Dösen bleibt aber keine Zeit, denn der Roadster ist frei von künstlichen Stoffen: kein ESP, keine Antriebsschlupfregelung – und nicht einmal ABS. Viel Gas im Kurvenausgang oder starkes Bremsen im Kurveneingang – und der TVR macht das, was viele Engländer so lieben: richtig breit werden.

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