WTCC Seat León TDI

Take a Seat

Foto: Daniel Roeseler 7 Bilder

Der Seat León TDI ist das Auto, das es in der Tourenwagen-WM zu schlagen gilt. Bei einer Probefahrt auf der Rennstrecke im spanischen Jarama haben wir den Selbstzünder-Boliden getestet.

Der Seat León ist in der Rennausführung ein wuchtiger Geselle: Ausgestellte Kotflügel lassen ihn in der Breite um acht Zentimeter wachsen. Der schwarze, tunnelförmige Lufteinlass an der Front wirkt so, als wolle der Seat die vor ihm fahrenden Gegner einfach verschlucken. Dazu passt der böse Blick des Scheinwerferpaars.

Brummen statt Poltern

Im krassen Gegensatz zur autoritären Optik steht der Sound. Statt bassig zu poltern, meldet sich der Vierzylinder - zusätzlich gedämpft durch einen Partikelfilter - nur mit dünnem Stimmchen. So müssen sich Motorsport-Gegner den Rennsport immer gewünscht haben. Einziger Trost: Der mangelnde Wohlklang ist dieselspezifisch. Selbst der mächtige, 650 PS starke V12 im Le Mans-Siegerauto Audi R10 ist kaum besser zu hören.

Auch als Fahrer muss man sich erst einmal an das fehlende akustische Feedback gewöhnen. Unter dem Helm ist nur ein leises Brummen aus dem Maschinenraum zu vernehmen, untermalt vom dezent fauchenden Turbolader. Dies führt dazu, dass man auf den ersten Runden beim Schalten oft ein wenig zu spät dran ist. Die Leuchtdioden für die Drehzahl - drei grüne, drei gelbe und eine rote - verbreiten meistens schon Disco-Feeling, ehe der Neuling zum Schaltknüppel greift.

Unruhe auf der Bremse

Dank sequenziellem Getriebe macht das Nachladen der Gänge mit dem schürhakenähnlichen Schaltstock keine Mühe. Die Kupplung wird nur zum Anfahren gebraucht. Und obwohl der erste Gang extrem lang, bis auf 80 km/h übersetzt ist, geht dies dank 450 Newtonmetern so unaufgeregt vonstatten wie in einem Serienauto. Doch sobald man sich in flotter Fahrt Kurven nähert, ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Beim harten Bremsen wackelt der Fronttriebler aufgeregt mit dem Heck, selbst sanftes Gaslupfen in der Kurve quittiert er mit grimmigem Übersteuern, allzu forsches Gasgeben mit durchdrehenden Vorderrädern.


Dankbar registriert der gestresste Pilot, dass die hurtigst eingeleiteten Gegenmaßnahmen am Volant sehr direkt umgesetzt werden. Das heikle Fahrverhalten des Renn-TDI war vor allem dem widrigen Wetter anzulasten: Bei zwei Grad plus und Sprühregen im winterlichen Jarama kamen die Yokohama-Slicks nicht auf Betriebstemperatur. Nach dem Umrüsten auf Regenreifen präsentierte sich der TDI aber als wahrer Musterknabe - so wie meist in der zweiten Saisonhälfte der WM 2007.

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