Zwei Mal Mercedes SLR

Juwelen aus fünf Jahrzehnten

Foto: Achim Hartmann

Vor 50 Jahren erfand Mercedes die Flügeltür. Die faszinierendsten Vertreter der Gattung sind das 300 SLR Uhlenhaut-Coupé und der SLR McLaren – zwei automobile Kostbarkeiten, die sich erstmals zum Fahrvergleich treffen.

Flügeltür zu, Zündung an: Die Zeiger von Drehzahlmesser und Tacho schnellen zum Reset für einen Moment auf die Maximalmarken 8000 und 360. Zum Start schlüpft der Daumen des Fahrers unter ein Alu-Kläppchen auf dem Schalthebel, unter dem sich der Startknopf verbirgt.

Beeindruckender als die 626 PS des Kompressor-V8 ist das Drehmoment von 780 Nm schon bei 3250 Umdrehungen. Wie von einem gigantischen Gummiband katapultiert stürmt der Mercedes SLR McLaren los.

In Watte gepacktes Monster

Der Gangwechsel unterbricht den Vorwärtsdrang für ganze zehn Millisekunden, wenn die Fünfgangautomatik per Lenkradtasten im Racemodus geschaltet wird. Ein Wimpernschlag, und das Kraftwerk schiebt weiter an.

Frappierend ist es, wie sicher und kontrolliert dieses in Watte gepackte Monster zu bewegen ist. Für eine Beschleunigungszeit unter vier Sekunden auf Tempo 100 genügen die Automatik auf D und Vollgas. Eine Bremsung aus 270 km/h auf dem drei Kilometer langen Oval der Untertürkheimer Einfahrbahn bringt die Keramik-Bremsscheiben zum Glühen, lässt den SLR aber völlig unbeeindruckt, ebenso wie plötzliche Beschleunigung in den beiden regenfeuchten, um 20 beziehungsweise 90 Grad geneigten Steilkurven der Teststrecke.

Bei Nässe haften die eigens für den SLR entwickelten Michelin-Reifen wie Elektromagneten. Die extrem steife Carbon-Konstruktion lässt ihn liegen wie das sprichwörtliche Brett. Das feinfühlig ansprechende elektronische SBC-Fahrwerk erlaubt exakt jene Menge Fahrdynamik, um das Auto gerade noch auf der Piste zu halten.

Auch der Sound ist ein Fun-Faktor ersten Ranges. Der gedämpfte, aber wuchtig-massive Bass erinnert an eine mondäne Sportyacht. Er entweicht den seitlichen Auspuffrohren, die der SLR als Zitat von seinem 50 Jahre alten Vorgänger übernommen hat.

Uhlenhaut-Coupé: 20-Minuten-Warmlaufphase

Eine 20 Zentimeter lange Stichflamme schießt aus den Abgasrohren des 300 SLR von 1955, als der Reihen-Achtzylindermotor nach einigem Zögern anspringt. Der infernalische Lärm macht das Oval der Einfahrbahn zu einem Stadion voller Presslufthämmer. Faucht der SLR Baujahr 2004 wie ein Tiger, so brüllt der alte wie ein wütender Tyrannosaurus Rex.

20 Minuten muss sich das Triebwerk mit Warmlaufkerzen vom Wärmewert 145 anheizen, bis die 30 Liter Rizinusöl Castrol B353 langsam auf Temperatur kommen. Erst dann können mit dem 90 Zentimeter langen Kerzenschlüssel 270er-Rennkerzen eingeschraubt werden.

Der Name Uhlenhaut-Coupé stammt von seinem Schöpfer, dem Ex-Mercedes-Versuchschef mit Vornamen Rudolf. Unter der wunderschönen, wie zur Tarnung übergestülpten Coupé-Hülle platzierte er die Formel 1-Technik der Silberpfeile.

Im engen Cockpit des klassischen SLR überrascht zunächst die ungewöhnliche Sitzposition. Wie ein Frosch sitzt der Fahrer mit langen Armen und weit gespreizten Beinen, die sich links und rechts des breiten Kardantunnels einfädeln. Daneben steht, am oberen Rand abgescheuert, das daumendicke hölzenere Gaspedal mit Lederbezug. Bei vollem Durchtreten lassen die 310 PS des Dreiliter-Motors die schmalen Dunlop-Rennreifen haltlos durchdrehen.

Damals schon mit Sitzheizung

Ins Schwitzen kommt der Fahrer durch die innen liegenden Bremstrommeln mit dem stattlichen Durchmesser von 27,5 Zentimetern. Die Beläge rotieren unmittelbar hinter den Sitzen und erzeugen Reibungshitze. Damit hat der Klassiker seinem neuen Pendant sogar etwas voraus: Eine Sitzheizung gibt es beim SLR McLaren nicht mal als Extra.

Technische Daten
Mercedes SLR McLaren Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé
Grundpreis 452.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4656 x 1908 x 1261 mm 4350 x 1750 x 1105 mm
KofferraumvolumenVDA 272 l
Hubraum / Motor 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 460 kW / 626 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 334 km/h 300 km/h
Verbrauch 14,5 l/100 km
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