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Ford Fiesta ST und Opel Corsa GSi im Fahrbericht

Kompaktsportler mit Klassiker-Potenzial

Ford-Fiesta-ST-Opel-Corsa-GSi-im-Fahrbericht Foto: Jan Bürgermeister 24 Bilder

Fast könnten sie als brave Sparmodelle der Generation Öko durchgehen. Doch als GSi und ST haben es Corsa und Fiesta faustdick hinter den Ohren. Wir sind die kleinen Biester gefahren.

09.12.2017 Klaus Finkenburg 7 Kommentare Powered by

Hin und wieder die Sau rauszulassen, war früher keine große Sache. Ein gelegentlicher Hang zum Übermut wurde jedem gerne zugestanden, missmutige Reaktionen der Mitmenschen blieben meist aus. Als Ford und Opel in den Nullerjahren zwei rasende Blechbüchsen ins Rennen schickten, kippte aber gerade die Stimmung im Land.

Ford-Fiesta-ST-Motor Foto: Jan Bürgermeister
Der Motor im Fiesta ST leistet stolze 150 PS und treibt normalerweise Mondeo und Focus an.

Euro-Einführung, Mehrwertsteuererhöhung, Terrorangst, Finanzkrise – den Gürtel enger zu schnallen, entwickelte sich zur Tugend der Stunde. So gesehen passten unsere beiden Kandidaten eigentlich gar nicht in ihre Zeit.

Anstatt sich nämlich mit den rund 60 PS zu begnügen, mit denen politisch korrekte Kleinwagen durchaus flott im Verkehr mitschwimmen können, hatten die Hersteller mehr als das Doppelte unter die kurzen Hauben gepackt. Der Corsa GSi bringt 125 PS, der Fiesta ST sogar 150 PS. Maß halten geht definitiv anders.

Beide Flitzer wiegen über eine Tonne

Begonnen hatte es freilich ganz harmlos. Der Opel Corsa C wurde Ende 2000 eingeführt, der Fiesta der sechsten Baureihe rund ein Jahr später. Bei den Antrieben hatte man weitgehend auf Bewährtes aus dem Konzernregal gesetzt. Der Corsa trat mit dem sparsamen, aber behäbigen Einliter- Dreizylindermotor mit 58 und später 60 PS sowie Vierzylindern mit 1,2 und 1,4 Litern Hubraum (75/80 und 90 PS) an, allesamt DOHC-Vierventiler.

Der Fiesta wurde entweder vom 60 oder 70 PS starken 1,3-Liter-Zweiventilmotor mit einer Nockenwelle oder den 1,4 und 1,6 Liter großen DOHC-Vierventilern mit 80 oder 100 PS angetrieben. Daneben gab es Diesel mit 65 bis 100 PS aus 1,3 und 1,7 Litern (Opel) beziehungsweise mit 68 oder 90 PS aus 1,4 oder 1,6 Litern Hubraum (Ford).

Beide Stadthüpfer hatten gegenüber den Vorgängermodellen hinsichtlich Länge, Breite und Innenraumdimensionen zugelegt, auto motor und sport befand beim Vergleichstest in Heft 10/2002, als „Kleinwagen“ könne man die neue Klasse nun eigentlich nicht mehr bezeichnen. Was leider auch fürs Gewicht gilt: Mit rund 1.100 Kilogramm haben die beiden ordentlich was auf den Rippen, der Golf I aus den 70ern kam kaum über 800 Kilo. Die so erreichbaren Fahrleistungen waren ganz annehmbar, aber nicht aufregend. Doch das war ja noch nicht das Ende vom Lied.

Motoren aus der Mittelklasse

Bereits ein halbes Jahr nach Start des Corsa C stellte Opel nämlich als Spitzenmodell der Baureihe den GSi vor. Als Antrieb diente ein 125 PS starker, 1,8 Liter großer Vierventiler, der auch die deutlich größeren Modelle Astra, Zafira und Vectra bewegte. Fords sportliches Spitzenmodell debütierte erst vier Jahre später, dafür griff der Hersteller aber auch noch mehr in die Vollen. Der Fiesta ST, ab 2005 zu haben, wurde mit dem satte zwei Liter großen Duratec-HE-Motor ausgestattet, der kurz nach der Jahrtausendwende, hier allerdings noch fünf PS schwächer, im Ford Mondeo und Focus eingeführt worden war.

Ford-Fiesta-ST-Opel-Corsa-GSi-im-Fahrbericht Foto: Jan Bürgermeister
Sowohl Fiesta, als auch Corsa sind optisch aggressiver geworden. Der hier gezeigte GSi wurde des Weiteren vom Opel Motorsportclub Essen aufgehübscht.

Die äußerlichen Besonderheiten der Topmodelle von Corsa und Fiesta halten sich in Grenzen. Wer nur wenige hundert Euro in ein Basismodell investiert, kann optisch gleichziehen. Beide rollen serienmäßig auf Alurädern (Ford: 16, Opel: 15 Zoll) und kauern einen Hauch tiefer auf der Straße. Der Corsa GSi verfügt ansonsten über dezent geschwärzte Rückleuchten, der Fiesta ST über eine aggressiver wirkende Bug- und eine neu gestaltete Heckschürze – die anlässlich einer Modellpflege in ganz ähnlicher Form aber auch die anderen Modelle der Baureihe verpasst bekamen.

Eher dezenter optischer Auftritt

Während auto motor und sport bei der Vorstellung des neuen Corsa GSi im Jahr 2001 noch bemäkelte, die Rüsselsheimer hätten den Sex-Appeal ihres schnellsten Kleinwagens viel zu bieder verpackt, gab man sich bei der Präsentation des Fiesta schon versöhnlicher. Der recht dezente Auftritt wurde lediglich bewertungsneutral erwähnt, immerhin konnte der ST mit einer Sonderlackierung bestellt werden, mit farblich kontrastierenden Streifen über Haube, Dach und Heckklappe sowie an den Türen. Lob heimste er für das frisch wirkende Interieur mit Alu-Blenden, Lederlenkrad und griffigen Sportsitzen ein. Beim GSi wieder Fehlanzeige: Entsprechende Aufwertungen gab es beim Opel Corsa bereits in der Ausstattungslinie „Sport“ serienmäßig.

Dem wenig protzigen Auftritt der beiden stehen freilich handfeste Qualitäten gegenüber. Sowohl Corsa GSi als auch Fiesta ST überzeugen durch ein sauber abgestimmtes, neutrales Fahrwerk sowie üppiger als bei den schwächeren Varianten ausgelegte Bremsanlagen mit Scheibenbremsen anstatt der ansonsten verbauten Trommeln hinten. Zu forschen Ausritten fordern sie geradezu heraus. Straff abgestimmt, fegen sie leichtfüßig selbst um engste Ecken, ohne dabei unkomfortabel zu wirken. Unser Foto-Corsa ist freilich etwas kompromissloser.

Der vom Opel Motorsportclub Essen zur Verfügung gestellte GSi rollt auf 17-Zöllern von OZ und ist zudem etwas tiefergelegt. Doch selbst mit dem seinerzeit bei Opel erhältlichen Design-Kit „OPC-Line“ (für Nichtkenner: Das Kürzel steht für die hauseigene Sportabteilung Opel Performance Center) sieht der Kleine, lackiert im OPC-typischen, kräftigen Arden-Blau, keineswegs nach dicker Hose aus. Der serienmäßige ST in Colorado-Rot aus dem Bestand des Dortmunder Händlers Auto Delfin sowieso nicht.

Ford-Fiesta-ST-Opel-Corsa-GSi-im-Fahrbericht Foto: Jan Bürgermeister
Im direkten Duell gibt es nur minimale Unterschiede. Zu welchem Kompaktsportler man tendiert bleibt Geschmackssache.

Über 200 km/h im GSi und ST

In zeitgenössischen Tests fuhr der 1,8- Liter-Corsa dem Fiesta ST meist um Haaresbreite hinterher, der eine brauchte um neun Sekunden von null auf hundert, der andere auch mal etwas weniger, die Vmax liegt beim einen etwas über 200 Kilometern pro Stunde, beim anderen einen Hauch höher. In der Praxis sind die Unterschiede eher akademischer Natur. Um fette Limousinen zu ärgern, langt es allemal: Die Kleinen im Stadtgewimmel abzuhängen, ist auch mit 300 PS fast unmöglich, sich ihnen auf kurvigen Sträßchen ans Heck zu kleben, zumindest anstrengend. Einzig auf der Autobahn kann ihnen, wer ohne Gnade das Gaspedal aufs Bodenblech rammt, davonrauschen, auch wenn es etwas dauert. Doch solche David-gegen- Goliath-Rennen machen bekanntlich nicht den meisten Spaß.

Besser ist es, sich zu sagen, man könne ja, wenn man wolle, und die Pferdchen dann gelegentlich mal von der Leine zu lassen. Wer es auf die Spitze treiben will, der entfernt die Typbezeichnung und beppt stattdessen einen Aufkleber seiner Wahl ans Heck, etwa „80 – dem Wald zuliebe“ oder vielleicht „Catch me if you can“. Wem das bereits zu provozierend rüberkommt, der kann sich aber auch für ein deeskalierend wirkendes „Vorsicht, Fahranfänger“ entscheiden.

Potenzial zu begehrten Youngtimern

Vernunftorientiertere Zeitgenossen haben natürlich die Möglichkeit, gleich eine schwächere Motorisierung zu wählen. Nur die Dieselmodelle sind angesichts drohender Stadtfahrverbote derzeit etwas mit Vorsicht zu genießen. Doch auch mit Benzinern der Klasse von 75 bis 100 PS kommt man ordentlich und zudem sparsamer vom Fleck, allerdings dürften diese wohl noch viele Jahre lang über den Status schnöder Altfahrzeuge kaum hinauskommen.

Von rund 2,5 Millionen gebauten Corsa und über 1,7 Millionen Fiesta gingen nämlich immerhin 402.530 beziehungsweise 327.036 Stück nach Deutschland, darunter allerdings nur 2.896 Corsa 1.8 GSi und 3.671 Fiesta ST. Wenn Fahrzeuge dieser Baureihen das Potenzial haben, sich zu begehrten Old- oder Youngtimern zu entwickeln, dann diese beiden. Deshalb unser Tipp: Jetzt zuschlagen, die Zeit dafür ist nicht schlecht.

Fazit

Blitz oder Pflaume, das ist hier die Frage. Spontan neige ich eher zu dem im serienmäßigen Zustand höchst unauffälligen Corsa GSi, vielleicht aus alter Markentreue. Objektiv ist der Fiesta ST aber nicht schlechter. Wir bewegen uns hier im Bereich reiner Geschmacksfragen.

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Neuester Kommentar

noch sehr großes Contra beim ST150, ganz vergessen: 45L Tank bei o.g. Verbrauch, bei 550-600km ist Sense

Reserveanzeige auch gewöhnungsbedürftig, habe erst 2. mal geschafft über 40L zu tanken, obwohl schon länger auf Reserve gefahren...

max ost 11. Dezember 2017, 12:42 Uhr
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