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Der Fiat 500 wird 60

Eine Zeitreise mit dem italienischen Kultauto

Fiat 500 Seite Foto: Dino Eisele 17 Bilder

Wo ließe sich das 60-jährige Jubiläum des Fiat 500 stilvoller feiern als im Zentrum seiner Geburtsstadt? Wir haben mit dem italienischen Klassiker eine Zeitreise durch Turin unternommen.

26.08.2017 Heinrich Lingner 3 Kommentare

Helden feiern, das konnten sie in Italien immer schon gut. Große Heroen gern mit Siegessäulen und Triumphbögen, kleinere mit Marmortafeln und Straßennamen in unbedeutenderen Teilen der Stadt. Wenn es gerecht zuginge in dieser Welt, dann bauten sie dem Fiat 500 auf einer Piazza mitten in Turin ein richtiges Denkmal, mit Podest und Inschrift und einem pathetischen Spruch über seine Verdienste für die Stadt und das Vaterland.

Da dies nun aber bekanntlich nicht so ist, feiern wir ihn zum 60. mit einer Rundfahrt durch Turin, die Stadt, in der er erdacht und gebaut wurde. Wir treffen ihn in Lingotto, jener mächtigen Art-déco-Fabrik am Rande der Stadt mit der berühmten Versuchsbahn auf dem Dach.
Gebaut wurde der 500 hier zwar nicht, doch es gibt kaum einen passenderen Ort in Turin, wo sich die kunsthandwerklichen und industriegeschichtlichen Traditionen dieser Stadt so verdichtet zeigen.

Fiat 500 neu und alt Foto: Dino Eisele
Ausnahmsweise dürfen wir rein und die Auffahrtrampe hoch fahren. Wir fahren nicht nur mit dem alten 500 drauf, auch der neue kommt mit. 1923 war das hier das größte Industriegebäude der Welt.

Der Fiat wartet am Beginn der Auffahrtsrampe, ausnahmsweise dürfen wir hoch. Jedoch nicht auf die Versuchsbahn, da sei eine Baustelle, heißt es. Wobei die Auffahrtsrampe ja genau genommen gar keine ist, sondern eine Abfahrtsrampe. Die bestechende Idee hinter dem Mammutbau – im Jahr der Einweihung 1923 war es das größte Industriegebäude der Welt – war es nämlich, unten die Rohmaterialien anzuliefern, die dann die fünf Stockwerke aufwärts wandern. Oben kommen schließlich die fertigen Autos raus, fahren eine Runde übers Dach und verlassen das Fabrikgebäude über die gewundene Abfahrtsrampe.

Rundfahrt durch Turin

Daneben steht auch ein neuer 500C mit Twin-Air-Motor, elektrischem Faltdach und Automatikgetriebe. Neben dem zierlichen Alten, in diesem Fall ein 500L von 1972, wirkt der Neue wie ein maßstabsgetreu vergrößertes Modell, viel massiger, breiter und voluminöser. Dennoch haben die Designer des Centro Stile es geschafft, die stilistische Reinheit und Einfachheit des Originals zu bewahren, ein wenig zumindest.

Er ist immer noch einer der besten Retro-Entwürfe, befinden wir. Dann legt der Fotograf los, stellt ein paar LED-Blitze im weiten Rampen-Oval auf und sagt: „Fahr mal auf und ab.“ Luca Valentini, Autosammler und -händler sowie Besitzer dieses korallenroten Exemplars, fragt, ob ich schon mal 500 gefahren sei, ich antworte: „Ja sicher.“

Schließlich hat er nicht gefragt wann, sonst hätte ich ihm verraten müssen, dass es über 35 Jahre her ist. Wir unternahmen einen Camping-ausflug in die Eifel damit, und ich war der Einzige, der sich traute, das Auto mit dem unsynchronisierten Getriebe zu fahren. Ich weiß zwar nicht mehr ganz sicher, ob Susi aus dem Deutsch-Leistungskurs damals mit dabei war, erinnere mich aber an jedes Detail des Fiat: den Starterhebel zwischen den Sitzen, das dürre Zweispeichenlenkrad, den Verriegelungsgriff des Klappdachs und das dünne Schalthebelchen mit dem runden Knauf.

Fiat 500L Foto: Dino Eisele
Dieser 500 L von 1972 ist in einem absoluten Top-Zustand. Für Vortrieb sorgt ein Zweizylider-Reihenmotor im Heck. Aufpassen muss man mit dem unsynchronisierten Getriebe.

Also ja, ich bin schon 500 gefahren. Zündung an, Hebelchen zwischen den Sitzen nach oben gezogen, schon bollert der 500-Kubik-Parallel-Twin im Heck los. Kupplung, erster Gang, los geht’s. Auch mit 18 PS klettert der Fiat engagiert die gewundene Rampe hoch, verlangt gar nach dem zweiten Gang. Kuppeln, kurz warten und fühlen, ob die Schaltverzahnungen nun passen, zweiten Gang rein, Vollgas. Das klappt, wie früher in der Eifel. Oben angekommen taucht der Fiat in den Sonnenschein und die übliche Po-Ebenen-Sommerschwüle.

Wenn du hier um die Ecke blickst, siehst du am Horizont eine Wand von 4.000er-Gipfeln. Und auf der anderen Seite die Straßen von Turin. Aus dem Häusergewirr ragt die Kuppel der Mole Antonelliana in den Himmel. Der Bau sollte mal eine Synagoge werden, ein größenwahnsinniger Architekt ließ Kuppel und Baukosten in die Höhe schießen, nun ist die Spitze eines der Wahrzeichen von Turin.

Nicht zu verkaufen

Eine Runde auf der Einfahrbahn können wir tatsächlich nicht drehen, also wieder runter. Der Fiat wendet auf kleinstem Raum (Wendekreis 8,5 Meter) und kurvt nach unten. Dort wird er vom Turiner Stadtverkehr am Po entlang Richtung Centro gespült. Da hält der Winzling noch heute gut mit. Durch das offene Dach strömt warme Luft ins Auto, und die Sonne kommt scheinbar direkt von oben. Das Stoffdach war übrigens Serie, nur die Kombiversion namens Giardiniera muss ohne auskommen.

Ein blauer 500F huscht links vorbei, die Fahrerin winkt kurz. Hier fühlt sich der Fiat wohl, das Rosso Corallo des Lacks schimmert ins Orange, inzwischen flutscht selbst das Zurückschalten mit Zwischengas und Zwischenkuppeln so, dass die Zahnräder sämig ineinandergleiten. Am Museo dell’Automobile halten wir an. Für einen Besuch fehlt die Zeit, die Sammlung des 1932 gegründeten Museums allein ist einen zweitägigen Besuch wert.

Der 500 reiht sich wieder in den Verkehr ein, die Lenkung dreht sich spielerisch leicht, überhaupt wohnt dem Umgang mit dem kleinen Fiat eine lebensbejahende Leichtigkeit inne, die fröhlich macht. Und ein wenig demütig. So wenig Auto war also mal nötig, um dieses Land zu motorisieren. Und doch so viel. Denn der Cinquecento wirkt nicht ärmlich. Die Verarbeitung ist gut, die kleinen Hebel und Schalter rasten sauber ein, die Fensterkurbeln kurbeln nicht weniger satt als in einem zeitgenössischen Mercedes. Dazu das grandiose Klappdach und das Eigenlenkverhalten eines kleinen Rennwagens.

Fiat 500 neu und alt Foto: Dino Eisele
Früher wie heute ist die kleine Knutschkugel ein Hingucker. Auch beim aktuellen Modell ist das Retrodesign gelungen, finden wir. Die Wurzeln aus früheren Zeiten sind unverkennbar.

1968 testete auto motor und sport einen 500F. Er biete, so befand Gert Hack, die billigste Möglichkeit, sich auf vier Rädern fortzubewegen, die man noch als Autofahren bezeichnen könne. Dem ist nichts hinzuzufügen, genau so ist es. Zudem, resümierte der strenge Tester, vermittle der Fiat bei aller Sparsamkeit ein gewisses Maß an automobilistischem Vergnügen, selbst wenn Motor- und Fahrleistungen den Ansprüchen nicht mehr genügten. Selbst das sehen wir heute kein bisschen anders.

Im Centro verraten rechtwinklig aufeinander zulaufende Straßenzüge den römischen Grundriss der Stadt. Längst darf der Fiat nicht mehr überallhin, „Zona traffico limitato“ steht oft an den interessanten Ecken. So schlendern wir mit ihm an den Arkadengängen entlang zu der Bar, an der Luca auf uns und sein Auto wartet. Er hat einen Caffè vor sich stehen. Ich schiebe mit fragendem Blick die Schlüssel über den Tisch. Unverkäuflich, sagt Luca, das sei sein eigener 500. Aber bis morgen könne er einen anderen besorgen. Pech oder Glück? Der Rückflug nach Deutschland geht bereits an diesem Abend.

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Neuester Kommentar

Ich werde es nie verstehen, dass die Hundehuette Fiat 500 posthum zum Kultauto erklaert wurde. Das Kultauto zu dieser meiner Zeit, war der Fiat 600. Er war auch auf den Rennstrecken dieser Welt als Abarth super erfolgreich. Der Fiat 500 hingegen war ein Fahrzeug, das sich eigentlich nur Fahrradfahrer leisten konnten. Heute wuerde man sagen: Vegane Luftgitarren Spieler.

henry 26. August 2017, 22:42 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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