Esteban Gutierrez - GP Bahrain 2014 Motorsport Images

GP Bahrain 2014 (900. Grand Prix)

Die Antwort auf die Kritiker

1000. GP

Bernie Ecclestone, Red Bull und Ferrari nahmen die neue Hybrid-Formel in die Kritik. Zu leise, zu langsam, zu langweilig. Das erste Nachtrennen in Bahrain gab den Nörglern die passende Antwort. Es war ein Krimi mit 89 Überholmanövern. Nico Rosberg gab Mercedes-Kollege Lewis Hamilton Feuer.

Die Formel 1 redete ihr eigenes Produkt schlecht. Dem dritten Grand Prix der Hybrid-Ära waren zwei eher langweilige Rennen in Australien und Malaysia vorangegangen. Bernie Ecclestone kritisierte den viel zu leisen Knatter-Sound der neuen Motoren. Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz forderte echten Rennsport, der laut und unvernünftig sein darf. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sprach von Taxifahrten und dem Diktat des Benzinsparens. Man wähnte sich im falschen Film. Statt Werbung für den eigenen Sport hagelte es Ohrfeigen.

Red Bull und Ferrari hatten handfeste Gründe für ihren Unmut. Sie gewannen nicht mehr. Also musste etwas falsch sein an der PS-Show. Die Taktik dahinter war klar. So lange die Zuschauer aufhetzen, bis die Formel 1 den Umkehrschluss zu den alten V8-Motoren macht. Montezemolo vergaß dabei, dass er selbst einmal ein glühender Verfechter der neuen Motor-Formel war. Weil er darin die einzige Chance sah, Red Bull vom Thron zu stoßen. Jetzt hatte er Mercedes und Red Bull vor der Nase. Dumm gelaufen.

Rosberg mit Plan B gegen Hamilton

Der GP Bahrain strafte seine Kritiker mit einem Autorennen, wie man es alle Jubeljahre erlebt. Die Statistik zählte 89 Überholmanöver und mindestens ebenso viele missglückte Versuche. Der Befreiungsschlag der neuen Rennformel hatte damit zu tun, dass die Hinterreifen in den vielen Beschleunigungspassagen an ihre Grenzen kamen. Acht Fahrer taktierten mit drei, acht mit zwei Stopps. Das sorgte für Unruhe im Feld. Das Streckenlayout, das es mit seinen langen Geraden und vielen Bremszonen erlaubte, die Elektromotoren immer wieder aufzuladen und zu entleeren, schaffte Überholmöglichkeiten.

Esteban Gutierrez - GP Bahrain - Crashs 2014
xpb
Der Überschlag von Esteban Gutierrez war die spektakulärste Szene beim GP Bahrain 2014.

Das erste Nachtrennen in Bahrain zerfiel in zwei Brennpunkte. Vorne kämpften die Mercedes-Piloten mit unterschiedlichen Taktiken um den Sieg. Nachdem der Trainingsschnellste Nico Rosberg den Start verlor, wählte er Plan B. Also die Reifenfolge soft-medium-soft. Hamilton hielt sich an die Standard-Strategie soft-soft-medium. Laut Strategieprogramm sollte das die beiden Mercedes-Fahrer zwei Runden vor Schluss zusammenführen. Mit dem zweitplatzierten Rosberg auf den besseren Reifen.

Die Regie machte es noch spannender. Eine SafetyCar-Phase führte schon 17 Runden vor dem Ende zum Zusammenschluss. Pastor Maldonado hatte den Sauber von Esteban Gutierrez aufs Dach gestellt. Am Mercedes-Kommandostand begann das große Zittern. Sieben Mal überholte Rosberg seinen Stallrivalen, und genauso oft wurde er wieder ausgekontert. Hamilton war im Zweikampf die entscheidende Spur kompromissloser.

Ferraris Bauernopfer hieß Domenicali

Auch hinter dem Mercedes-Duo ging es drunter und drüber. Sergio Perez sicherte dank reifenschonender Fahrweise Force India das zweite Podium nach Spa 2008. Der Mexikaner hatte seinen dritten Platz auch Teamkollege Nico Hülkenberg zu verdanken, den er Mitte des Rennens niederkämpfte. Hülkenberg hielt den nach vorne stürmenden Daniel Ricciardo so lange auf, dass der Angriff des Red Bull-Piloten auf Perez zu spät kam. Force India reiste als Zweiter der Konstrukteurs-WM aus dem Königreich ab. Der vermeintlich stärkste Mercedes-Kunde McLaren leckte seine Wunden. Jenson Button und Kevin Magnussen fielen mit Kupplungsschäden aus.

Red Bull stellte mit verbesserten Renault-Motoren das zweitschnellste Paket in Bahrain. Doch Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo starteten nur von den Plätzen 10 und 13. Vettel, weil bei seinem Renault-V6-Turbo in der entscheidenden Runde das Wastegate-Ventil zumachte. Ricciardo, weil die Strafe für das lose Rad in Malaysia zehn Startpositionen kostete. Ricciardo kam als Vierter vor Vettel ins Ziel. Das verlangte nach einer Erklärung.

GP Bahrain 2014: Das 900. Rennen der Geschichte

Esteban Gutierrez - Formel 1 - GP Bahrain 2014
Esteban Gutierrez - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Rosberg vs. Hamilton - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Rosberg vs. Hamilton - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Bahrain 2014 76 Bilder

In der Mitte des Rennens ließ Vettel seinen Teamkollegen auf Teambefehl vorbei, weil der Australier zu dem Zeitpunkt auf anderen Reifen unterwegs war. Nach dem Re-Start bremste Ricciardo seinen Teamkapitän respektlos aus. „Daniel hat besser mit den Reifen hausgehalten. Er war zu schnell für mich“, gab Vettel zu. Der Weltmeister musste sich auch noch hinter Nico Hülkenberg anstellen, weil am Ende des Rennens wieder die Reifen nachließen.

Die Williams-Piloten waren enttäuscht. Felipe Massa und Valtteri Bottas hatten sich von ihren guten Startpositionen mehr erhofft als die Plätze 7 und 8. Die weißen Autos mit den Martini-Streifen fraßen ihre Reifen. Das erforderte drei Stopps. Ferrari verbuchte eine Pleite. Das stolze Team war hinter Mercedes, Red Bull, Force India und Williams nur fünfte Kraft. Präsident di Montezemolo erlebte die Pleite nicht mehr mit. Er reiste zusammen mit Bernie Ecclestone vorzeitig ab. Fernando Alonso und Kimi Räikkönen fuhren 32 Sekunden hinter dem Sieger einträchtig als Neunter und Zehnter über die Ziellinie. Ein Bauernopfer musste her. Fünf Tage später war Stefano Domenicali kein Rennleiter mehr.

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GP Bahrain 2014

1. Lewis Hamilton Mercedes               1:39.42,743h = 185,476 km/h
2. Nico Rosberg Mercedes + 1,085s
3. Sergio Perez Force India-Mercedes + 24,067 s
4. Daniel Ricciardo Red Bull-Renault + 24,489 s
5. Nico Hülkenberg Force India-Mercedes        + 28,654 s
6. Sebastian Vettel Red Bull-Renault + 29,879 s
7. Felipe Massa Williams-Mercedes + 31,265 s
8. Valtteri Bottas Williams-Mercedes + 31,876 s
am 6.April 2014 in Sakhir, 57 Runden à 5,412 km = 308,238 km    
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