Teaser - 1.000 GPs - Jo Siffert - March 701 - Jochen Rindt - Lotus 72C - Jacky Ickx - Ferrari 312B - Hockenheim 1970 sutton-images.com

Abgesagte Grands Prix

Boykott-Rennen in der Formel 1

1000. GP

Im Laufe der Jahre gab es viele Rennen, die gar nicht stattfanden. Die meisten, weil der Veranstalter kein Geld hatte. Einige wenige aber auch, weil sich die Teams oder die Fahrer weigerten zu fahren.

Abgesagte Grand Prix sind keine Seltenheit in der Geschichte. Immer mal wieder konnte der Veranstalter das geforderte Startgeld nicht aufbringen und flog aus dem Kalender. In den frühen Jahren der Formel 1 gab es regelmäßig Absagen.

1955 stand der Sport am Rande des Abgrunds, als Pierre Leveghs Mercedes bei den 24 Stunden von Le Mans in das Publikum flog und 82 Zuschauer tötete. Daraufhin sagten die Schweiz, Deutschland und Spanien ihre Grand Prix-Veranstaltungen ab.

Die Schweiz und vorübergehend auch Schweden verboten ab 1956 Rundstreckenrennen gleich ganz. Der US-Automobilclub AAA richtete keine Motorsportveranstaltungen mehr aus. Seine Aufgabe übernahmen der USAC für die Indianapolis-Formel und die SCCA für Sportwagenrennen.

Fahrer boykottieren Spa

Mitte der 60er begann man sich Gedanken über die Sicherheit zu machen. Die Fahrer hatten keine Lust mehr, in immer schnelleren Autos auf Rennstrecken aus der Steinzeit ihr Leben zu riskieren. Die Streckenbesitzer hingegen wollten so wenig wie möglich investieren. Sicherheit kostete Geld.

Als ersten Kurs hatten die Fahrer Spa-Francorchamps im Visier. Das 14,1 Kilometer lange Monster hatte zu viele Opfer gefordert. Im Regen war die ultraschnelle Strecke ein Himmelfahrtskommando. Als sich 1968 die Todesfälle häuften, wagten die Fahrer einen ersten Aufstand.

Jochen Rindt - Cooper T81 - GP Belgien 1966 - Spa
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Spa-Francorchamps gehörte zu den gefährlicheren Rennstrecken.

Sie rangen dem Veranstalter in Belgien das Versprechen ab, bei Regen am Renntag den Start um eine Stunde zu verschieden, und sollte die Piste dann immer noch nass sein, einen Einzelstart mit 10 Sekunden Differenz zwischen den einzelnen Teilnehmern anzuordnen. Es wäre dann der einzige Grand Prix gewesen, der nach dem Vorbild der Targa Florio auf einer Zeitbasis abgehalten worden wäre. Der Wettergott verschonte die Formel 1 von dieser Erfahrung. Am Sonntag zeigte sich der Himmel über den Ardennen bedeckt, doch es blieb trocken.

Das war aber nur der Anfang. Nur ein Jahr später gab es keinen GP Belgien. Die Fahrer forderten Leitplanken an der Außenseite der gefährlichsten Kurven. Als Jackie Stewart im Auftrag der Fahrergemeinschaft GPDA im April den Kurs inspizierte, stellte er fest, dass nicht eine einzige der geforderten Maßnahmen erfüllt wurde. Daraufhin erklärten sich die englischen und italienischen Teams mit ihren Fahrern solidarisch und zogen ihre Nennung zurück.

Für 1970 hatten die Verantwortlichen von Spa ein Einsehen. Leitplanken umsäumten den Ardennenkurs. Die Malmedy-Passage wurde durch eine Schikane entschärft. Strahlender Sonnenschein erübrigte die Diskussionen über einen Startaufschub oder sogar eine Absage. Damit hatten die Fahrer dem Veranstalter im Fall von Regen gedroht. Der setzte deshalb 13 Uhr als erste Startzeit an, um nach hinten Luft zu haben. Es war dennoch der letzte Grand Prix auf der alten Strecke von Spa. Chris Amon war mit einem Schnitt von 245,439 km/h die schnellste Runde gefahren. Da waren auch Leitplanken keine Überlebensgarantie mehr.

Nur die Bäume wurden dicker

Ein Jahr später sollte es den Nürburgring treffen. Drei Wochen vor dem GP Deutschland 1970 besuchten Jochen Rindt und Graham Hill die Eifelpiste. Sie präsentierten dem Veranstalter einen 18-Punkteplan für mehr Sicherheit. Die Forderungen waren in der Kürze der Zeit nicht zu erfüllen. Weil die Fahrer mit Boykott drohten, musste der AvD die Nordschleife aus dem Veranstaltungskalender streichen.

Der GP-Tross zog kurzerhand nach Hockenheim um. Die 6,789 Kilometer lange Piste war nach dem tödlichen Unfall von Jim Clark zwei Jahre zuvor komplett mit Leitplanken eingerahmt und mit zwei Bremskurven auf den langen Waldgeraden versehen worden. Jackie Stewart fragte die militanten Nürburgring-Verfechter ketzerisch: „Was hat sich am Ring seit 1950 geändert? Nichts. Nur die Bäume wurden dicker.“

Jo Siffert - March 701 - Jochen Rindt - Lotus 72C - Jacky Ickx - Ferrari 312B - GP Deutschland 1970 - Hockenheim
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Start zum GP Deutschland 1970 in Hockenheim: Jo Siffert (links, March 701), Jochen Rindt (Mitte, Lotus 72C), Jacky Ickx (rechts, Ferrari 312B)

1971 präsentierte sich der Nürburgring in neuer Form. Immer noch 22,835 Kilometer lang, immer noch ein Ritt auf der Rasierklinge, immer noch ein ewiges Auf und Ab. Dafür mit Sturzräumen, Leitplanken und Fangzäunen statt Bäumen, Hecken oder Gräben links und rechts von der Strecke, begradigten Kurven, abgetragenen Kuppen und einem neuen Asphalt. Die Korrektur kostete damals 6,5 Millionen Mark. Sie hatte fünf Jahre Bestand. Dann hätte der Nürburgring sehr viel mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um die Strecke Formel 1-tauglich zu halten.

Hitze in Spa weicht Asphalt auf

1985 sollte der GP Belgien ursprünglich am 2. Juni stattfinden. Doch das Rennen wurde am Samstagabend um 19.30 Uhr abgesagt. Ein frisch verlegter Asphalt hielt der geballten Gewalt von 21.000 PS nicht stand. Der Veranstalter hatte für umgerechnet 6 Millionen Euro den Streckenbelag erneuern lassen, um bei Regen eine bessere Drainage zu garantieren.

Die Umbauarbeiten wurden wegen schlechten Wetters erst zehn Tage vor dem Rennen fertig. Dummerweise herrschten dann am ersten Juni-Wochenende in Spa tropische Temperaturen, was dazu führte, dass die noch nicht gefestigte Teerschicht aufweichte. Schon nach dem Freitagstraining war die Strecke ein Flickenteppich.

Nachbesserungsarbeiten in der Nacht halfen nicht viel. Nach nur 25 Minuten am Samstag brach der Asphalt erneut auf. Die Fahrer traten in Streik. Sie blieben auch hart, als der Veranstalter weitere Arbeiten an der Strecke in der Nacht zum Rennen versprach. Man hatte 1973 in Zolder und 1984 in Dallas mit faulen Versprechungen schlechte Erfahrungen gemacht. Den Zuschauern wurde erklärt, dass der Grand Prix am Sonntag trotz des Ausfalls der zweiten Qualifikationseinheit wie geplant stattfinden werde.

Man hoffte, die Fahrer doch noch umzustimmen. Umsonst. Um das Publikum am Sonntag nicht zu enttäusche,n wurde wenigstens die Formel 3000 auf die Strecke geschickt. Auch die wesentlich schwächeren Autos gruben tiefe Furchen in den Belag. Die FIA ließ Milde walten. Für eine Strafe von 10.000 Dollar durfte der GP Belgien einen zweiten Anlauf nehmen. Das Rennen wurde auf den 15. September verlegt.

Michele Alboreto verlor mit der Absage eine gute Gelegenheit, seine WM-Führung auszubauen. Der Ferrari-Pilot stand für das Rennen im Juni auf der Pole Position, vor Elio de Angelis, Ayrton Senna, Patrick Tambay und Stefan Johansson. Beim Nachholtermin im September war Alboreto der erste Ausfall. Nach drei Runden war die Kupplung durchgebrannt. Ayrton Senna gewann das Rennen, das teilweise bei Regen stattfand.

Jochen Rindt - Cooper T81 - GP Belgien 1966 - Spa
sutton-images.com 1/8 Jochen Rindt lenkt seinen Cooper T81 mit Maserati-V12 im Jahr 1966 durch Eau Rouge. Das 14,1 Kilometer lange Monster Spa-Francorchamps gehörte zu den gefährlichsten Rennstrecken im Kalender.
Jochen Rindt - Cooper T81 - GP Belgien 1966 - Spa Brian Redman - Cooper T86B - GP Belgien 1968 - Spa Ignazio Giunti - Ferrari 312B - GP Belgien 1970 - Spa Jackie Oliver - BRM P138 - GP Deutschland 1969 - Nürburgring Jo Siffert - March 701 - Jochen Rindt - Lotus 72C - Jacky Ickx - Ferrari 312B - GP Deutschland 1970 - Hockenheim Jacky Ickx - Ferrari 312B2 - Jackie Stewart - Tyrrell 003 - Clay Regazzoni - Ferrari 312B2 - GP Deutschland 1971 - Nürburgring Ayrton Senna - Lotus 97T - GP Belgien 1985 - Spa Bahrain 2012 - Kronprinz Scheich Salman bin Hamad Al Khalifa - Bernie Ecclestone - Jean Todt

Die erste politische Absage

Der GP Bahrain 2011 war das bislang einzige Rennen, das aus politischen Gründen abgesagt wurde. Der arabische Frühling war auch in dem Königreich im Arabischen Golf angekommen. Nachdem es bei Protestmärschen am 17. Februar in Manama zu Todesfällen gekommen war, diskutierten die in der FOTA organisierten Teams und die FIA über eine Absage des Saisonauftakts, eine Verlegung an einen anderen Ort oder eines Verschiebung des Rennens in den Oktober.

Die Entscheidungsträger standen unter Zeitdruck. Anfang März sollten Testfahrten auf der Strecke von Sakhir stattfinden. Da die Unruhen im Land nicht aufhören wollten und mehrere Länder von Reisen nach Bahrain abgeraten hatten, kam Kronprinz Salman al Khalifa einer offiziellen Absage zuvor. Am 21. Februar war es amtlich: Der Saisonauftakt 2011 würde nicht in Bahrain, sondern in Australien stattfinden.

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