Renault-Sportchef Abiteboul fordert Regeländerung

Speed-Limit von 100 km/h in Box?

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Russland 2018 Foto: Wilhelm 67 Bilder

Die meisten Grand Prix 2018 sind Einstopprennen. Deshalb fordert Cyril Abiteboul Regeländerungen. Renaults Sportchef kämpft dafür, die Geschwindigkeit in der Boxengasse von 80 auf 100 km/h anzuheben. Abiteboul kritisiert die Formel 1 für die zu schweren Autos und die Reifenregeln.

Bis 1994 durften die Formel 1-Fahrer noch mit Vollgas durch die Boxenstraße heizen. Nach den tödlichen Unfällen von Imola verschärfte die FIA die Sicherheitsregeln. Erstmals führten die Regelhüter im Rennen ein Speed-Limit von 120 km/h in der Boxengasse ein. 2001 wurde die Geschwindigkeit auf 80 km/h gesenkt. Drei Jahre später wieder auf 100 km/h erhöht.

2007 ging das Speed-Limit im Rennen wieder auf 80 km/h runter, und zwei Jahre später wieder hoch auf 100 Sachen. Seit dem GP Ungarn 2013 gelten 80 km/h. Die FIA reagierte damit auf einen Vorfall in der Boxenstraße beim GP Deutschland. Damals hatte Mark Webbers Red Bull das rechte Hinterrad verloren. Es traf einen Kameramann in den Rücken. Die Sicherheit wurde im Allgemeinen erhöht.

Marko fordert vereinfachtes Reglement

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul fordert, die Geschwindigkeit im Rennen schon ab 2019 wieder anzuheben. Es wurde auch schon in der Strategiegruppe thematisiert. Der Franzose verspricht sich durch die kürzeren Durchfahrtszeiten mehr taktische Vielfalt durch mehr Boxenstopps. „Ich pushe dafür, auf 100 km/h zu gehen. Es wäre ein kleiner Teil, um die Show zu verbessern. Und wir müssen an vielen kleinen Details arbeiten“, sagt Abiteboul. HaasF1-Teamchef Guenther Steiner hält wenig von der Idee. „Das bringt vielleicht zwei oder drei Sekunden. Deshalb macht keiner einen Boxenstopp mehr. Das löst unser Problem nicht. Mehr Boxenstopps kannst du nur über andere Reifen erzwingen.“

Carlos Sainz - Nico Hülkenberg - Renault - GP Russland 2018 - Sotschi - Qualifying Renault plant für das Rennen Nichtfahr-Taktik für Hülkenberg und Sainz

Abiteboul würde auch bei den Reifenregeln ansetzen. In Singapur kam es zur bizarren Situation, dass die Mittelfeldteams, die in Q3 einzogen, im Rennen einen großen Nachteil hatten. Weil sie auf dem verschleißstarken Hypersoft starten mussten. In Sotschi zeichnete sich nach dem Training eine ähnliche Situation ab. Deshalb verzichtete Renault mit beiden Autos auf einen Run im zweiten Quali-Durchgang, um für den Start frei über die Reifen entscheiden zu dürfen. „Für uns machte es Sinn“, sagt Abiteboul. „Aber es kann nicht sein, dass die Regeln dich dazu verleiten, freiwillig in Q2 auszuscheiden, um Elfter zu sein.“ Mit anderen Worten: Das führt den Sinn einer Qualifikation ad absurdum.

Sein Vorschlag: „In Q3 sollte der Startreifen bestimmt werden.“ So war es bis 2013. Damals änderte die FIA die Regeln, weil oftmals einige Mittelfeldteams auf einen Run in Q3 verzichteten, um auf frischen Reifen ins Rennen zu gehen. Die Folge war wenig Action im dritten Quali-Teil. Red Bulls Helmut Marko stimmt zu, dass sich an den Regeln etwas ändern sollte. Der Doktor zielt auf die Motorenregeln und die vielen Startplatzstrafen ab. „Wir brauchen weniger Regeln. Es muss ein vernünftiges Reglement her. Ohne uns und ohne Gasly war im Q2 von Russland die Luft raus. Wir müssen das gesamte Regelwerk entrümpeln. Die Motorenregel ist völlig unsinnig. Das spart niemandem Geld. Wenn ein Motor kaputt geht, baut jeder sowieso einen neuen.“

Keine Besserung 2019?

Schon öfters kam in der Vergangenheit der Vorschlag, die Teams selbst über die 13 Reifensätze bestimmen zu lassen. Nach dem Motto: Jeder darf sich die Gummis-Sorten für ein GP-Wochenende zusammen mischen, wie es ihm beliebt. Abiteboul hält nichts von diesem Vorschlag. „Die Topteams haben die besseren Simulationen. Sie haben die besseren Werkzeuge. Sie wären besser vorbereitet.“

Renaults Sportchef geht auch die Entwicklung der Autos gegen den Strich. „Sie werden immer schwerer. Im nächsten Jahr wiegt ein Auto am Start 850 Kilogramm. Die Fahrer waren in Singapur im Rennen so langsam, dass sie unterfordert waren.“ 2019 steigt das Mindestgewicht von 733 auf 740 Kilogramm. Weil das Fahrergewicht auf 80 Kilogramm festgelegt wird. Am Start kommen mit vollen Tanks 110 Kilogramm hinzu.

„Wir stecken so viel Geld ins Auto, um es leichter zu machen. In Details wie die Aufhängungen. Und trotzdem werden die Autos schwerer. Die Fahrer sind deshalb langsam im Rennen. Deshalb unterlaufen ihnen keine Fehler mehr. Selbst auf einer Strecke wie Singapur. Das macht es langweilig für die Zuschauer. In den 1990ern und 2000ern hatten die Fahrer mit deutlich leichteren Autos viel mehr zu kämpfen.“ Anfang der 1990er lag das Gewicht noch bei knapp über 500 Kilogramm. Damals jedoch ohne Fahrer. Selbst 2010 betrug das Mindestgewicht von Auto und Fahrer nur 620 Kilo. Mit dem Zeitalter der Hybridmonster kletterte es.

„Wir müssen aufpassen“, warnt Abiteboul. „Das Interesse an der Formel 1 geht runter. Der Sponsorenmarkt ist schwierig.“ Dass die neuen Aerodynamikregeln für 2019 einen Umschwung bringen, glaubt er nicht. „Ehrlich gesagt glauben wir nach unseren Erfahrungen mit Simulator und Windkanal nicht daran, dass es leichter wird zu überholen.“

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