Dreiklassengesellschaft in der Formel 1

Vettel und Hamilton in eigener Liga

Lewis Hamilton & Sebastian Vettel - GP England 2018 Foto: sutton-images.com 23 Bilder

Sportlich zerfällt die Formel 1 in zwei Klassen. Nach Punkten gerechnet sind es drei. Sebastian Vettel und Lewis Hamilton fahren im Spitzenpulk noch einmal in einer eigenen Kategorie. Das Titelrennen wird wieder zum klassischen Zweikampf.

Es ist kein Geheimnis, dass in der Formel 1 mit ungleichen Waffen gekämpft wird. Ferrari, Mercedes und Red Bull fahren in einer eigenen Kategorie. Ihr Vorsprung vor dem Rest des Feldes beträgt je nach Strecke zwischen einer und anderthalb Sekunden. Etwa so viel Zeit, die in der Formel 1B den Vierten vom Zehnten trennt. Wer auch immer das große Mittelfeld anführt, er liegt zwischen einer und zwei Sekunden vor dem Schlusslicht Williams.

Wenn man sich die Punktetabelle der Weltmeisterschaft 2018 ansieht, dann bietet sich ein anderes Bild. Da zerfällt das 20 Fahrer starke Feld in drei Blöcke. Sebastian Vettel und Lewis Hamilton haben bereits 47 Punkte Vorsprung auf einen Viererpulk, der aus Kimi Räikkönen, Valtteri Bottas und den beiden Red Bull-Piloten besteht. Diese Gruppe wiederum liegt 51 Zähler vor dem Rest, der nach 10 Grand Prix von Nico Hülkenberg angeführt wird.

Vettel als einziger ohne Ausfall

Der große Abstand zwischen der Spitze und den Verfolgern hat ganz klar technische Gründe. Ferrari, Mercedes und Red Bull operieren mit doppelt bis dreifach so vielen Leuten und Geld. Es ist, als würden drei Champions League-Mannschaften in der dritten Bundesliga mitspielen dürfen.

Grafik - WM-Stand 2018 Foto: Eller
Die Grafik zeigt deutlich, wie sich die F1-Spitze in zwei Gruppen aufspaltet.

Daran wird sich in Zukunft auch nicht viel ändern, auch wenn sich Renault langsam dem Status der drei Top-Teams annähert. Selbst wenn die Franzosen alles richtig machen, wird es mindestens noch zwei Jahre dauern, bis man Anschluss findet. Bis dahin greift hoffentlich die Budgetdeckelung.

Doch warum splittet sich selbst die Spitzengruppe in zwei Klassen auf? Das hat zum einen wieder technische Gründe. Vettel hat noch keinen Nuller in seiner Tabelle. Hamilton nur einen. Ihre Teamkollegen sind schon jeweils zwei Mal leer ausgegangen.

Noch härter trifft es Red Bull. Daniel Ricciardo und Max Verstappen haben je drei Ausfälle zu beklagen. Das ist bei Vettels Ausbeute von 17,1 Punkten pro GP-Start schon einmal ein Rückstand von 51 Punkten. Dazu kommt, dass der Ferrari-Pilot vier Mal vor beiden Red Bull ins Ziel gekommen ist.

Ähnlich verhält es sich mit Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot erreichte sogar sechs Mal vor den zwei Red Bull-Piloten das Ziel. Bei einem Punkteschnitt von 16,3 wiegt der Ausfall des Weltmeisters in Österreich doppelt schwer. Wäre Hamilton in Spielberg nur der Statistik gerecht geworden, würde er jetzt das Titelrennen anführen. Man muss kein Prophet sein um die Prognose zu stellen: Dieser WM-Titel wird über die Standfestigkeit des Materials und die Fehlerquote der Fahrer entschieden.

Stallregie spielt noch keine Rolle

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 26.5.2018 Korrigierte WM-Tabelle Wo stünde Verstappen ohne Fehler?

Bei Räikkönen und Bottas kommt noch ein Nachteil hinzu. Ihre Teamkollegen sind meistens schneller oder liegen in der Startrunde vor ihnen. Das sichert ihnen die bessere Strategie. Da Einstopp-Rennen die Regel geworden sind, haben die Nummer zwei-Piloten auch praktisch keine Chance mehr ihre Teamkapitäne zu überholen.

Stallregie darf man Ferrari und Mercedes im Moment noch nicht unterstellen. Kimi Räikkönen durfte in China, Aserbaidschan, Frankreich und Österreich vor seinem Stallrivalen ins Ziel fahren. Bottas zeigte Hamilton in Bahrain, China und Kanada den Auspuff. Bei seinem Ausfall in Baku lag er vor dem Mercedes-Chefpiloten.

Die Ausfälle von Räikkönen und Bottas waren eine Mischung aus Pech und Defekten. Räikkönen stolperte in Bahrain über einen missglückten Boxenstopp und schied in Spanien mit einem Motorproblem aus. Bottas raubte ein Reifenplatzer nach Überfahren von Trümmerteilen in Aserbaidschan den möglichen Sieg. In Österreich streikte die Hydraulik.

Bei Red Bull haben die Fahrer einmal selbst Punkte weggeworfen. Die Kollision in Baku kostete ein mögliches Podium. Ansonsten geht beim WM-Dritten zu viel kaputt. Die Batterie in Bahrain, der Auspuff in Österreich, Brake-by-wire in England. Selbst beim Sieg in Monaco war die Technik nicht sattelfest. Ricciardo fuhr mit defekter MGU-K zum Sieg.

In der Kategorie 1B staffeln sich 13 Fahrer schön verteilt von 42 bis zu einem Punkt für Brendon Hartley. Im Kampf um den Titel der Verfolger läuft alles auf einen Dreikampf zwischen Nico Hülkenberg (42), Fernando Alonso (40) und Kevin Magnussen (39) hinaus.

Dahinter staffeln sich wieder drei Fahrer auf engem Raum: Carlos Sainz (28), Esteban Ocon (25) und Sergio Perez (23). Nur ein Fahrer ist in diesem Jahr noch ohne Punktgewinn. Sergey Sirotkin muss im Williams auf ein mittleres Wunder warten, wenn er vom Tabellenende weg will.

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