Renault - Formel 1 - GP Bahrain - 2019 xpb

Haben sich Aero-Regeln bewährt?

Ziel für 2021 sind 95% Luftenergie

Bahrain war der erste echte Gradmesser für die neuen Aerodynamikregeln. Ist das Überholen einfacher geworden? Und was ist für die Zukunft geplant? Wir geben die Antworten.

Der GP Australien war kein Maßstab. Auch wenn es elf statt nur fünf Überholmanöver wie noch im Vorjahr gab. Bei drei davon winkte Antonio Giovinazzi seine Verfolger vorbei. Die nächsten drei Fahrer überholten den Sauber, als dessen Reifen am Ende waren. „In Melbourne wirst du auch mit einem Go-Kart nicht überholen können“, spottet Racing Point-Technikchef Andy Green. „Die Geraden sind zu kurz und die Kurven danach zu schnell. Du kannst bei diesen Radien nicht einfach innen reintauchen. Egal mit welchen Autos.“

Da war der GP Bahrain schon ein besserer Maßstab. Im letzten Jahr haben wir 52 Überholmanöver bei zwei DRS-Zonen gezählt. Diesmal waren es 60 Überholvorgänge bei drei DRS-Zonen. Die Sorge, es würde den Fahrern zu einfach gemacht, war unbegründet. Die meisten Positionswechsel waren immer noch ein Gewaltakt. Als Spitzenreiter profilierten sich Lando Norris und Nico Hülkenberg mit jeweils sieben Überholvorgängen. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen folgten mit je sechs.

Überholen nicht schwieriger geworden

Ist das schon ein Beweis dafür, dass sich die neuen Aerodynamik-Regeln bewährt haben? Es spricht zumindest nicht dagegen. „Wir können ein bisschen näher aufschließen als im letzten Jahr“, gibt Räikkönen zu. „Du bist am Ausgang der Kurve näher dran. Wenn du dann aber keine gute Traktion hast, bleibt es weiter schwierig. Es ist wie das Hase-Igel-Spiel. Du holst einfacher auf, kommst aber immer noch schwer vorbei.“ Die meisten Kollegen pflichten Räikkönen bei. „Es ist ein bisschen besser geworden“, bestätigt Kevin Magnussen.

Sebastian Vettel - Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 31. März 2019
Motorsport Images
Das Überholen in Bahrain funktionierte sogar zwischen zwei Schwesterautos.

Bahrain ist mit seinen langen Geraden und den eckigen Kurven im Anschluss prädestiniert für Überholmanöver. Auf dem Kurs von Sakhir kamen weitere positive Faktoren hinzu. Bahrain ist eines der wenigen Zweistopp-Rennen im Kalender. Das schafft große Unterschiede beim Grip der Reifen, weil sich die 40 Boxenstopps über große Fenster verteilen. Das bedeutet, dass es oft zur Situation „neue Reifen gegen alte Reifen“ kommt.

Dieses Jahr leistete obendrein der starke Wind Schützenhilfe. Die heftige Brise, die den Piloten bei der Fahrt in Richtung Kurve 4 ins Gesicht wehte, verstärkte dem DRS-Effekt. Die garstigen Böen erhöhten zudem die Fehlerquote im Feld.

Daran machen sich auch kritische Stimmen fest wie die von Nico Hülkenberg: „Unsere Autos sind zu einfach zu fahren. Da machst du kaum noch Fehler. Du kannst mit Mut oder Fahrkönnen nichts mehr wettmachen, weil alle schon perfekt unterwegs sind. Wo willst du bei den mega-kurzen Bremswegen noch einen Unterschied machen? Wie willst du besser beschleunigen, wenn alle gleich früh auf dem Pinsel stehen?“

„Früher hast du dich in Melbourne in Kurve 2 und in Kurve 9 mit dem Gas so nah wie möglich an die Mauer gezittert. Wer da gezuckt hat, hatte verloren. Heute mache ich mir keine Gedanken. Die Autos haben so viel Abtrieb, dass du ohne Probleme früh aufs Gas gehst. Dazu kommt, dass unsere Autos bei Richtungswechseln träge wie Panzer sind. Wir schleppen viel zu viel Gewicht mit uns rum.“

Formel 1 2021 - Konzept - Mark Antar
Mark Antar Design
Die vorletzte Version des F1-Modells für 2021 namens "India" sah so aus. Mittlerweile sind die Ingenieure schon eine Stufe weiter beim Modell "Juliet".

Extreme Verbesserung mit 2021er Autos

Ein Problem könnte mit den Autos für 2021 gelöst werden. Sie sollen vom Abtrieb her mindestens auf den Stand von 2017 zurückfallen. Und der Großteil des Anpressdrucks wird über Tunnel unter dem Auto und nicht mehr über die Flügel erzielt. Das ist unempfindlicher Abtrieb, der weniger abhängig von der Energie der Luft ist, in der sich das Auto bewegt

Pat Symonds, Chef der Technik-Kommission des F1-Managements, fühlt sich bestätigt: „Die Ergebnisse von diesem Jahr zeigen uns, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen haben. Das ist aber nur ein kleiner Schritt im Vergleich zu dem, was 2021 kommt.“

Das Formel 1-Auto der Zukunft beginnt gerade seine zehnte Entwicklungsschleife namens „Juliette“ zu drehen. Im Zentrum der Entwicklung steht noch einmal eine Frontflügel-Modifikation. Wenn alles so klappt, wie es sich die Expertengruppe vorschlägt, dann können die Formel 1-Piloten 2021 eine völlig andere Welt erwarten.

„Zur Zeit hat das Auto eine Wagenlänge dahinter 50 Prozent der Luftenergie zur Verfügung“, verrät Symonds und verspricht: „2021 werden es 95 Prozent sein.“ Zwei Wagenlängen dahinter spürt der nachfolgende Fahrer gar nichts mehr von Turbulenzen. „Momentan liegt da die Luftenergie bei 75 Prozent. In zwei Jahren werden wir uns auf 100 Prozent verbessern.“

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