Alexander Albon - Toro Rosso - F1-Test - 2019 Red Bull

Alexander Albon im Interview

"Stand nicht auf der schwarzen Liste"

Toro-Rosso-Rookie Alex Albon spricht im Interview mit auto motor und sport über den steinigen Weg in die Formel 1 und seine prominenten Konkurrenten George Russell, Lando Norris und Charles Leclerc, die er gut aus den Junior-Serien kennt.

Sie sind in England aufgewachsen, fahren aber unter thailändischer Lizenz. Wie kam es dazu?

Albon: Meine Mutter kommt aus Thailand, mein Vater ist Brite. Ich spreche beide Sprachen, wobei mein Thailändisch nicht ganz so gut ist wie mein Englisch. Einen echten Grund, warum ich mich für Thailand entschieden habe, gibt es nicht. Die Leute wollten mir immer einreden, dass ich Brite bin, aber ich selber fühle mich beiden Ländern verbunden. Leider musste ich mich für ein Land entscheiden.

Sie hatten viele Erfolge im Kart. Wie sind Sie überhaupt zum Motorsport gekommen?

Albon: Als ich sieben Jahre alt war, habe ich ein Go-Kart bekommen. Wir lebten damals auf dem Land. Neben unserem Haus gab es ein Feld, auf dem mein Vater mit Steinen ein Achter-Layout ausgelegt hat. Darauf bin ich dann jeden Tag nach der Schule herumgedüst. Im Alter von acht Jahren durfte ich dann auf einer richtigen Strecke fahren. Und von da habe ich dann meinen Weg durch die nationalen Serien gemacht.

Beim Umstieg vom Kart ins Formel-Auto kämpften Sie zunächst mit Problemen. Was war damals los und wie haben Sie es doch noch geschafft?

Albon: Da gab es ein paar Gründe. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kids konnte ich vor dem Wechsel nur ein paar Tage testen. Mein Umfeld war damals nicht optimal. Ich trat in einem Team mit nur einem Fahrer an. Es gab keinen Teamkollegen, von dem ich lernen konnte. Ich musste mir alles selbst beibringen. Es lag aber auch an mir: Manche Fahrer passen sich einfach schneller an, bei anderen dauert es etwas länger. Ich habe fast zwei Jahre gebraucht, bis das Gefühl stimmte.

Alex Albon - Toro Rosso - F1-Test - 26. Februar 2019
Motorsport Images
Das Design seines Helms hat Alexander Albon selbst am Computer entworfen.

Normalerweise bekommt man als Junior nicht so viel Zeit zu lernen. Sie haben damals die Förderung von Red Bull verloren. Wie groß war die Gefahr den Rennsport komplett aufgeben zu müssen?

Albon: Es war sehr eng damals. Ohne die finanziellen Mittel geht im Motorsport bekanntlich nichts. Es ist eine teure Angelegenheit. Aber meine Familie und mein Manager haben irgendwie einen Weg gefunden, dass ich weitermachen konnte. Fast aufgeben zu müssen, war im Nachhinein eine gute Erfahrung für mich. Wenn man so nah dran ist, alles zu verlieren, macht es einen hungriger. Es war ein hartes Jahr, aber auch ein gutes Jahr.

2018 kam mit Platz drei in der Formel 2 der große Durchbruch. Blicken Sie mit Freude zurück oder ärgern Sie sich über den verpassten Titel?

Albon: Zu Beginn des Jahres habe ich nur von Rennen zu Rennen gedacht. Ich wusste nicht, ob es überhaupt weitergeht. Und plötzlich war ich mitten im Titelkampf. Die Aufmerksamkeit lag natürlich auf George (Russell) und Lando (Norris) an der Spitze. Leider hatten wir insgesamt eine etwas durchwachsene Saison mit vielen Ausfällen, für die wir zum Teil gar nichts konnten. Ohne das Pech hätte es im Titelkampf am Ende deutlich enger werden können. Aber insgesamt war es ein gutes Jahr für mich. Durch den Hype um George und Lando wurden die Leute auch auf mich aufmerksam.

Mit Lando Norris, George Russell und Ihnen kommen gleich drei Rookies in die Formel 1. Übernehmen die Jungen das Kommando?

Albon: Das kann sein. Der Fahrermarkt hat einfach komplett verrückt gespielt im letzten Jahr. Am Ende wurden die Cockpits fast automatisch verteilt. Ich sehe es immer noch als großes Glück an, diesen Platz in der Formel 1 bekommen zu haben.

Sie kennen George Russell und Lando Norris sehr gut. Was macht die beiden so stark?

Albon: Mit Lando war es etwas lustig. Er ging früher eigentlich immer eine Serie unter mir an den Start. Und plötzlich fahre ich in der Formel 2 gegen ihn. Seine Stärke ist der pure Speed. Schaut man sich die ganzen Meisterschaften an, die er gewonnen hat, dann ist klar, dass er keine Niete ist. Mit George duelliere ich mich praktisch schon mein ganzes Leben. Er schien in der Startaufstellung immer direkt neben mir zu stehen. Das war in der Formel 3 manchmal schon echt verrückt. Er ist extrem ehrgeizig. Die Leute wissen gar nicht, wie fokussiert er ist. Das ist sicher ein Teil seines Erfolgs.

Lando Norris, Alex Albon & George Russell - Formel 2 - Aserbaidschan 2018
Motorsport Images
In der Formel 2 kämpfte Alex Albon bis zum Finale gegen Lando Norris (links) und George Russell (rechts) um den Titel. Am Ende musste er sich mit Rang 3 zufrieden geben.

Sie fuhren in der GP3 auch gegen Charles Leclerc. Ist er der beste Pilot aus der jungen Garde?

Albon: Mit ihm habe ich wohl den besten Vergleich. Wir waren Teamkollegen in der GP3. Da konnten wir unsere Daten gegenseitig einsehen. Vom reinen Talent her ist er einfach unglaublich. Der Typ hat ein wahnsinniges Gefühl für sein Rennauto. Das Jahr war eine sehr gute Erfahrung für mich. Wir bildeten mit Charles Leclerc, Nirei Fukuzumi und Nyck de Vries ein echt starkes Team. Je nach Kurve war immer ein anderer schneller. Dadurch konnten wir alle viel voneinander lernen.

Jetzt fahren Sie mit Ihren alten Gegnern plötzlich in der Formel 1. Fühlen Sie sich ausreichend vorbereitet auf das Debüt in Melbourne?

Albon: Ich bin so gut vorbereitet, wie man es eben nach vier Testtagen sein kann. Wir hatten viel Glück mit dem Auto, was die Rundenzahl und die Leistung angeht. Es liegt sehr stabil, das Fahrverhalten ist vorhersehbar und der Motor ist sehr zuverlässig. So konnte ich viele Kilometer abspulen. Für Melbourne muss ich mich aber auf ein paar neue Dinge einstellen. Ich kenne die Strecke noch nicht, der Asphalt wird sehr wellig sein, es gibt Mauern neben der Piste und der Grip nimmt im Laufe des Wochenendes stark zu. Dazu muss ich mich an die Abläufe im Rennen gewöhnen. Da haben wir noch nicht alles richtig trainiert. Ich habe eine Idee, was auf mich zukommt, aber Vieles ist neu.

Helmut Marko hat Sie aus dem Junioren-Programm rausgeschmissen und jetzt wiedergeholt. Wie ist Ihre Beziehung zu ihm heute?

Albon: Helmut Marko ist natürlich ein sehr starker Charakter. Es ist sein Job, die Fahrer auszuwählen, die es verdient haben. Als ich 2012 aus dem Programm fiel, gab es wie schon erwähnt Gründe dafür. Zum Glück stand mein Name danach nicht auf der schwarzen Liste. Ich hatte immer die Möglichkeit zurückzukehren. Jetzt bin ich wieder drin. Und meine Situation ist vergleichbar mit 2012: Ich muss Leistung zeigen, um dabeizubleiben.

Macht es einen Fahrer nicht nervöser, wenn er schon einmal durch den Rost gefallen ist? Fühlen Sie nicht den großen Druck?

Albon: Ganz im Gegenteil. Ich weiß jetzt was mich erwartet, weil ich das Ganze schon einmal durchgemacht habe. Für mich würde dadurch nicht die komplette Welt zusammenbrechen.

Alexander Albon - Toro Rosso - Barcelona - F1-Test - 19. Februar 2019
Stefan Baldauf
Bei den Testfahrten musste Alex Albon noch mit grünen LED-Lichtern fahren, weil die F1-Superlizenz offiziell noch nicht erteilt war.

Haben Sie sich konkrete Ziele für die Debütsaison gesetzt?

Albon: Ich bin nicht so der Zahlentyp. Ich denke von Session zu Session und schaue dann, was am Ende dabei rauskommt. Natürlich wollen wir uns als Team im Mittelfeld behaupten. Es wäre schön, wenn wir da im vorderen Bereich mitspielen können.

Noch ein paar persönliche Fragen: Wo leben Sie aktuell?

Albon: Momentan wohne ich in Milton Keynes – also ganz in der Nähe des Simulators. Das ist perfekt für einen Rookie, um so viel wie möglich zu lernen.

Was macht Alexander Albon, wenn er nicht im Rennauto sitzt?

Albon: Ich mag es, Dinge am Computer zu designen. Der Look meines Helms ist zum Beispiel ein eigener Entwurf. Ich stehe auch gerne in der Küche und koche etwas. Und dann spiele ich wie wohl alle auch gerne mit der Playstation.

Sie werden 2019 mit der Formel 1 auch in Hockenheim fahren. Was denken Sie über den Kurs und was wissen Sie über Deutschland?

Albon: Die Strecke ist richtig cool. Man kann gut überholen. Es gibt immer enge Kämpfe. Ich hatte dort aber leider auch schon einen großen Crash. Mit dem Formel-3-Auto bin ich in Kurve 1 heftig abgeflogen. Von Deutschland selbst weiß ich noch nicht so viel. Ich bin leider auch noch nicht auf der Autobahn gefahren, weil ich damals noch keinen Führerschein hatte. Deshalb hoffe ich stark, dass mir Honda dieses Mal einen NSX für das Rennwochenende zur Verfügung stellt. (grinst)

Was für ein Auto fahren Sie denn aktuell in England?

Albon: Momentan habe ich nur einen Civic. Das ist etwas langweilig.

Handelt es sich wenigstens die Type-R-Version?

Albon: Nein, leider nicht. Ich kämpfe gerade dafür, dass ich den Type-R bekomme. Ich frage mehrmals am Tag bei den Jungs nach. Ich hoffe, dass das Auto noch vor Melbourne geliefert wird.

Toro Rosso STR14: Der Dienstwagen von Alex Albon im Detail

Daniil Kvyat - Toro Rosso STR14 - Shakedown - Misano - Formel 1 - 2019
Daniil Kvyat - Toro Rosso STR14 - Shakedown - Misano - Formel 1 - 2019 Alex Albon & Daniil Kvyat - Toro Rosso STR14 - Shakedown - Misano - Formel 1 - 2019 Daniil Kvyat - Toro Rosso STR14 - Shakedown - Misano - Formel 1 - 2019 Alexander Albon - Toro Rosso STR14 - Shakedown - Misano - Formel 1 - 2019 37 Bilder
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