Antonio Giovinazzi - GP Aserbaidschan 2019 Wilhelm

Schadensbegrenzung bei Alfa Romeo

Zwei Strafen, ein WM-Punkt

Baku war für Alfa Romeo das bislang schlechteste Wochenende des Jahres. Trotz Strafenflut gab es im vierten Rennen immerhin zum vierten Mal Punkte. Die Technik meinte es allerdings nicht gut mit dem Schweizer Rennstall.

Eigentlich sah es nach dem Quali-Ergebnis gut aus für Alfa Romeo. Beide Fahrer qualifizierten sich für die Top Ten. Sie starteten dort aber nicht. Antonio Giovinazzi wusste das schon, bevor er seinen Flug nach Baku antrat. Der Italiener musste wegen des Wechsels auf die dritte Steuereinheit 10 Startplätze zurück. Nach dem Schaden am Ferrari von Charles Leclerc in Bahrain, war Ferrari gezwungen auf die 2018er Elektronikboxen zurückzugreifen. Da hatte Giovinazzi aber schon seine zweite 2019er Einheit im Auto.

Kimi Räikkönen dachte bis zum Sonntagmorgen, dass er als Achter in den Grand Prix von Aserbaidschan starten würde. Der Finne wäre noch weiter vorne gestanden, wäre er in seinem Q3-Versuch nicht auf Lewis Hamilton aufgelaufen, der in der Vorbereitungsrunde überraschend viel Gas rausnahm um Abstand zu Valtteri Bottas zu gewinnen. Damit war für Räikkönen die Runde schon in Kurve 1 gelaufen.

Es kam noch schlimmer. Bei einem Frontflügel-Check am Sonntagmorgen stellten die FIA-Prüfer fest, dass sich der obere Flap des Flügels unter einer Last von 60 Kilogramm um 5,5 Millimeter verbog. Einen halben Millimeter mehr als erlaubt.

Kimi Räikkönen - GP Aserbaidschan 2019
ams
Der Kimi-Flügel im Rennen entsprach nicht der Spezifikation des Qualifyings. Deshalb musste der Iceman aus der Boxengasse starten.

Abnutzung am Kimi-Flügel

Teammanager Beat Zehnder erklärt sich die Abweichung so: „Das sind Abnutzungserscheinungen. Der Flügel wurde schon ein paar Rennen gefahren. Das baugleiche Exemplar von Giovinazzi lag locker in der Toleranz.“

Kimi Räikkönen hatte einen ähnlichen Verdacht: „Wahrscheinlich war es ein Folgeschaden des Problems, das ich mit dem Frontflügel in den letzten Runden in China hatte. Ein Stabilisator war gebrochen und wir haben sofort Abtrieb verloren. Wir hatten keine Zeit neue Teile zu produzieren. Das hat das Auto bestimmt nicht schneller gemacht, eher im Gegenteil.“

Da Alfa Romeo den Verstellmechanismus des Frontflügels tauschen musste, entsprach das Auto mit der Nummer 7 nicht mehr der gleichen Spezifikation wie in der Qualifikation. Das bedeutete den Start aus der Boxengasse.

Es dauerte nur zwei Runden, da hatte Räikkönen schon die Williams abgehängt und zum Schlusslicht Romain Grosjean aufgeschlossen. In der sechsten Runde holte ihn das Team an die Box. „Jeder fuhr in einer Schlange und wir waren so langsam unterwegs, dass es besser war früh an die Box zu kommen und mit einem Undercut Plätze gutzumachen.“

So konnte der Iceman auf den kritischen Soft-Reifen erst gar nicht die gleichen schlechten Erfahrungen machen wie seine Kollegen. „Ich bin auf den Soft-Reifen ja nur ganz wenig gefahren. Die Hinterreifen haben angefangen zu körnen. Aber die Mediums waren auch kein Zuckerschlecken. Ich hatte das ganze Rennen Mühe, sie auf Temperatur zu bringen.“

Kimi Räikkönen - GP Aserbaidschan 2019
xpb
Trotz Start-Handicap schaffte es der Iceman noch in die Punkte.

Konkurrenz macht Kimi den Weg frei

Der frühe Boxenstopp war für Alfa Romeo Gold wert. Nachdem alle Soft-Starter ihre Reifenwechsel abgeschlossen hatten, war Räikkönen auf Platz 13 vorgerückt. Weiter nach vorne ging es aus eigener Kraft nicht mehr. Auf die Gruppe Ricciardo/Kvyat fehlten sechs Sekunden. Die räumte sich zu Räikkönens Glück selbst aus dem Weg. Und als dann noch Pierre Gasly seinen Red Bull abstellte, war der Weg frei zum 13. WM-Punkt dieser Saison.

Teamchef Frédéric Vasseur sprach von Schadensbegrenzung. Auch Räikkönen sah von seinem Startplatz das Maximum erreicht: „Ein Punkt war das beste, auf das wir hoffen konnten. Barcelona sollte einfacher für uns werden.“ Teamkollege Giovinazzi ärgerte sich: „Wir haben auf das übliche Safety-Car gehofft, aber es kam nicht. So sind wir einfach im Verkehr steckengeblieben.“

Im Fazit lässt Formel 1-Veteran Räikkönen auch kritische Töne verlauten. „Bis jetzt lief es ordentlich. Wir haben in jedem Rennen gepunktet. Dabei haben wir in keinem der vier Rennen das Maximum aus unseren Wochenende und dem Paket herausgeholt. Wir müssen in jedem Bereich noch Feintuning betreiben.“ In Barcelona wartet wie bei jedem Team ein Aerodynamik-Paket. Alfa Romeo muss für diesen Typ Strecke mehr Abtrieb finden.

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