Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021 Motorsport Images
Nikita Mazepin - Haas - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021 35 Bilder

Bahrain-Quali: Alonso im Glück, Vettel im Pech

Alonso im Glück, Vettel im Pech Mazepin bremst Vettel aus

Der erste Auftritt von Sebastian Vettel im Aston Martin endete mit einer Enttäuschung. Gelbe Flagge beendeten seine Qualifikation in der ersten K.O.-Runde. Heimkehrer Fernando Alonso dagegen schaffte es bis ins Finale. Und spuckte ganz ungewohnt leise Töne.

Sebastian Vettel hat mit Aston Martin einen Fehlstart hingelegt. Die Umstände hatten sich gegen den vierfachen Weltmeister verschworen. Bei den Testfahrten hielten ihn technischen Probleme lange in der Garage fest. Ihm blieben nur 117 Runden, sich auf sein neues Sportgerät einzuschießen. Als es in der Qualifikation zum GP Bahrain zum ersten Mal ernst wurde, war Vettel zur falschen Zeit am falschen Ort.

Zu Beginn seiner zweiten Q1-Runde drehte sich Nikita Mazepin in Kurve 1 vor seinen Augen. Vettel musste wegen gelber Flaggen vom Gas. Offenbar nicht genug. Die Sportkommissare schickten ihm um 22.15 Uhr eine Vorladung zum Gespräch. Das gleiche Missgeschick passierte ihm noch einmal später in der Runde. Das Unheil bahnte sich schon in der Aufwärmrunde an. Mazepin überholte fünf Autos in der Schlange und setzte sich vor den Aston Martin. "Das war nicht die feine Art. An der Stelle der Strecke sollte man nicht mehr überholen", tadelte Vettel den Übermut des Russen.

Doch dann nahm er Mazepin auch wieder in Schutz: "Wir waren auf unserer Aufwärmrunde alle ziemlich langsam unterwegs, um die Reifen für die schnelle Runde vorzubereiten. Irgendwie ist uns da die Zeit davon gelaufen. Ich bin an Perez vorbei, was auch nicht ganz korrekt war. Aber sonst wäre ich vor der Zielflagge nicht mehr über sie Linie gefahren. Nikita ging es vielleicht genau so."

Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021
xpb
Sebastian Vettel muss sich noch mit seinem neuen Dienstwagen anfreunden.

Aston Martin zu langsam

Vettel bedauerte das frühe Aus bei seinem ersten offiziellen Auftritt in Grün auch deshalb, weil sich sein Aston Martin besser anfühlte als zuvor. "Wir haben generell viel probiert, um mehr zu lernen, und die letzten Änderungen waren ein Fortschritt. Ich hatte noch viel Luft nach oben, weil mir bei meinem ersten Versuch ein Fehler in Kurve 11 unterlaufen ist. Eine Sekunde wäre bestimmt noch drin gewesen." Was mit dem AMR21 möglich gewesen wäre, zeigte Teamkollege Lance Stroll. Der Kanadier schaffte es ins Q3, war allerdings als Zehnter klar langsamer als der Rest.

Vettel lässt durchblicken, dass man trotz der Steigerung seit den Testfahrten noch viel Arbeit in das Auto stecken muss. "Es fehlt generell Grip." Im Vergleich zu der Qualifikation im November 2020 war der Aston Martin um 2,3 Sekunden langsamer als der Racing Point. Nur bei Haas fiel der Abstand ähnlich groß aus. Dem US-Team mag man das nachsehen. Haas hat sein Auto nur minimal weiterentwickelt.

Aston Martin hat deutlich mehr Arbeit in die Entwicklung des 2021er Modells gesteckt. Vermutungen, dass wie bei Mercedes der geringe Anstellwinkel bestraft wird, kann Vettel nicht teilen: "Das wäre viel zu einfach gedacht. Das Problem ist komplexer."

Alonso auf Anhieb ins Q3

Während der frühere Ferrari-Pilot auf Startplatz 18 fast das ganze Feld vor sich sieht, durfte sich ein anderer Veteran heimlich freuen. Fernando Alonso hat es bei seinem Comeback gleich in das Top Ten-Finale geschafft und seinem jungen Kollegen Esteban Ocon die erste Ohrfeige mitgegeben. Der Franzose sah sich wie Vettel ebenfalls als Opfer der gelben Flaggen. "Ich hätte locker eine halbe Sekunde schneller fahren können und wäre damit weitergekommen."

Alonso exekutierte seine erste Qualifikation seit zwei Jahren mit der Routine eines Mannes, der 312 GP-Starts auf dem Buckel hat. Der 39-jährige Spanier ließ sich auf kein Risiko ein, blieb das komplette Training den Soft-Reifen treu und stieg jeweils sicher in die nächste K.O-Runde auf. Seine insgesamt fünf Versuche vom Q1 bis ins Q3 fuhr er mit der Präzision eines Uhrwerks. Ohne Fehler, ohne Verkehr auf den schnellen Runde, ohne gelbe Flaggen als Bremse.

Vielleicht hätte es zu mehr als dem neunten Startplatz gereicht, wenn Alonso im Q3 einen zweiten frischen Reifensatz zur Verfügung gehabt hätte. So hatte er am Ende nur einen Schuss frei und verfehlte die Zeit von Landsmann Carlos Sainz nur um 34 Tausendstel.

Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - GP Bahrain - Qualifying - Samstag - 27.3.2021
Motorsport Images
Rückkehrer Fernando Alonso schaffte es direkt ins Top-10-Finale.

Erfahrungen wie ein Rookie

Zur Überraschung aller spuckte der Ex-Champion leise Töne. Da schwang sogar so etwas wie Demut in den Worten des Matadors mit. "Ich bin ohne große Erwartungen in diese Qualifikation gegangen. Der Plan war, alles so gut wie möglich hinter mich zu bringen und dann zu schauen, wo ich stehe. Dass es in die Top Ten gereicht hat, ist eine gute Nachricht."

Wenn man Alonsos Ausführungen so zuhörte, glaubte man einen Rookie vor sich zu haben. "Für mich war nach meiner Pause alles neu. Es begann schon damit die Reifen in all dem Chaos richtig zu konditionieren, Platz nach vorne zu schaffen, die Pirellis richtig zu lesen. Sie haben nur einen kleinen Bereich, wo sie richtig viel Grip abliefern. Ich habe dieses Auto zum ersten Mal mit maximalem Grip und ganz wenig Sprit im Tank gespürt. Es war auch für mich ein extremes Gefühl und eine neue Erfahrung, das Vertrauen aufzubringen, dieses Auto unter den Umständen am Limit zu bewegen."

Auch für das Rennen gibt sich Alpines Chefpilot bescheiden. Start, erste Kurve, Reifenmanagement, ein Boxenstopp, der nur noch zwei Sekunden dauert: Alles neu für den großen alten Mann. "Ich werde ein paar Rennen brauchen, um alles wieder zur Routine werden zu lassen. Deshalb will ich mich im Rennen aus allem raushalten und möglichst viele Runden fahren, um all diese Punkte abhaken zu können. Meine Kollegen haben das alles schon in der Tasche." Dann stellt Alonso noch eines klar. "Es gab da kürzlich bei einem Interview ein Missverständnis. Ich habe nie gesagt, dass ich besser bin als Lewis oder Max. Was ich meinte war, dass ich hoffentlich besser bin als bei meinem letzten Einsatz vor zwei Jahren."

Mehr zum Thema Sebastian Vettel
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
Aktuell
Mick Schumacher - Formel 1 - Helm - 2021
Aktuell
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Aktuell
Mehr anzeigen