Magnussen - Alonso - Palmer - GP Bahrain - Sakhir - Donnerstag - 13.4.2017 xpb
Fernando Alonso
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Alonso hat Triple im Visier

„Sieg in Indy wie WM-Titel an einem Tag“

Fernando Alonso hat seinen Kollegen mit seinem Indy-Trip die Show gestohlen. Der Spanier erklärt, wie es zu dem Deal kam und warum er jetzt auf das Triple losgeht, das vor ihm nur ein Fahrer geschafft war.

Kevin Magnussen und Jolyon Palmer konnten einem leidtun. Sie saßen mit Fernando Alonso in der FIA-Pressekonferenz. Von gefühlten 30 Fragen waren 29 an Alonso gerichtet. Die beiden anderen Männer auf dem Podium fanden einfach nicht statt.

Alonso-Seitenhieb gegen Ron Dennis

Alonso genoss es sichtlich, wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen. Er lobte auch gleich seinen spektakulären Seitensprung: „Es ist eine Win-Win-Situation für alle. Für die Formel 1, für IndyCar, für McLaren und Honda. Wann kann schon ein Team an einem Tag zwei der wichtigsten Autorennen bestreiten?“ Ein Gewinner ist natürlich auch Fernando Alonso.

Die Idee wurde eher zufällig geboren bei einem Gespräch zwischen McLarens neuem Teamchef Zak Brown und Alonso. Brown will die alten Tugenden von McLaren wiederbeleben und die Marke in mehreren Rennserien an den Start bringen. Alonso wusste bereits in Melbourne, dass er die erste Saisonhälfte würde abschreiben können. Er erzählte Brown von seinem Traum, einmal das Triple Weltmeisterschaft, Indy und Le Mans zu schaffen, und plötzlich lag der Deal auf dem Tisch. „Mit Ron Dennis wäre das nicht gegangen“, kartete Alonso nach. „Aber Zak ist ein Racer mit Visionen, mehr als die meisten anderen Teamchefs der Formel 1.“

Es ging auch nur, weil der McLaren-Honda so schlecht in die Saison gestartet und Besserung erst im Juni zu erwarten ist. „Hätte ich jetzt gleich viele Punkte wie Hamilton und Vettel, hätte ich sicher nicht auf 25 mögliche Punkte verzichtet. So aber konnte ich abwägen: Ein möglicher Sieg in Indy oder ein fünfter, sechster oder siebter Platz in Monte Carlo. Wenn ich das Triple schaffen will, muss ich irgendwann einmal damit anfangen.“

Bei Monte Carlo fällt der Verzicht am schwersten

Monte Carlo auszulassen, ist aber auch für Alonso ein großer Verzicht. „Jedes andere Rennen wäre mir leichter gefallen. Monaco ist der Höhepunkt der Formel 1. Das gibst du nicht so einfach auf. Aber die Chance, in Indy ein Auto in McLaren-Farben und mit einem Honda-Motor zu fahren, kommt auch nicht so schnell wieder.“

Der Wunsch, einmal neben der Formel 1-Weltmeisterschaft auch noch die beiden Klassiker in Indianapolis und in Le Mans zu gewinnen, reifte in den letzten vier Jahren immer mehr. Seit dem GP Spanien 2013 ist Alonso ohne GP-Sieg. In dieser Zeit realisierte er, dass er schon zu alt ist, um Michael Schumacher mit acht WM-Titeln zu schlagen. „Jetzt bleibt mir nur das Triple. Ein Sieg in Indianapolis ist wie der Gewinn des WM-Titels an einem Tag.“

Es gab bis jetzt nur einen Fahrer, der alle drei Pokale in die Vitrine stellen konnte. Graham Hill holte 1962 und 1968 für B.R.M. und Lotus den Formel 1-Titel, er siegte 1966 auf einem Lola-Ford des John Mecom-Teams bei den 500 Meilen von Indianapolis und gewann 1972 zusammen mit Henri Pescarolo auf Matra die 24 Stunden von Le Mans.

Sechs Transatlantik-Flüge in sechs Wochen

Alonso fährt ohne ein konkretes Ziel in den Nudeltopf. Doch es wäre nicht Alonso, wenn er nicht voll auf Sieg gepolt wäre. „Ich habe keine Angst, nicht meine gewohnte Leistung abzurufen.“ Weil ihm klar sein muss, dass sich die Chance in Indianapolis zu fahren so schnell nicht wieder ergibt. Außerdem hat die Formel 1 weiter Priorität in seinem Leben. „Ich bin auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Im nächsten Jahr will ich endlich wieder um meinen dritten Titel fahren und nicht mehr um sechste Plätze.“ Wo, lässt der 35-jährige Spanier offen. „Der Indy-Deal hat nichts mit meinen Formel 1-Plänen zu tun. Ich werde mich in der Sommerpause entscheiden.“

Alonso hat ein strenges Programm mit sechs Atlantiküberquerungen in sechs Wochen vor der Brust. Gleich nach dem GP Bahrain wird der 32-fache GP-Sieger nach Alabama fliegen, wo er beim dritten IndyCar-Lauf im Barber Motorsports Park Gast des Andretti-Teams ist. „Ich will dort mein neues Team kennenlernen und mich in der Szene ein bisschen akklimatisieren.“ Am Montag nach dem Rennen steht die Sitzprobe im Dallara-Honda an. Dann jettet der Mann der zwei Welten zum GP Russland nach Sochi.

Nach dem vierten Grand Prix des Jahres geht es für Alonso erneut über den großen Teich. „Ich werde mich im Simulator auf das Ovalfahren einschießen. Vielleicht ergibt sich auch ein erster Test.“ Die nächste Station ist Barcelona, das Heimrennen des zweifachen Weltmeisters. Noch am Abend wird Alonso wieder in die USA fliegen. „Am Montagmittag geht das Training auf der Strecke los. Ich will natürlich so viel wie möglich fahren, um mich maximal vorzubereiten. Auf den Flügen werde ich mir Videos von alten Indy-Rennen anschauen, um zu lernen, was auf mich zukommt.“ Erst mit dem GP Kanada kehrt für Alonso wieder Normalität ein. „Dann sollten wir Upgrades an Auto und Motor haben, die uns wieder etwas besser aussehen lassen.“

Bleibt noch die Frage: Wann tritt Fernando Alonso in Le Mans an? Der verhinderte Weltmeister stellt verschmitzt eine Gegenfrage: „Gibt es zwischen Montreal und Baku nicht ein freies Wochenende?“ Er räumt ein, dass es ursprünglich eine Möglichkeit gab, schon in diesem Jahr Le Mans zu fahren, doch die ist wohl gestorben. Weder McLaren noch Honda haben in der siegverdächtigen Kategorie ein Auto am Start. „Ich werde die Woche zwischen Kanada und Azerbaidschan auf der Couch liegen und mich ausruhen.“

Motorsport Aktuell Danny Sullivan - F1 - 2015 Danny Sullivan zu Alonsos Indy-Ausflug „Alonso kann Indy gewinnen“

Danny Sullivan hat 1985 das Indy 500 gewonnen.

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