Esteban Ocon - Alpine - GP Portugal - Portimao - 1. Mai 2021 xpb
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Alpine stark in Portugal: Woher kam der Sprung?

Wunderheilung von Alpine Alonso traut Fortschritt nicht

GP Portugal

Alpine hat in Portimao einen riesigen Fortschritt gemacht. War es Zufall, eine Eintagsfliege oder der Beginn eines Trends? Selbst Fernando Alonso wusste keine Antwort: "Wir müssen jetzt schnell verstehen, warum wir so gut waren."

Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Zehn Punkte am Sonntag, der sechste Startplatz am Samstag: Alpine hatte in Portimao wieder Normalform erreicht. "Es war ein gutes Wochenende. Wir konnten zum ersten Mal je einen McLaren, Ferrari und Alpha Tauri schlagen. Das war vorher nicht möglich", zogen Esteban Ocon und Fernando Alonso erleichtert Bilanz. Der andere Teil der Wahrheit: Der jeweils schnellere McLaren und Ferrari war im Ziel 11,3 und 7,9 Sekunden weit weg. Alpine hat erst ein Etappenziel geschafft.

Immerhin eine Steigerung. Die ersten beiden Grand Prix lief es gar nicht rund für Alpine. Der französische Rennstall brachte zwar bei beiden Gelegenheiten jeweils ein Auto ins Q3, ging aber in Bahrain leer aus und staubte in Imola nur Punkte ab, weil andere sie liegenließen. Das Team, das im Vorjahr noch um Platz drei kämpfte, war in den zweiten Teil des Mittelfeldes abgerutscht. Alpine fuhr plötzlich mit Aston Martin, Alfa Romeo und in Imola sogar mit Williams um die Wette.

Besonders das Wochenende in Imola gab Anlass zur Sorge. Die Techniker hatten für das zweite Rennen eine Reihe von Upgrades gebracht, die auch funktionierten. "Aber es reichte eben nicht, um die paar Zehntel zu finden, die uns zu Ferrari und McLaren fehlten", gab Technikchef Marcin Budkowski zu. Und noch ein Geständnis: "Das ist die Liga, in der wir eigentlich spielen wollen."

Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - GP Portugal - Portimao - 30. April 2021
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Waren es nur die besonderen Bedingungen oder ein echter Fortschritt bei Alpine?

Generalmobilmachung vor Portimao

Nach der Pleite von Imola gingen Ingenieure und Fahrer in sich. Alonso berichtete, dass er in seinen 314 GP-Starts noch nie eine solche Generalmobilmachung erlebt hatte wie vor dem Rennen in Portugal. "Wir haben jeden Stein umgedreht, hatten endlose Meetings und Simulatorstunden." Die Analyse brachte zutage, dass sich die Autos aus Sicht der Fahrer zwar besser anfühlten als beim Saisonstart, trotzdem aber Zeit auf McLaren, Ferrari und Alpha Tauri verloren. Auf die Frage, wo genau, antwortete Budkowski kurz und bündig: "Überall."

Der gebürtige Pole hatte auch eine Erklärung für Alpines schleppenden Saisonstart parat. "Wir hatten über den Winter ein paar Probleme in unserem Windkanal. Einerseits hervorgerufen durch die Anpassung an die neuen Regeln, andererseits durch die Hardware. Das hat uns Windkanalzeit gekostet, und das ist schwer aufzuholen. Die anderen warten ja nicht auf uns. Dazu kommt unsere strategische Entscheidung, mehr oder weniger mit dem letztjährigen Motor zu fahren und dafür eine völlig neue Antriebseinheit für 2022 bauen. Auch da ging Rundenzeit verloren. Unsere Gegner haben neue Motoren gebaut und etwas mehr Zeit gutgemacht als wir erwartet haben."

Die Windkanalprobleme sind mittlerweile gelöst soweit es die Korrelation mit der Strecke betrifft. In die Infrastruktur des Windkanals wird weiter investiert, um auf das gleiche Niveau zu kommen wie die Gegner. Doch schon wartet die nächste Hürde auf ein Team, das aufholen will. Wir können das aktuelle Auto nicht ewig weiterentwickeln. Das 2022er Projekt steht vor der Tür.

Fernando Alonso - Alpine - GP Portugal 2021 - Portimao
Wilhelm
Nach schwachem Qualifying geigte Alonso im Rennen groß auf.

Alonsos furioser Ritt auf harten Reifen

Budkowski teilt das Mittelfeld in drei Gruppen: "Ich glaube Alpha Tauri liegt zwischen den beiden. Wir müssen uns aber an Ferrari und McLaren orientieren. Wenn wir die beiden einholen wollen, müssen wir erst an Alpha Tauri vorbei. Das ist viel und nicht viel. Drei Zehntel hört sich nicht viel an, ist es aber viel, wenn man die Zeit aufholen muss. Vor allem in der Kürze der Zeit, die uns noch bleibt, bis wir auf das 2022er Auto umschwenken."

In Portimao ist Alpine scheinbar ein großer Schritt gelungen. "Dabei hatten wir nur eine kleine Modifikation am Unterboden dabei. Die Wirkung war größer als gedacht", erzählte Einsatzleiter Alan Permane. Sein Boss möchte den Fortschritt noch nicht verallgemeinern. Es könnte auch sein, dass die Streckencharakteristik oder der Asphalt eine wichtige Rolle gespielt hat. Der glatte Belag erlaubte es den Fahrern, von Anfang bis Ende zu attackieren ohne auf die Reifen viel Rücksicht zu nehmen. Das hat Mercedes im Duell mit Red Bull beflügelt. Es könnte auch Alpine im Vergleich zu seinen Gegnern geholfen haben.

So sieht es auch Alonso: "Wir müssen jetzt schnell verstehen, warum wir so gut waren. War das schon eine Trendwende oder liegt es mehr an der Strecke und den Bedingungen?" Alonso ist auf den harten Reifen förmlich geflogen. Kaum war der Doppel-Champion an Pierre Gasly und Daniel Ricciardo vorbei, fuhr er zehn Runden am Stück in einem Fenster zwischen 1.22,0 und 1.22,3 Minuten. "Man konnte sehen, wie viel Vertrauen er in das Auto hatte", stellte Ricciardo von seinem Beobachtungsposten fest. Als Alonso dann auch noch Carlos Sainz überholt hatte, fuhr er fast so schnell wie die Spitze.

Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - Portimao - GP Portugal - 29. April 2021
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Alonso gibt sich selbstkritisch. Am Samstag von Portimao zeigte er nicht seine Bestleistung.

Alonsos Abrechnung mit sich selbst

Alonso ging vor allem mit sich selbst hart ins Gericht. Für ihn ist es unakzeptabel im Q2 mit einem Delta von 0,870 Sekunden auf Esteban Ocon rauszufliegen und sich mit einem Auto für Startplatz 13 zu qualifizieren, das gut genug für die Top Ten war. "Ich war mit Ausnahme der Qualifikation bei der Musik, im dritten Training sogar so schnell wie Hamilton. Es muss also an mir liegen, wenn ich es am Samstag nicht hinkriege. Das Auto war gut, ich war es nicht. In Portimao bin ich mit einem blauen Auge davongekommen, weil man da gut überholen kann. Wenn mir das in Barcelona oder Monte Carlo passiert, bezahle ich den Preis dafür."

Alonso fordert von sich selbst, seine Hausaufgaben besser zu erledigen. "Es geht nicht darum, dass ich nicht das Maximum aus dem Auto heraushole. Das habe ich in Portimao in jedem Training geschafft. Es ist wichtig, dass ich mich im entscheidenden Moment den Bedingungen besser anpasse. Dem Grip auf der Strecke, den Temperaturen, dem Wind, der Vorbereitung der Reifen."

Zweite Saisonhälfte entscheidet die Exekution

Alpine steht wie viele im Verfolgerfeld vor der Frage, wie viel man von 2022 opfern soll, um 2021 vielleicht doch noch den entscheidenden Sprung nach vorne zu schaffen. "Die Gewinne im Windkanal für die 2022er Autos sind im Moment riesig, die am 2021er Auto verhältnismäßig klein, mit abnehmenden Gegenwert. Wir fragen uns ständig: Wie viel wollen wir für 2022 aufgeben, um ein paar Zehntel jetzt noch zu gewinnen?", wägt Budkowski ab. Schlussfolgerung: "Du kannst es dir einfach nicht leisten, spät auf das 2022er Auto umzusteigen. Ich glaube aber, das trifft auf alle Teams in diesem Umfeld zu."

Esteban Ocon - Alpine - GP Portugal - Portimao - 1. Mai 2021
Motorsport Images
Bei den Boxenstopps gibt es bei Alpine noch Verbesserungsbedarf.

Wenn jeder mal sein Programm auf 2022 umgestellt haben wird, soll es nach Ansicht des Alpine-Technikdirektors trotzdem keine statische Restsaison ohne große Verschiebungen im Feld geben. "Dann wir die Exekution an der Strecke den Unterschied ausmachen. Das Setup, die Strategie, die Fahrer, die Boxenstopps. Die Veränderungen werden geringer ausfallen, aber immer noch da sein."

Der WM-Fünfte des Vorjahres landete 2020 auch im Boxenstopp-Ranking auf Platz fünf. Budkowski erkennt bei den ersten drei Rennen 2021 eine Steigerung, obwohl Alpine sich in dieser Disziplin lediglich auf besseres Training konzentriert hat. "Theoretisch hätten wir auch in Radträger, Radnaben oder Radmuttern investieren können, aber das hätte uns Token gekostet. Die waren uns an anderer Stelle wichtiger." Hinter das Geheimnis der Red Bull-Boxenstopps ist er bis heute nicht gekommen. "Automatische Systeme sind ja verboten. Es sieht so aus, als hätte Red Bull auf legalem Weg ein automatisches System implementiert."

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