Max Verstappen - GP Mexiko 2019 Wilhelm
Charles Leclerc  - Ferrari - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019 42 Bilder

Analyse der Red-Bull-Stärke: Horner erwartet Trotzreaktion

Analyse der Red-Bull-Stärke Horner erwartet Trotzreaktion

Max Verstappen war der schnellste Mann im Mexiko-Qualifying, der Red Bull das schnellste Auto. Eine Strafe verbannt Verstappen auf den vierten Startplatz. Der Trainingsschnellste will am Sonntag mit einer Jetzt-erst-Recht-Strategie alles wieder umbiegen.

Seit drei Jahren ist Red Bull eine Macht in Mexiko. 2017 und 2018 hat Max Verstappen den Grand Prix auf der höchstgelegenen Formel 1-Strecke gewonnen. Im letzten Jahr standen zwei Red Bull in der ersten Startreihe. Und diesmal durfte sich Verstappen wenigstens für dreieinhalb Stunden als Trainingsschnellster fühlen. Bis ihn die Startplatzstrafe auf Rang 4 zurückstufte.

Red Bull-Teamchef Christian Horner versucht aus der Not eine Tugend zu machen: „Vielleicht ist es besser, wenn wir aus der zweiten Reihe starten. Dann haben wir wenigstens Windschatten. Wenn wir vorne losgefahren wären, hätten uns die zwei Ferrari beim Start aufgefressen.“

Eigentlich galt Ferrari als Favorit auf die erste Startreihe. Am Freitag waren Sebastian Vettel und Charles Leclerc der Konkurrenz auf der Zielgerade um 0,45 Sekunden davongeflogen. Die Red Bull verloren 20 km/h auf der Zielgerade. „Es gibt nicht genug Kurven, in denen ich das wieder aufholen kann“, stöhnte Verstappen.

Danach gingen die Red Bull-Ingenieure in Klausur und fanden über Nacht den besten Kompromiss zwischen Abtrieb und Luftwiderstand. Der Anpressdruck wurde leicht reduziert. In der Qualifikation verringerte Red Bull das Defizit auf der Zielgerade auf dreieinhalb Zehntel und das Top-Speed-Manko auf nur noch 10 km/h. Deshalb blieben bis zur ersten Sektorgrenze vor Kurve 4 nicht mehr 0,4 sondern lediglich 0,2 Sekunden auf die Ferrari liegen.

Dann folgte der starke Teil der Red Bull. Im zweiten Sektor nahm Verstappen den beiden Ferrari zwei, im Schlussabschnitt ein Zehntel ab. Ferrari ist für den Samstag den umgekehrten Weg wie Red Bull gegangen. An den zwei SF90 wurde der Anpressdruck erhöht. Mit dem Ergebnis, dass man auf den Geraden weniger gewann und in den Kurven weniger verlor.

Mercedes war zweite Kraft auf den Geraden und zweite Kraft in den Kurven. In Summe machte das Platz drei im Schlagabtausch der drei Top-Teams. „Die Zeiten, wo wir uns in Mexiko noch mit dem stärksten Motor retten konnten, sind vorbei“, bedauerte Teamchef Toto Wolff und spielte dabei auf die Mercedes-Siege 2015 und 2016 an.

Alexander Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Motorsport Images
Red Bull reduzierte vor dem Qualifying noch einmal den Abtrieb und den Luftwiderstand.

Perfektes Auto für Hochgebirgs-Grand-Prix

Red Bull hat für den Hochgebirgs-Grand Prix auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez das perfekte Rennauto. Es baut mehr Anpressdruck über das Chassis auf als die Konkurenzmodelle, kann deshalb mit etwas weniger Flügel fahren und liegt mit seiner aerodynamischen Effizienz exakt in dem Fenster, das den besten Mittelweg aus Top-Speed für die Geraden und Grip für die Kurven liefert.

Außerdem ist der Red Bull immer dort gut, wo mechanischer Grip zählt und das Auto gut über die Randsteine gehen muss. Der RB15 war nicht ohne Grund auch schon in Monte Carlo und Budapest siegfähig. „In Singapur haben wir uns das Rennen durch das falsche Setup selbst kaputtgemacht“, blickt Verstappen zurück. Dazu kommt, dass der Honda-Motor in der Höhenluft vergleichsweise weniger Power verliert als die Triebwerke der Konkurrenz.

Ferrari half diesmal auch der überragende Speed auf den Geraden nicht viel. Selbst mit einer optimalen Runde zum Schluss hätte es laut Sebastian Vettel nicht für Verstappens schnellste Runde mit 1.14,758 Minuten gereicht. „Seine zweitbeste Zeit hätte ich geschafft, hätte ich wegen dem Unfall von Valtteri nicht lupfen müssen.“

Leclerc konnte sich im zweiten Versuch nicht mehr steigern. Er ließ die Aero-Balance eine Spur mehr nach vorne verstellen, um vielleicht doch noch Verstappen abzufangen. Der Schuss ging nach hinten los. „Im ersten Sektor hat es geholfen. Da war ich schneller als vorher. Aber im letzten Abschnitt wurde es schwierig. Ich habe im Stadion das Heck verloren, und die Runde war im Eimer.“

Die geschenkte erste Startreihe macht Ferrari nun zum Favoriten für das Rennen. Beim 811 Meter langen Spurt in die erste Kurve wird man die roten Autos nicht überrumpeln können. „Und dann können wir uns mit unserem Speed auf den Geraden gut verteidigen“, hofft Leclerc.

Verstappen setzt auf die generell geringe Reifenabnutzung seines Autos. Allerdings machte da Ferrari auch eine gute Figur, speziell auf den Medium-Reifen. Verstappens guter Soft-Longrun wird im Rennen keine große Rolle spielen. Alle sechs Top-Piloten starten auf den Medium-Reifen. Die Soft-Gummis sind nur ein Notnagel für den Fall eines Zweistopp-Rennens. Horner setzt auf den nun doppelt angestachelten Ehrgeiz seines Fahrers: „Max wird morgen mit einer Jetzt-erst-Recht Stimmung fahren.“

Hamilton & Bottas - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Motorsport Images
Mercedes konnte das Tempo von Red Bull und Ferrari nicht mitgehen.

Rennen mit wenig taktischen Optionen

Für Mercedes war es an den ersten beiden Tagen das erwartet schwierige Wochenende. „Wir sind nicht besser oder schlechter als erwartet. Aus einem bestimmten Grund ist der Red Bull immer sehr stark hier und unser Auto nicht“, kommentierte Toto Wolff das Trainingsergebnis, das so schlecht gar nicht war. Lewis Hamilton verlor zwar eine halbe Sekunde auf Verstappen, konnte sich aber im Dunstkreis der Ferrari halten. „Mit einer absolut perfekten Runde hätte ich Sebastian Vettel vielleicht schlagen können.“

Valtteri Bottas war auf dem Weg zu einer schnelleren Runde, als ihm in der Zielkurve die Straße ausging. „Ab Mitte der Kurve bin ich etwas weiter nach außen gerutscht als sonst. Da die Traktion noch gut war, bin ich auf dem Gas geblieben. Dann sind die linken Räder auf Dreck gekommen, und ich habe die Mauer touchiert.“

Der Mercedes rutschte noch gut 50 Meter die Mauer entlang, bis er auf das stumpfe Ende der ersten Tecpro-Barriere traf. Die Plastikelemente sind nicht für diesen Aufprallwinkel gebaut. Normalerweise trifft sie das Auto die Tecpro-Bausteine auf der Vorderseite und nicht an der Kante. Deshalb wurde der Mercedes auch nicht so sanft verzögert wie sonst üblich. „Der Aufprall hat mir die Luft geraubt. Deshalb musste ich ein paar Mal tief durchschnaufen. Sonst habe ich mir nur ein Knie angeschlagen“, erzählte Bottas.

Obwohl das Auto mit der Startnummer 77 stark beschädigt war, gab sich Wolff optimistisch: „Zu 90 Prozent können wir das Auto wieder aufbauen ohne eine Strafe zu bekommen.“ Chassis und Getriebe scheinen in Ordnung zu sein. Bei einem Chassiswechsel müsste Bottas aus der Boxengasse starten, bei einem Getriebewechsel würde er fünf Startplätze verlieren.

Bottas blieb für seine gestresste Mechaniker-Crew nur ein „sorry Boys“ übrig. Einziger Trost: „Das Auto fühlte sich in der Qualifikation besser an als in den Trainingssitzungen davor. Ich glaube, ich hätte auf dem dritten Platz landen können.“

Hamilton ist skeptisch, ob er im Rennen noch viel gutmachen kann: „Die Red Bull sind stark im Longrun, die Ferrari schnell auf den Geraden. Die Strategie lässt uns nicht viele Optionen. Es wird wohl alles drauf hinauslaufen, wer die Reifen am besten durchbringt.“

Das sieht auch Toto Wolff so: „Wenn alle auf Medium-Reifen starten, sind die taktischen Möglichkeiten beschränkt. Sollten wir beim Start keine Plätze gutmachen können, wird uns nur eine aggressive Taktik weiterhelfen.“

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