Rennanalyse GP Japan 2018

Bei Ferrari läuft alles schief

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Japan 2018 - Suzuka - Rennen Foto: Wilhelm 68 Bilder

Lewis Hamilton ist der Titel praktisch nicht mehr zu nehmen. Sebastian Vettel legte sich am Rennsonntag von Suzuka mit Max Verstappen an und bezahlte. Die beiden Gegner gaben sich gegenseitig die Schuld.

Das Titelduell ist nach dem GP Japan praktisch entschieden. Lewis Hamilton ist nicht aufzuhalten. Dagegen läuft bei Ferrari nichts mehr zusammen. Unsere Rennanalyse.

Hätte Vettel zurückstecken müssen?

Das Rennen war für Sebastian Vettel eigentlich schon vor dem Start verloren. Ferrari bezahlte für einen Strategiefehler in der Qualifikation mit dem achten Startplatz. Am Start schnappte sich Vettel die beiden Toro Rosso von Pierre Gasly und Brendon Hartley, später auf der Runde noch Romain Grosjean im HaasF1. Und zwar außen herum in der Löffelkurve. Dann profitierte der WM-Zweite noch vom Zwischenfall Räikkönen-Verstappen und lag plötzlich als Vierter vor dem Teamkollegen.

Da hoffte Vettel auf mehr. Das große Ziel waren die Mercedes und Lewis Hamilton an der Spitze. Deshalb nahm er volles Risiko, was in seiner Situation durchaus nachvollziehbar ist. Sieben Runden später war Vettel Letzter. Ein Zusammenstoß mit Verstappen in der Löffelkurve warf seinen Ferrari aus der Bahn. Wie in Monza, damals gegen Hamilton, blieb sein Konkurrent auf der Strecke. Es war nach Mexiko 2016 und 2017, Singapur 2017, Silverstone 2017 und China 2018 die nächste unsanfte Begegnung zwischen dem aufstrebenden Niederländer und dem viermaligen Weltmeister. Verstappen verglich Vettels Manöver mit seinem in Shanghai. „Selbst die erfahrensten Piloten machen Fehler. An dieser Stelle überholt man keinen Gegner. Ich habe ihm Platz gelassen und trotzdem sind wir zusammengestoßen. Er hätte einfach warten sollen. Sein Ferrari ist viel schneller auf der Gerade.“ Red Bull-Motorsportkoordinator Helmut Marko meinte: „Rennunfall. Vettel war sicher optimistisch und sehr motiviert.“

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Japan 2018 - Suzuka - Rennen War Vettel zu ungeduldig? „Seb musste es versuchen“

Vettel begrüßte es, dass die Rennkommissare in keine der beiden Richtungen eine Strafe aussprachen. Allerdings trug seiner Meinung nach Verstappen die Schuld. „Ich hatte volle Batterien, und bin super aus der Haarnadel gekommen. Der Red Bull lud die Batterie auf der Gerade. Ich saugte mich im Windschatten an und stach in die Lücke. Als ich bremste, lagen wir gleichauf. Dann hat er die Bremse gelöst, drückte immer weiter nach innen und ließ mir keinen Platz.“ Zu warten betrachtete Vettel als keine Option. „Du musst jede Chance ergreifen. Ich war in einer guten Position. Wäre ich dahinter geblieben, wäre mir Verstappen in Kurve 13, 14 wieder davon gefahren, weil ich in seiner turbulenten Luft gewesen wäre. Es hätte nie zu einem Angriff auf der Gegengerade gereicht“, urteilte Vettel. Die Experten waren geteilter Meinung. Mika Häkkinen verteidigte den Zeitpunkt des Vettel-Angriffs. Damon Hill und Jacques Villeneuve empfanden die Attacke als verfrüht.

Wie ist Verstappens Stoß gegen Räikkönen zu bewerten?

Verstappen bescherte den Kommissaren um Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen bereits am Ende der ersten Runde Arbeit. Der 21-Jährige verbremste sich in der Schikane, räuberte durchs Gras, rumpelte über den Randstein und boxte den linken Seitenkasten von Kimi Räikkönens Ferrari. Am Ferrari brachen die Flügel rund um den Seitenkasten ab. Das Schadensbild war ein ähnliches wie bei Vettels Auto später. Der Heppenheimer vermisste die gleichen Flügelelemente auf der rechten Seite.

Max Verstappen - Red Bull - GP Japan 2018 - Suzuka - Rennen Foto: sutton-images.com
Max Verstappen rempelte Kimi Räikkönen aus dem Weg.

Die Stewards bestrafen Verstappen mit fünf Sekunden, die beim einzigen Boxenstopp abgesessen werden musste. Der Pilot war sich keiner Schuld bewusst. „Die Strafe ist ein Witz. Ich bin nicht schnell zurück auf die Strecke gefahren. Kimi hätte es sehen können. Er wählte die falsche Linie in der Schikane. Er hätte auch ganz einfach warten können.“ Gewartet hätte Verstappen im umgekehrten Fall wohl auch nicht. Helmut Marko drückte sich diplomatisch aus. „Ich bin ein Renn-Dinosaurier. Deshalb plädiere ich dafür, die Fahrer fahren zu lassen. Aber wenn sie die fünf Sekunden geben wollen, bitte.“

Wieso hatte Bottas Glück?

Lewis Hamilton war mit Valtteri Bottas in seinem Rücken unantastbar. Das mussten sowohl Red Bull als auch Ferrari einsehen. „Wir hätten sie schon am Start knacken müssen. Dann hätten wir Hamilton unter Druck setzen können. Man hat gesehen, dass er selbst im Bummeltempo Reifenprobleme bekommen hat“, sagte Marko. Mercedes-Teamchef Toto Wolff vermeldete an beiden Autos Blasenbildung auf den Hinterreifen. Die Strategen legten die Boxenstopps anhand der Gegner es. Es bestand nicht im Ansatz die Gefahr eines Undercuts. Hamiltons Probleme mit dem Hochschalten waren keine echten. „Wenn du in Führung liegst, und die WM auf die Zielgerade einbiegt, hörst du alle möglichen Geräusche“, meint Wolff.

Valtteri Bottas - Mercedes - Mercedes - GP Japan 2018 - Suzuka - Rennen Foto: Wilhelm
Valtteri Bottas musste dieses Mal Lewis Hamilton nicht helfen. Weil der WM-Führende sowieso alles im Griff hatte.

Der Rennsieger kontrollierte. Sein Schattenmann hingegen musste spätestens nach dem Wechsel von Soft- auf Mediumreifen endgültig abreißen lassen. Im Überrundungsverkehr kühlten am Auto mit der Startnummer 77 die Vorderreifen aus. Innerhalb von 14 Runden verdampfte der Vorsprung auf Verstappen von über zehn Sekunden auf nur noch eine Sekunde. Der Red-Bull-Pilot witterte seine Chance, trotz eines angeschlagenen Autos. „Die Kollision mit Räikkönen hat den Unterboden beschädigt. Das hat dem Auto 20 Punkte Anpressdruck genommen“, berichtete Marko. Außerdem beklagte Red Bull wie bereits in Singapur zeitweise Zündaussetzer des Renault-V6. Auf den Softreifen funktionierte der Red Bull dennoch gut. Verstappen bereitete eine finale Attacke vor. Die Batterien waren für die letzte Runde geladen, doch dann verbremste er sich und Bottas rollte als Zweiter ins Ziel.

Vettel glaubt, dass er auf diesem Platz hätte landen können, wäre er ungeschoren an Verstappen vorbeigekommen. „Mindestens einen Mercedes hätte ich gepackt“, meinte der WM-Zweite nach dem Rennen. Vettel gelang die schnellste Rennrunde, trotz demoliertem Auto. Ohne intaktes Aero-Paket büßte Vettel pro Runde etwa eine halbe Sekunde ein. „Ich brauchte ein paar Runden, um mich einzustellen. Die Reifen haben trotzdem gut gehalten.“ Wenigstens ein kleiner Lichtblick für Ferrari. Die Italiener grübeln, warum Mercedes in den letzten Rennen so überlegen war. Der Titelverteidiger begründet es hauptsächlich mit einem besseren Verständnis für die Reifen.

Wie kam Perez an Grosjean vorbei?

Den Kampf im Mittelfeld entschied Force India. Sergio Perez überholte Romain Grosjean in der 42. Runde in der Schikane. Der HaasF1-Pilot schimpfte am Funk: „Er muss mir den Platz zurückgeben.“ Grosjean glaubte, Perez sei in der VSC-Phase zu dicht aufgeschlossen, sprich, er sei zu schnell gewesen. Das war der Mexikaner allerdings nicht. Im Gegenteil: Grosjean schenkte zwei Sekunden her. „Als die Rennleitung das Rennen wieder freigab, hatte Romain noch kalte Reifen. Perez war mit seinen Softgummis gegen unsere Mediums im Vorteil“, berichtete HaasF1-Teamchef Guenther Steiner. In der Folge hängte Perez Grosjean ab, der beinahe noch in die Fänge von Esteban Ocon gelaufen wäre.

Der zweite HaasF1-Pilot war in einen aufsehenerregenden Zweikampf verwickelt. Charles Leclerc donnerte auf der Zielgerade in Runde zwei ins Heck von Kevin Magnussen. „Er ist dumm und bleibt es“, schimpfte der Sauber-Pilot. Steiner: „Das war kein Bremstest oder irgendwas. Leclerc ist ihm einfach hinten drauf gefahren.“ Die Kommissare verhängten keine Strafe, weil sie keinem die volle Schuld für den Auffahrunfall geben konnten.

GP Japan 2018: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:27:17.062 Std.
2. Valtteri Bottas Mercedes + 12.919 Sek.
3. Max Verstappen Red Bull + 14.295
4. Daniel Ricciardo Red Bull + 19.495
5. Kimi Räikkönen Ferrari + 50.998
6. Sebastian Vettel Ferrari + 69.873
7. Sergio Perez Force India + 79.379
8. Romain Grosjean HaasF1 + 87.198
9. Esteban Ocon Force India + 88.055
10. Carlos Sainz Renault + 1 Runde
11. Pierre Gasly Toro Rosso + 1 Runde
12. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
13. Brendon Hartley Toro Rosso + 1 Runde
14. Fernando Alonso McLaren + 1 Runde
15. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
16. Sergey Sirotkin Williams + 1 Runde
17. Lance Stroll Williams + 1 Runde
18. Charles Leclerc Sauber Ausfall
19. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
20. Kevin Magnussen HaasF1 Ausfall
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