Trainingsanalyse GP Belgien 2018

Vettel ganz knapp vor Hamilton

Sebastian Vettel - GP Belgien 2018 Foto: sutton-images.com 102 Bilder

Der GP Belgien läuft auf ein Duell zwischen Mercedes und Ferrari hinaus. Wer am Ende die Nase vorn hat, wird der Motor entscheiden. Noch haben die WM-Kandidaten ihre neue Antriebseinheiten mit gedrosselter Leistung laufen lassen.

Das Bild, das uns die Formel 1 vor der Sommerpause geboten hat, setzt sich auch in Spa fort. Ferrari und Mercedes kämpfen um den Sieg. Da wird sich auch Red Bull nicht einmischen können, auch wenn Max Verstappen wie üblich am Freitag in den Longruns Sichtkontakt zu den Top-Teams hatte.

Wenn die zwei WM-Kandidaten in der Qualifikation ihre neuen PS-Raketen zünden, dann wird von der Red Bull-Herrlichkeit nicht viel übrig bleiben. Und die Hoffnung auf Regen ist für Red Bull auch keine echte Hoffnung mehr, wie wir seit den Erfahrungen beim GP Ungarn wissen. Auf nasser Piste ist Mercedes die Nummer 1.

Obwohl es am ersten Trainingstag trotz bedecktem Himmel trocken blieb, ließ sich aus den Longruns weniger herauslesen als erhofft. Auf der Strecke herrschte das ganze zweite Training über dichter Verkehr. Das verwässerte die Dauerläufe. Nur auf den Supersoft-Reifen ließen sich die WM-Kandidaten vergleichen.

Sebastian Vettel legte seinen Lauf über 5 Runden im Schnitt um 0,043 Sekunden schneller zurück als Lewis Hamilton bei seinem 7-Runden-Stint. Die drei Reifenmischungen liegen in den Rundenzeiten laut Pirelli weiter auseinander als gedacht. Eine knappe Sekunde zwischen Supersoft und Soft und acht Zehntel zwischen Soft und Medium.

In der Trainingsanalyse geben wir die Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen zum Freitag:

Hat Ferrari oder Mercedes die Nase vorn?

Die Fahrer von Ferrari und Mercedes waren im vergleichbaren Zeitraum meistens mit unterschiedlichen Reifen unterwegs. Deshalb fällt ein Urteil schwer. Am besten lassen wir die Supersoft-Longruns von Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sprechen. Vettel war mit einem Schnitt von 1.48,675 Minuten ein halbes Zehntel schneller als Lewis Hamilton, legte dabei aber auch zwei Runden weniger zurück.

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 24. August 2018 Foto: xpb
Erst das Qualifying wird zeigen, wer den stärkeren Motor gebaut hat - wenn es nicht wieder regnet.

Längere Laufzeiten auf der weichsten Reifenmischungen ließen die Durchschnittszeiten ansteigen, wie man an anderen Teams erkennen kann. Auf eine Runde verlor Vettel 0,774 Sekunden auf die Bestzeit. Der Ferrari-Pilot baute zwei Fehler in seine Runde ein.

Starker Verkehr auf der Strecke hat die Analyse stark verwässert. Für Spa wurde ungewöhnlich viel gefahren, im Schnitt 29 Runden im zweiten Training. Vettels Rennsimulation auf den Medium-Reifen hat Mercedes beeindruckt, auch wenn Hamilton über eine vergleichbare Distanz von 77 Kilometern unverhätnismäßig oft aufgehalten wurde. Der Unterschied betrug acht Zehntel zugunsten von Vettel.

Valtteri Bottas schlug Kimi Räikkönen im Soft-Vergleich um eine halbe Sekunde. Räikkönen hatte die gleiche Entschuldigung wie Hamilton parat: Zu viel Verkehr. Strategisch wird im Rennen nicht viel zu holen sein. Pirelli rechnet mit einem Stopp und damit, dass sich Ferrari und Mercedes im Q2 auf den Soft-Reifen qualifizieren. Mit dem Supersoft-Sohlen wurde bei vielen Teams Blasenbildung links hinten beobachtet. Das könnte sich bei kühleren Temperaturen am Sonntag aber bessern.

Was können die neuen Motoren?

Auf den Vergleich der neuen Motoren von Ferrari und Mercedes müssen wir noch bis zur Qualifikation warten. Am Freitag fuhren beide Teams mit stark gedrosselter Power. „Aus den Messungen lässt sich noch überhaupt nichts herauslesen“, erklärte ein Mercedes-Ingenieur. Auch in den Kurven herrscht praktisch Gleichstand. Einige Kurven sehen den Mercedes vorne, andere Ferrari. Die Roten machten am Nachmittag besonders in den Kurven 5, 6 und 7 Boden gut.

Hat Red Bull eine Chance?

Max Verstappen - Red Bull - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 24. August 2018 Foto: Red Bull
Red Bull wird im Qualifying weit hinter Mercedes & Ferrari zurückfallen. Die Verantwortlichen fürchten sogar Gefahr aus dem Mittelfeld.

Wie üblich machte Red Bull bei den Longruns eine gute Figur. „Wir liegen etwa 2 bis 3 Zehntel hinter Ferrari und Mercedes. Aber wenn die am Samstag die Power aufdrehen, wird der Abstand größer werden“, fürchtet Teamchef Christian Horner. Helmut Marko befürchtet bis zu eine Sekunde Rückstand. Dabei fährt Red Bull vorne und hinten schon ein Minimum an Flügel. „Diesmal probieren wir gar nicht wie letztes Jahr eine Version mit mehr Abtrieb. Ohne die Monza-Flügel sind wir auf der Geraden nirgendwo“, bedauerte Motorsportchef Marko.

Horner verdeutlicht: „Wir sind auf der Geraden mit offenem Heckflügel so schnell wie Ferrari und Mercedes mit geschlossenem.“ Max Verstappen lag klar vor seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo. Der Australier musste am Nachmittag verlorene Setup-Zeit gutmachen. In der Früh musste an seinem Renault-Motor das Einlass-System getauscht werden. „Beim Abstimmen des Autos haben wir an der einen Stelle etwas verbessert und an der anderen ein neues Problem geschaffen“, klagte der Pilot.

Warum hat HaasF1 noch Probleme?

Im Mittelfeld präsentierte sich am ersten Tag folgende Reihenfolge: Force India-Renault-Sauber-Toro-Rosso-HaasF1-Williams-McLaren. HaasF1 startete mit zu wenig Abtrieb in das Training. „Am Nachmittag lief es etwas besser“, berichtete Teamchef Guenther Steiner. „Die Balance ist noch nicht gut. Uns fehlt noch Traktion.“ Dann gab es noch Ärger mit der MGU-K, so dass der US-Rennstall nicht die volle Power abrufen konnte.

Sauber hat allerdings angekündigt, dass mit den Ferrari-Kunden zu rechnen sind, wenn sie mal die Motorleistung hochdrehen. Red Bull-Teamchef Christian Horner hatte vor dem Training gefürchtet: „HaasF1 könnte uns hier Probleme machen.“

Fotos GP Belgien - Freitag
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Geht Pouhon voll?

Max Verstappen sagt ja. „Heute habe ich es noch nicht probiert. Aber morgen in der Qualifikation werde ich es versuchen.“ Pouhon ist auch so schon eine beeindruckende Kurve. GPS-Daten enthüllen folgende Werte: Lewis Hamilton fährt Pouhon mit 300 km/h an. Im Scheitelpunkt sinkt die Geschwindigkeit auf 280 km/h, um am Ausgang wieder auf 290 km/h anzusteigen. Kimi Räikkönen ist auf der Anfahrt mit 290 km/h etwas langsamer. Auch in der Kurvenmitte verliert er 10 km/h auf den Mercedes, kommt aber am Ausgang auf den gleichen Speed.

Wie schwierig war das Comeback für Force India?

Force India kümmerte sich in der Sommerpause ausschließlich um die Rettung des Teams. Die Autos haben die Basis in Silverstone nach dem GP Ungarn nie gesehen. Sie wurden im Bauch der Team-Trucks in Deutschland geparkt und von dort direkt nach Spa gefahren. Technikchef Andy Green brachte neue Flügel aus England mit nach Belgien. Sergio Perez und Esteban Ocon wechselten zwischen den Spa- und Monza-Versionen hin und her.

Green erklärt: „Spa liegt vom Abtrieb zwischen Baku und Monza. Aber wir haben jetzt so viel Grip, dass wir uns selbst in Spa Monza-Flügel leisten können.“ Sergio Perez machte auf eine Runde und in den Longruns trotz einer Lebensmittelvergiftung eine gute Figur. „Wir haben die Balance nahezu perfekt getroffen.“

Ocon hatte gleich in der ersten Runde einen Plattfuß, was seine Longrun-Aktivitäten stark einschränkte. Am nächsten kam Renault an die Force India-Zeiten heran. „Der neue Unterboden ist ein echter Fortschritt“, lobte Nico Hülkenberg, der sowohl auf eine Runde als auch in den Rennsimulationen leicht hinter Carlos Sainz herhinkte.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des Trainingsfreitags in Spa-Francorchamps.

Longrun-Analyse GP Belgien 2018

Fahrer ø längster Longrun Runden Reifen
1. Bottas 1.48,273 5 supersoft
2. Vettel 1.48,675 5 supersoft
3. Hamilton 1.48,718 7 supersoft
4. Räikkönen 1.48,740 9 supersoft
5. Verstappen 1.48,884 7 supersoft
6. Sainz 1.49,361 8 supersoft
7. Perez 1.49,502 7 supersoft
8. Ricciardo 1.49,774 10 supersoft
9. Hülkenberg 1.49,886 7 supersoft
10. Ericsson 1.50,321 8 supersoft
11. Gasly 1,50,449 6 supersoft
12. Grosjean 1,50,536 8 supersoft
13. Magnussen 1,50,606 8 supersoft
14. Sirotkin 1.50,709 10 supersoft
15. Ocon 1.50,726 13 supersoft
16. Alonso 1.50,767 7 supersoft
17. Leclerc 1.50,932 8 supersoft
18. Hartley 1.51,064 13 supersoft
19. Stroll 1.51,082 10 supersoft
1. Bottas 1.48,574 15 soft
2. Verstappen 1.48,631 8 soft
3. Ricciardo 1.48,974 9 soft
4. Räikkönen 1.49,082 7 soft
5. Hülkenberg 1.49,694 12 soft
6. Gasly 1.49,819 13 soft
7. Perez 1.49,853 9 soft
8. Magnussen 1.49,898 8 soft
9. Ericsson 1.50,211 4 soft
10. Sirotkin 1.50,237 11 soft
11. Stroll 1.50,491 9 soft
12. Alonso 1.50,580 4 soft
1. Vettel 1.48,302 12 medium
2. Hamilton 1.49,184 11 medium
3. Sainz 1.49,491 11 medium
4. Leclerc 1.49,917 5 medium
5. Grosjean 1.49,986 9 medium
6. Hartley 1.50,104 7 medium
7. Vandoorne 1.51,352 10 medium
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