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Daniel Ricciardo - McLaren - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
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Andrea Stella: Ricciardo an McLaren anpassen

Andrea Stella über Ricciardos Probleme „Auto lässt sich nicht ändern“

McLaren-Chefingenieur Andrea Stella erklärt im Detail, wo die Probleme von Daniel Ricciardo liegen, warum es so lange dauert, bis Fortschritte zu erkennen sind und warum sich das Auto nicht so einfach an den natürlichen Fahrstil des Piloten anpassen lässt.

Daniel Ricciardo ist vor der Saison mit großen Hoffnungen zu McLaren gewechselt. Das britische Traditionsteam schaffte im Vorjahr den Aufstieg zur dritten Kraft im Feld. Diese Position konnte man in den ersten elf Rennen dieser Saison erneut bestätigen. Doch aus persönlicher Sicht lief es für Ricciardo nicht besonders erfolgreich.

Der Blick auf die Fahrerwertung spricht eine deutliche Sprache. Ricciardos Konto steht aktuell bei 50 Zählern. Teamkollege Lando Norris hat mit 114 WM-Punkten mehr als doppelt so viel eingefahren. Nur bei einem einzigen Rennen, in Barcelona, gewann der Australier das interne Duell gegen seinen jüngeren Herausforderer. In den meisten Fällen hatte aber Norris klar die Oberhand.

Die McLaren-Verantwortlichen nehmen ihre teuer bezahlte Neuverpflichtung aber weiter in Schutz. Chefingenieur Andrea Stella versucht zu erklären, wo es noch hakt: "Unser Auto verlangt einige spezielle Anpassungen beim Fahrstil. Und es ist das komplette Gegenteil von dem, was Daniel vorher bei Renault gewohnt war. Daniel mag es lieber, schnell in die Kurve reinzurollen und nicht so aggressiv auf die Bremse zu gehen, wie es unser Auto verlangt."

Andrea Stella - McLaren - 2020
Motorsport Images
McLaren-Chefingenieur Andrea Stella bittet um Verständnis für die Probleme von Daniel Ricciardo.

F1-Piloten wie Musiker

Laut Stella wurde das Problem relativ schnell erkannt. Die Ingenieure legten direkt ein spezielles Simulator-Programm für Ricciardo auf, um das Sorgenkind auf den richtigen Pfad zu bringen. Aber die erhoffte schnelle Anpassung trat nicht ein. Zwischendurch schrumpfte der Abstand der beiden Piloten zwar immer mal wieder etwas zusammen, doch beim letzten Rennen vor der Sommerpause in Budapest fehlte Ricciardo schon wieder mehr als eine halbe Sekunde auf das Schwesterauto.

Für Stella ist diese Entwicklung nicht überraschend: "Ich vergleiche das gerne mit einem Musiker. Man kann einem Gitarrenspieler genau erklären, wie er sein Instrument zu bedienen hat. Aber es dauert eine lange Zeit, bis er sein erstes Konzert geben kann. Die Fortschritte sind nur ganz langsam nach vielen Stunden Übung zu erkennen."

Diese Zeit bekommt Ricciardo aber nicht: "Leider kann man in der heutigen Formel 1 nur schlecht trainieren. Die Wintertests wurden auf ein Minimum reduziert. Auch das Freitagstraining ist nun eine Stunde kürzer. Und da muss man das Rennen vorbereiten. Da kann man keine systematischen Übungen für einen Piloten durchführen, damit er sich besser an das Auto anpasst."

Daniel Ricciardo - McLaren - 2021
xpb
Daniel Ricciardo lässt sich die gute Laune nicht nehmen. Die Ingenieure loben, dass der Australier immer voll motiviert ist.

Ricciardo mit positiver Einstellung

Auch wenn es von außen schwer nachzuvollziehen ist, spricht Stella von einem klar erkennbaren Fortschritt, den Ricciardo seit seiner Ankunft bei McLaren gemacht habe. An den Rennfahrer-Qualitäten des 32-Jährigen gebe es demnach keine Zweifel. Als Beispiele führt Stella die schnelle Eingewöhnung an die neuen Funktionen des Autos in der Vorbereitung an. Und auch die Verteidigungsschlacht gegen Carlos Sainz beim Rennen in Silverstone hat die McLaren-Verantwortlichen beeindruckt.

"Und dann möchte ich noch seine positive Einstellung erwähnen. Seine Motivation ist sehr hoch und er hat immer Spaß an der Arbeit, obwohl klar war, was es für ein langer Weg ist. Das ist nicht immer der Normalfall, wenn ein Fahrer das letzte Zehntel nicht finden kann. Deshalb bin ich weiter optimistisch, was seine Zukunft angeht", so Stella.

Der Techniker erklärt, dass man im Hintergrund alles versucht, um den eigenen Schützling in diesem Prozess zu unterstützen. "Unser Auto ist gut in schnellen Kurven. Dafür ist es nicht so stark, den Schwung am Scheitel langsamerer Kurven mitzunehmen. Wir haben versucht, das Auto so anzupassen, dass es dem natürlichen Fahrstil von Daniel entgegenkommt. Aber das Hauptziel der Ingenieure besteht eigentlich nur darin, die aerodynamische Effizienz zu verbessern."

Daniel Ricciardo - McLaren - 2021
Motorsport Images
Teamkollege Lando Norris stand schon drei Mal auf dem Podium. Ricciardo gibt den Teamplayer.

McLaren-Charakter über Jahre gewachsen

Laut Stella lassen sich die Eigenschaften eines Rennautos nicht so einfach ändern: "Wir können die Aerodynamik leider nicht so feintunen, dass sich der Charakter ändert. Jedes Auto produziert ein spezielles Strömungsbild, das sich über die Jahre immer weiter festigt. Die Eigenschaften haben ihren Ursprung in Entwicklungen, die wir schon vor langer Zeit betrieben haben. Man kann sagen, dass dabei eine spezielle McLaren-Charakteristik entstanden ist. Diese entspringt auch der speziellen Vorgehensweise in unserer Aerodynamik-Abteilung. Und sie wird sich wohl auch in zukünftigen Modellen wiederfinden, selbst wenn sich das Reglement komplett ändert."

Schon in seiner Zeit bei Ferrari habe der Chefingenieur gelernt, dass manche Autos ihre Zeit auf den Geraden und in den Bremsphasen machen, andere wiederum stark am Kurvenscheitel sind. "Normalerweise geht nur eins von beiden. Nur die stärksten Autos beherrschen beide Disziplinen. Das Spezielle am McLaren ist, dass er ganz klar zur ersten Kategorie gehört."

Weil das Aerodynamik-Konzept in Stein gemeißelt ist, bleiben nur Änderungen an der Mechanik, um den Charakter etwas zu ändern. Doch Upgrades, zum Beispiel an den Aufhängungen, sind in dieser Saison durch die Homologierung stark eingeschränkt. "Deshalb fällt die Verantwortung jetzt auf den Fahrer, sich anzupassen. Wir stellen ihm ein Werkzeug zur Verfügung, das zwar schnell ist, aber auf eine bestimmte Art und Weise genutzt werden muss. Daran können wir momentan leider nichts ändern."

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