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So arbeitet Andreas Seidl im Home-Office

F1-Meetings sind disziplinierter

Per Videokonferenz hat sich McLaren-Teamchef Andreas Seidl gemeldet und sich zur aktuellen Situation bei seinem Team und der Arbeit aus dem Home Office geäußert. Der Bayer spricht dabei von einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere.

Die Formel 1 macht Pause. In den Fabriken wurde die Arbeit eingestellt. Das gilt natürlich auch für McLaren. In der Zentrale in Woking sind aktuell nur noch 100 bis 150 Angestellte für das "Project Pitlane" aktiv, die unter Hochdruck Beatmungsgeräte zur Bekämpfung der Corona-Krise herstellen. Der Rest der Belegschaft wurde freigestellt, um Geld zu sparen.

Aktuell ist nur noch die Führungsebene im Home Office aktiv. Teamboss Andreas Seidl spricht sich regelmäßig mit Renndirektor Andrea Stella, Technikchef James Key und Produktionsleiter Piers Thynne ab. "Wir müssen ja die wichtigsten Themen planen, um bereit zu sein, wenn es wieder losgeht."

Sonst gibt es laut Seidl nur noch kleinere Aktivitäten in den Bereichen Marketing und Kommunikation, um die Sponsoren-Partner und die Presse mit Infos zu versorgen. Die Entwicklungsarbeit an den Autos muss in der fünfwöchigen Shutdown-Phase komplett ruhen. "Jeder Tag, an dem wir nicht arbeiten müssen, spart uns Geld. Und wenn es nur der Strom ist, den wir in der Firma nicht einschalten müssen", erklärt Seidl.

McLaren MCL35 Präsentation - 2020
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Seidl vor schwieriger Aufgabe

Den 44-Jährigen aus Passau stellt die Corona-Krise vor ungewohnte Aufgaben. Nicht einmal ein Jahr nach seiner Ankunft bei McLaren muss er den Traditionsrennstall durch raue See steuern. "Den Mitarbeitern zu erklären, dass sie jetzt in Kurzarbeit müssen und dass die Gehälter gekürzt werden, war nicht einfach", gibt der Teamchef zu. "Das Gute war, dass jeder verstanden hat, warum wir das momentan machen – nämlich um das Team zu schützen und gut durch die Krise zu kommen. Aber für mich war das eines der schwierigsten Themen, die ich in den letzten 20 Jahren im Motorsport erlebt habe."

Erschwert wird die Situation noch durch die räumliche Distanz. Der Schutz der Mitarbeiter wird bei McLaren nicht erst seit dem positiven Corona-Fall in Melbourne großgeschrieben. Wer kann, arbeitet aus dem Home Office. Da macht auch der Teamchef keine Ausnahme. Per Videokonferenz begrüßte Seidl auch die deutsche Presse aus seinem privaten Heim – und trug dabei übrigens ein Trikot seines Heimatvereins FC Bayern München.

Das Fazit nach dem ersten Monat Home Office fiel positiv aus: "Es ist interessant, wie effizient man dank der diversen modernen Kommunikationsmittel auch von zuhause aus arbeiten kann. Natürlich kann es die persönliche Interaktion mit dem Team aus dem Büro nicht ersetzen. Dieser direkte Kontakt fehlt natürlich. Und natürlich fehlt auch der direkte Wettbewerb an der Rennstrecke, den wir alle so lieben."

Auch der Kontakt zur FIA, zu den Verantwortlichen von Liberty Media und den anderen Teams ist nicht abgebrochen. Ganz im Gegenteil: "Wir hatten in den letzten Wochen viel zu klären. Ich denke, dass wir aus der aktuellen Phase auch etwas lernen können. Wenn man sich zum Beispiel die Meetings mit den anderen Teamchefs anschaut, dann waren das einige der effizientesten und diszipliniertesten Meetings, die wir jemals hatten", verrät Seidl.

Andreas Seidl - McLaren - F1 - 2019
xpb
McLaren-Teamchef Andreas Seidl hat die Aufgabe, den Traditionsrennstall erfolgreich durch die Krise zu führen.

Qualitäten im Haushalt begrenzt

Von Frust ist noch nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: "Es ist eine positive Erfahrung, nach 20 Jahren auch mal wieder Teil eines normalen Familienlebens zu sein." Was seine Qualitäten als Hausmann angeht, so hat der Bayer jedoch eine realistische Selbsteinschätzung: "Im Haushalt bin ich sicher nicht die allergrößte Hilfe. Mein Beitrag beschränkt sich vor allem auf Wertstoffhof und Getränkekisten kaufen."

Statt Reisestress und Rennaction stehen nun Spaziergänge und Mountainbike-Touren auf dem Tagesprogramm. "Natürlich nur so, wie es mit den aktuellen Restriktionen erlaubt ist", fügt Seidl pflichtbewusst an. In der freien Zeit findet der ehemalige Leiter des erfolgreichen Porsche LMP1-Programms auch mal die Ruhe, ein Buch zu lesen, was in der Hektik einer Rennsaison sonst kaum möglich ist.

"Was mich schon immer interessiert hat, sind Biographien von Sportlern oder Teamchefs und Trainern. Aktuell habe ich die Bücher von Damon Hill, Johnny Herbert, Alex Ferguson und Dirk Nowitzki gelesen", verrät Seidl. "Sonst schaue ich am Abend auch mal gerne einen Film, zum Beispiel ‚Das Boot‘. Was ich mir auch immer gerne mal wieder anschaue, ist die Verlängerung des Fußball-WM-Finales 2014, weil es viel darstellt, was ich am Sport liebe – nämlich den Kampfgeist, den Team-Spirit, die totale Erschöpfung und unglaubliche Glücksgefühle. Video-Games sind dagegen nicht meine Welt. Da bin ich eher Old-Style unterwegs."

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