Max Verstappen - GP Ungarn 2021 xpb
Aston Martin - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Donnerstag - 29. Juli 2021
Impressionen - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Donnerstag - 29. Juli 2021
Mercedes G-Klasse - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Donnerstag - 29. Juli 2021
Impressionen - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Donnerstag - 29. Juli 2021 47 Bilder

Hamilton ruft Verstappen an: Keine Entschuldigung

Verstappen trotz Hamilton-Anruf sauer „Mercedes zeigt wahres Gesicht“

GP Ungarn

Für Max Verstappen liegt der Fall klar. Er habe in England nichts falsch gemacht. Die Schuld für die Kollision liege voll bei Rivale Lewis Hamilton. Weltmeister und Herausforderer telefonierten nach dem Zwischenfall, doch der Niederländer ist immer noch angesäuert. Wegen der verlorenen Punkte und der Feierlichkeiten nach dem Rennen.

Der GP England geht in die Verlängerung. Red Bull hat bei der FIA den Antrag gestellt, den Unfall zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen neu zu bewerten. Am Donnerstag (29.7.2021) kam es zum ersten Teil der Verhandlung. Da musste Red Bull neue Beweise vorlegen, um vielleicht in einem zweiten Schritt doch eine härtere Strafe gegen den Weltmeister zu erwirken. Jeweils drei Teamvertreter sprachen per Video-Konferenz bei den Kommissaren vor.

Im Fahrerlager ist man sich einig. Die Erfolgsaussichten von Red Bull sind gering. Es dürfte dem Rennstall aus Milton Keynes in erster Linie darum gehen, ein Zeichen zu setzen. Eines an den Teamkapitän. Nach dem Motto: Wir stehen hinter dir. Wir stärken dir den Rücken. Für Fahrer und Team ist der Fall eindeutig: Lewis Hamilton trägt die volle Verantwortung und nicht nur überwiegend, wie es in der Begründung der Stewards für die 10-Sekunden-Strafe geheißen hatte.

Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Donnerstag - 29. Juli 2021
ams
Red Bull bezifferte den Schaden auf 1,8 Millionen US-Dollar. Der Motor hat es überlebt. Verstappen testet ihn am Trainingsfreitag.

Unverständnis über Mercedes-Jubel

Zum ersten Mal nach dem Highspeed-Crash sprach Verstappen selbst in der Öffentlichkeit. Nach dem England-Rennen konnte er es ja nicht. Da lag der WM-Führende im Krankenhaus. Der Unfall ging glimpflich aus, trotz einer Verzögerung von 51g im Reifenstapel. "Ich hatte ein paar blaue Flecken und Prelllungen. Doch mit jedem Tag ist es besser geworden. Ich konnte vor Ungarn so hart trainieren wie nie", flachst der 23-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem elften Saisonlauf. Ein virtuelles 24-Stunden-Rennen hielt als Test her, wie der Körper auf eine starre Sitzposition für längere Zeit reagiert. Test bestanden. "Ich bin etwa achteinhalb Stunden gefahren."

Und trotzdem hat Verstappen das vergangene Rennen noch nicht abgeschüttelt. Es ist noch Frust zu spüren. Über das aus seiner Sicht zu milde Strafmaß. "Wir liegen für gewöhnlich 40 oder 50 Sekunden vor den nächsten Teams. Eine Strafe von zehn Sekunden ist deshalb zu milde. Es hätte eine härtere gebraucht." Und auch der ausgelassene Jubel von Hamilton und Mercedes nagt innerlich. "Jetzt wenn der Druck auf sie groß ist, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Es zeugt nicht von Respekt, einen anderen Fahrer ins Krankenhaus zu befördern, und dann wie wild mit der Fahne in der Auslaufrunde zu winken."

Dem Niederländer stößt es auf, dass manche mit dem Finger auf ihn zeigen und behaupten, er würde zu aggressiv fahren. Diesen Vorwurf hatte ihm unterschwellig auch Hamilton gemacht. "Ich bin sicher ein harter Rennfahrer. Aber ich habe mir in den letzten Jahren nichts zu Schulden kommen lassen. Ich habe keinen Strafpunkt auf dem Konto. Ich hätte Lewis auch in die Mauer auf der Innenseite drücken können. Doch ich habe ihm Platz gelassen. Ich bin einen weiteren Radius gefahren und habe nicht erwartet, dass er das Manöver tatsächlich durchzieht. Ich kann den Ausgang jetzt aber nicht mehr ändern. Aber natürlich bin ich unglücklich, so viele Punkte verloren zu haben, obwohl ich schuldlos war."

Lewis Hamilton - GP Ungarn 2021
Wilhelm
Lewis Hamilton suchte das Gespräch mit seinem großen WM-Rivalen.

Anruf, aber keine Entschuldigung

25 waren es auf einen Schlag. Der Abstand auf den Rivalen ist auf acht Zähler geschrumpft. Absicht will er Hamilton nicht unterstellen. "Er hat sich in diesem Moment in dieser Kurve einfach verschätzt. Er konnte auf seiner Linie nicht erwarten, mit dem gleichen Speed wie ich durch die Kurve zu fahren. Es gibt nichts, was ich hätte machen können. Er ist mir einfach untersteuernd ins Heck gerutscht." Viele werden da widersprechen. Hamilton hatte zwar noch Platz auf der rechten Seite, um Verstappen mehr Raum zu geben. Doch der Red Bull-Pilot hätte selbst auch etwas weiter links fahren können. So haben beide nicht genug getan, den Unfall zu vermeiden.

Hamilton selbst wollte sich zunächst nicht groß zum Vorfall äußern. "Ich will keine Energie darauf verschwenden." Tat er nach den Fragen der Journalisten dann aber doch. "Ich habe das Manöver mit meiner ganzen Erfahrung analysiert und würde es genauso noch einmal durchziehen." Keiner der beiden will in der Öffentlichkeit zurückstecken.

Der Weltmeister suchte das Gespräch, um zu viel weiteres böses Blut zu vermeiden. Eine Entschuldigung gab es nicht. "Ich habe ihn angerufen, um zu fragen, wie es ihm geht und ob man sich noch respektiert. Ich glaube nicht, dass wir uns nach dem Rennen respektlos verhalten haben. Natürlich haben wir uns sehr über den Sieg und die vielen Fans gefreut. Und ich werde meine Emotionen sicher nicht verstecken." Verstappen bestätigte den Anruf, wollte aber nicht ins Detail gehen. Der Inhalt des Gesprächs soll vertraulich bleiben.

Ob das Verhältnis nachhaltig beschädigt ist? Verstappen nebulös: "Wir werden genauso weitermachen. Am Ende des Tages sind wir Rennfahrer. Ich werde auf die bestmögliche Art weiterfahren." Fortsetzung in Ungarn? Hamilton glaubt, dass Red Bull weiter das bessere Paket hat. "Ich glaube, dass sie hier immer noch die Oberhand haben. Aber wir haben jetzt das Potenzial, dass wir ihnen einen Kampf liefern können."