Aufregung um Vettel

Was war da mit den gelben Flaggen?

Vettel Kobayashi GP Brasilien 2012 Foto: xpb 40 Bilder

Sebastian Vettel geriet beim GP Brasilien gleich zwei Mal unter Verdacht, bei gelben Flaggen überholt zu haben. In Runde vier fuhr er an Jean-Eric Vergne vorbei, in Runde acht passierte der Weltmeister Kamui Kobayashi. Die Rennleitung verzichtete jedoch auf genauere Untersuchungen.

Der englische Privatsender Sky machte eine große Nummer daraus. Experte Allan McNish stellte die ketzerische Frage: Hat Sebastian Vettel in der 8. Runde einen Regelverstoß begangen? Es war die Phase, als die Teams darüber nachdachten, auf Intermediates umzurüsten, weil der Regen stärker wurde. Sauber entschied sich nach Lotus mit Kimi Räikkönen als zweites Team dazu. In der 7. Runde lag Kamui Kobayashi auf Platz sechs, der nach seinem Unfall in der ersten Runde nach vorne stürmende Vettel auf Rang acht. Eine Runde später lief der Weltmeister im kurvenreichen Innenteil der Strecke auf den Sauber auf.

Gelbe Flaggen bei Kobyashi-Duell

Das TV-Bild aus Vettels Bordkamera zeigt, dass eingangs Kurve 8 die gelbe und die gelbrot gestreifte Flagge gezeigt werden (>> Sky-Video). Gelbrot bedeutet, dass entweder Öl auf der Strecke ist oder in Verbindung mit Gelb, dass Gefahr durch aufkommenden Regen besteht. Ausgangs Kurve 11 steht die Ampel wieder auf Grün. Dort ist die Strecke noch trocken. Erst den Berg die Zielgerade hoch zeigen die Ampeln wieder gelbes Licht. Von der gelbrot gestreiften Flagge keine Spur.

Kobayashi verlangsamt seine Fahrt bereits, da er die Boxengasse anvisieren will. In diesem Augenblick überholt ihn Vettel links, also auf der Seite der Boxeneinfahrt. Erst in seinem Rücken biegt der Japaner zum Reifenwechsel ab. Man könnte also von einem Überholmanöver sprechen, auch wenn es kein richtiges war. Das Argument, er habe den Sauber beim Abbiegen in die Boxeneinfahrt überholt, zieht hier allerdings nicht. Dazu hätte Vettel rechts an Kobayashi vorbeigehen müssen.

Ungeklärte Gefahrenzone

Wer Vettels Fahrt auf der Zielgeraden weiter verfolgt, fragt sich warum hier überhaupt die Ampeln auf Gelb geschaltet sind. Nirgendwo steht ein Auto am Streckenrand, nirgendwo sind Trümmerteile zu entdecken, nirgendwo Streckenposten auf der Bahn. Es kann sich also nur um eine Ersatzfunktion für die gelbrote Flagge gehandelt haben. Für die gilt aber kein Überholverbot.

Ferrari hatte bei der Rennleitung kurz angefragt, ob da ein Regelverstoß vorlag, bekam aber ein Nein zur Antwort. Da sich im roten Lager nach den Rennen keiner über die Szene großartig echauffiert hat, darf man davon ausgehen, dass Ferrari das Überholmanöver selbst als wenig strafwürdig ansah.

Allan McNish erwähnt, dass Vettel die Möglichkeit genommen wurde, Kobayashi zurücküberholen zu lassen, weil dieser ja an die Boxen ging. Das steht hier aber gar nicht zur Debatte. Wenn ein Fahrer eine gelbe Flagge missachtet und überholt, dann kann er das nicht dadurch wieder gutmachen, dass er den anderen vorbeilässt. Bei Gelb wird grundsätzlich nicht überholt, weil damit eine Gefahr angezeigt wird.

Vergne-Überholmanöver unter Gelb?

Schon in Runde vier war Vettel in einen ähnlichen Vorfall verwickelt. Am Ende der Zielgeraden lief er auf den Toro Rosso von Jean-Eric Vergne auf. Im Senna-S wurden gelbe Flaggen angezeigt - auch hier war der Grund nicht ersichtlich. Auf der Geraden zu Kurve vier ging der Heppenheimer an seinem Konkurrenten vorbei, während auf seinem Armaturenbrett immer noch die gelben Warn-LEDs leuchteten ( >> YouTube Video).

Allerdings zeigten die Bilder auch, dass ein Marshall auf der linken Seite eine grüne Flagge schwenkt, bevor Vettel zum Manöver ansetzte. In Spanien sorgten die Aufzeichnungen aus der Onboard-Aufnahme dennoch für jede Menge Diskussionen. Die Sportzeitung Marca fordert eine nachträgliche 20-Sekunden-Strafe. In Italien machen die Zeitungen den Tifosi Hoffnung, dass noch bis zum 30. November Protest eingelegt werden könne. Ferrari erklärte jedoch schnell, das Ergebnis nicht nachträglich anfechten zu wollen.

Vettel ist der Titel nicht mehr zu nehmen

Entgegen ersten Informationen, könnte Ferrari tatsächlich Protest einlegen. Vettel droht bei einer Überführung eine nachträgliche 20 Sekunden-Strafe. Der Vorwurf, die Schiedsrichter hätten Alonso die WM gekostet, lässt sich nicht aufrechthalten. Selbst wenn die Rennleitung Vettel früh im Rennen eine Durchfahrtstrafe aufgebrummt hätte, wäre er bei 20 Sekunden Zeitverlust an die vorletzte Stelle zurückgefallen. So schnell wie sich der Red Bull-Pilot vorher durch das Feld gewühlt hatte, wäre ihm das vermutlich auch ein zweites Mal geglückt.

Die 20-Sekunden-Zeitverlust hätten Vettel nicht wehgetan, weil in der 24. Runde das Safety-Car ausrückte. Damit schrumpften alle Rückstände praktisch auf null. Vettel hätte also auch mit einer Durchfahrtstrafe noch auf Platz sechs und damit zum WM-Titel fahren können.

Korrektur: In einer früheren Version wurde behauptet, dass Ferrari kein Protest wegen der gelben Flaggen einlegen kann. Das stimmt nicht. Allerdings hat ein Protest kaum Chancen auf Erfolg.

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