Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza - Rennen Motorsport Images
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Doppelausfall für Ferrari in Monza

Geht's noch schlimmer? Es geht!

Ferrari baute in Monza schnell die Zelte ab. Das Heimrennen stellte eine negative Steigerung zur Pleite von Spa dar. Diesmal sah keiner der Fahrer die Zielflagge. Vettel stoppte ein Bremsdefekt. Leclerc bezahlte für zu viel Risiko.

Eine halbe Stunde nach dem Rennen sagte Ferrari seine Pressekonferenz ab. So wie beim zweiten Rennen in Spielberg. Im Moment der größten Demütigung wollte man nicht auch noch Rede und Antwort stehen müssen. Die Bilder sprachen für sich.

Sebastian Vettel donnerte ohne Bremsen durch die Styroporblöcke in der Auslaufzone der ersten Schikane. Charles Leclerc krachte mit über 200 km/h in der Parabolica in die Reifenstapel und sorgte damit für eine Grand Prix-Premiere. Abbruch, Pause, Fortsetzung mit einem stehenden Start. An dem nahm keiner der Ferrari-Fahrer mehr teil.

Sebastian Vettel gab zu dem Zeitpunkt längst seine TV-Interviews. Der Bremsdefekt hatte sich gleich nach der Startrunde angedeutet. Hinten links entwich ganz offensichtlich Bremsflüssigkeit. Ein kleines Feuerchen deutete auf einen Schaden hin.

Vettel versuchte zu retten, was noch zu retten war, stellte die Bremsbalance nach vorne, fuhr aus dem Windschatten raus, um die vermeintlich überhitzten Bremsen zu kühlen. Es half alles nichts. Beim Anbremsen der ersten Schikane aus 345 km/h fiel das Bremspedal auf den Boden. Vettel nahm zwei Styroporblöcke volley und war froh, dass der Defekt an dieser Stelle passierte. "In der letzten Kurve hätte ich nicht so viel Auslauf gehabt."

Leclerc schneller als sein Ferrari

Wäre Vettel in der Parabolica abgeflogen, hätte Ferrari zwei Totalschäden in seine Transporter laden können. In der 24. Runde krachte es dann in der Zielkurve wirklich. Charles Leclerc verlor seinen SF1000 kurz nach dem Re-Start mitten im Pulk. Vermutlich hatten Turbulenzen für Strömungsabriss gesorgt.

Leclerc war schon in der Beschleunigungsphase und damit über 200 km/h schnell. Der Ferrari schlug im stumpfen Winkel in den Reifenstapel ein. Nach bangen Sekunden des Wartens kam aus dem Cockpit die erlösende Nachricht: "Ich bin okay." Am schweren Atem erkannte man aber, dass der Aufprall dem Fahrer die Luft aus den Lungen gepresst hatte. "Es wird wohl morgen hier und da etwas zwacken", meinte Leclerc. Das dürfte eine leichte Untertreibung sein.

Leclerc dachte zunächst ein Opfer seines frühen Boxenstopps gewesen zu sein, merkte dann aber, dass das Timing gar nicht so schlecht war. "Ich habe Attacke gemacht, aber auf den harten Reifen war die Balance des Autos schwierig. In der Parabolica habe ich es dann etwas übertrieben. Es war mein Fehler."

Beobachter erkennen schon lange, dass Leclerc hohe Risiken eingeht, um dem störrischen Ferrari seinen Willen aufzuzwingen. Vor allem auf Strecken, auf denen Ferrari gezwungenermaßen mit wenig Abtrieb unterwegs ist. Da fährt Leclerc schneller als es das Auto erlaubt. Und irgendwann geht der Seiltanz ohne Netz halt mal schief.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
xpb
Am Auto von Leclerc ist wohl nicht mehr viel zu retten.

Im Simulator geht nichts kaputt

Vettel lässt sich mit all seiner Erfahrung nicht mehr zu solchen Kamikaze-Aktionen hinreißen. Aber auch er ist mit seiner Geduld langsam am Ende. Auf die Frage, ob der Tiefpunkt jetzt erreicht sei, antwortete der vierfache Weltmeister. "Eigentlich sollte es nicht mehr schlimmer gehen. In diesem Jahr ist es aber so."

Vettel gibt zu, dass der enttäuschende Speed des Autos und die technischen Unzulänglichkeiten langsam nerven: "Es wird ein schweres Jahr für Ferrari. Und auch nächstes Jahr, aber das betrifft mich ja nicht mehr." Das Wort "gottseidank" verkneift sich der Deutsche.

Trotzdem wird Vettel die Aufgabe mit Anstand zu Ende bringen. "Das bin ich meinem Team schuldig. Die haben es ja auch nicht leicht, eigentlich noch schwerer als ich. Wir kriegen gerade ordentlich eins auf die Mütze, und das auch zurecht. Ich bin Teil dieses Teams. Da müssen wir uns jetzt alle gemeinsam irgendwie durchbeißen."

Am Dienstag sitzt Vettel in Maranello wieder im Simulator. Vorbereitung für Mugello. Mit einem Stoßseufzer der Erleichterung und auch ein bisschen Galgenhumor meint Vettel: "Im Simulator hält das Auto wenigstens."

Teamchef Mattia Binotto sprach das Schlusswort: "Ein Doppelausfall ist das schlechtestmögliche Resultat. Das tut weh. Ein technischer Defekt wie bei Sebastian ist unentschuldbar. Aber wir dürfen jetzt nicht aufgeben, sondern müssen gemeinsam aus der Situation wieder raus."

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