Schlupflöcher im Reglement

Auspuffproblem für 2012 nicht gelöst

Red Bull Auspuff GP Europa 2011 Foto: Grüner 26 Bilder

Bei der Diskussion um die Position der Auspuffrohre für 2012 ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bei einem Treffen der Technikchefs am Nürburgring kam heraus, dass man die Auspuffgase auch dann für die Aerodynamik zweckentfremden kann, wenn sie oben in der Verkleidung austreten.

Wer dachte, dass der langwierige Auspuffstreit mit der Einigung in Silverstone und dem neuen Reglement für 2012 ein Ende gefunden hat, der könnte sich getäuscht haben. Es geht dabei um die Streitfrage, ob die Auspuffgase als aerodynamisches Hilfsmittel genutzt werden dürfen.

Eigentlich verbietet das Reglement, dass der Pilot aus dem Cockpit auf die Aerodynamik einwirkt. Beim künstlichen Anblasen des Diffusors kann der Fahrer jedoch über die Motoreinstellung den Abtrieb im Heck regeln. Vor allem das Zünden des Motors beim Gaswegnehmen, um auch in Bremszonen Anpressdruck zu generieren, hat in letzter Zeit für Diskussionen gesorgt.

In Silverstone schien eine Einigung gefunden. Bis zum Ende der Saison ist trotz der Grauzone im Reglement weiterhin alles erlaubt. Für die nächste Saison wollte man mit einer Änderung im technischen Reglement dem Spuk ein Ende setzen. Nach einem Vorschlag von Ferrari einigte man sich darauf, dass die Endrohre auf der Oberseite der Karosserie austreten.

Hilft der Auspuff weiter der Aerodynamik

Doch nun steht die Regeländerung wieder auf dem Prüfstand. Bei einem Treffen der Technikchefs am Nürburgring kam heraus, dass man die Auspuffgase auch dann für die Aerodynamik zweckentfremden kann, wenn sie oben in der Verkleidung austreten.

Sauber-Technikchef James Key wollte auf Nachfrage von auto-motor-und-sport.de nicht ausschließen, dass einige schlaue Köpfe in den Technikbüros Schlupflöcher finden werden. "Wir haben mittlerweile gelernt, dass es immer Wege geben könnte. Es ist schwierig zu sagen, was dabei herauskommt, wenn die Teams sechs Monate Zeit haben darüber nachzudenken."

Auspuff-Effekt wird auf jeden Fall geringer

Der Ingenieur sieht die aktuelle Lösung aber als Schritt in die richtige Richtung: "Ich denke, das aktuelle Reglement ist ziemlich wasserdicht, z.B. zur Frage, was direkt hinter dem Auspuff angebracht werden darf. Die Aerodynamikregeln geben bestimmte Mindestradien vor. Scharfe Kanten in der Verkleidung sind somit ausgeschlossen. Es wird auf jeden Fall nichts dergleichen sein, was man momentan machen kann."

Mit der neuen Auspuffposition erwartet Key, dass sich im Heckbereich der Fahrzeuge einiges ändern wird. "Das war wie mit dem Doppeldiffusor. Alle anderen Teile wie Getriebe oder Aufhängung mussten aus dem Weg geräumt werden, um Platz zu machen. Momentan bauen alle Ihre Autos so, dass sie den Auspuff optimal nutzen. Da gibt es von der Anordnung im Heckbereich sicher Änderungen. Die Autos werden auf jeden Fall anders aussehen."

Aerodynamiker müssen tricksen

Die große Frage ist, wie man den Abtriebsverlust ohne den Auspufftrick ersetzt. "Es gibt keinen Weg, einen solchen Effekt in engen Kurven zu erzeugen. Aber wir haben natürlich viel in diesem Bereich gelernt. Das kann man nicht einfach vergessen. Vielleicht lässt sich durch einige Tricks, z.B. mit der Verkleidung etwas von dem Effekt ersetzen, den wir jetzt haben", so Key. Aerodynamik-Genies wie Adrian Newey werden wohl auch zukünftig genug Arbeit haben.

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