Australien-Kritik

Die Fehler der Rennleitung

Foto: Daniel Reinhard 70 Bilder

FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat sich am Donnerstag (20.3.) bei der Besprechung der Teammanager Kritik gefallen lassen müssen. Die schwarze Serie der Fehlentscheidungen der Rennleitung setzte sich beim ersten Grand Prix des Jahres in Melbourne nahtlos fort.

So wunderten sich nicht wenige Strategen während des GP Australien, wie Sebastien Bourdais plötzlich innerhalb von zwei Runden von Platz 13 auf Platz sechs und später Rang vier vorgespült werden konnte, obwohl der Franzose vor seinem zweiten Tankstopp in Runde 28 fast eine Runde Rückstand hatte.

Geschenk an Bourdais

Während des Grand Prix hatten die anderen Teams keine Zeit zur Analyse, aber mit dem Abstand von drei Tagen wissen sie, wie das Toro Rosso-Wunder zustande kam. Es passierte in der zweiten Safety-Car-Phase. Bourdais war der erste, der seinen Tankstopp abwickelte, als die Meldung über den Rennticker lief, dass die Boxengasse zum Tanken wieder geöffnet sei. Das passiert laut Reglement erst dann, wenn sich das Feld komplett hinter dem Safety-Car aufgereiht hat. Zu diesem Zeitpunkt aber, waren noch große Lücken im Feld. Bourdais selbst war nach Aussage eines Teammanagers fast 500 Meter hinter dem Auto vor ihm, dem Renault von Nelsinho Piquet. Die Boxengasse hätte deshalb nie und nimmer geöffnet werden dürfen.

Toro Rosso nahm das Geschenk natürlich dankend an und lotste seinen Fahrer zu einem vorgezogenen zweiten Stopp an die Box, tankte voll und wäre fast mit Platz vier belohnt worden, hätte das Getriebe nicht gestreikt. Für die Konkurrenten war die Entscheidung der Regie fatal. Das Feld war gerade an der Boxengasse vorbeigefahren und musste eine komplette Runde hinter dem Safety-Car herzuckeln, bis sich für Kubica, Alonso, Kovalainen, Nakajima, Glock und Piquet die Möglichkeit ergab zu tanken. Bourdais hatte in der Zwischenzeit wegen der langsamen Fahrt hinter dem Safety-Car wieder auf das Feld aufgeschlossen und erhielt so die Chance, an allen, die eine Runde später die Boxen anliefen vorbeizufahren. Robert Kubica hat sich also völlig umsonst bei BMW über die Strategieänderung beschwert. Sie war im Prinzip richtig, ist nur nicht aufgegangen, weil Bourdais von der Rennleitung ein unerwartetes Geschenk bekam.

Rubens geblendet

Auch bei Honda ärgerte man sich. Rubens Barrichello lag trotz eines Strafstopps in Runde 49 auf Punktekurs, als er die rote Ampel an der Boxenausfahrt übersah. "Die Sonne hat genau auf das Rotlicht geschienen. Außerdem musste ich noch Einstellungen über die Lenkradknöpfe vornehmen", lautete seine Entschuldigung. Der Brasilianer wurde disqualifiziert. Bei Durchsicht der Protokolle musste die Rennleitung zugeben, dass die rote Ampel längst auf grün hätte umspringen müssen, weil das Feld hinter dem Safety-Car schon klar die Boxenausfahrt passiert hatte. Doch für Barrichello gab es keine Gnade. Rot ist rot, egal ob es zu Recht oder zu Unrecht angezeigt wird.

In einem Punkt wurden die Funktionäre allerdings zu unrecht kritisiert. Die zweite Safety-Car-Phase dauerte vier Runden, nach Meinung vieler Beobachter zu lang. Sie sahen in der langen Neutralisation einen Vorteil für Ferrari, weil die eine Runde mehr Kimi Räikkönen geholfen hätte, wenn Ferrari an der Boxenmauer nicht geschlafen hätte. Herbie Blas, Assistent der Rennleitung, bestätigte jedoch: "Die Strecke war von dem Unfall zwischen Massa und Coulthard immer noch voller Wrackteile. BMW hatte uns sogar kurz vorher eine E-Mail geschickt, weil Heidfeld am Funk gemeldet hatte, dass die erste Kurve immer noch voller Kohlefasersplitter ist."

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