BAR

Vom David zum Goliath?

Foto: dpa

Für Weltmeister Michael Schumacher sind die weißen Renner die größten Herausforderer beim Heimspiel am Nürburgring. "Ich denke, BAR wird ein ernsthafter Gegner werden", sagte der Ferrari-Pilot vor dem Großen Preis von Europa über das Honda-Team mit Jenson Button und Takuma Sato.

Doch BAR-Technikchef Geoff Willis stapelt trotz der Vorschlusslorbeeren tief: "Bis auf einen können wir bereits alle anderen aus eigener Kraft schlagen, und bei diesem einen läuft irgendwann auch wieder einmal etwas schief. Diesmal wollen wir zur Stelle sein."

Ein BAR-Honda-Sieg in der Eifel wäre ein Erfolg Davids über Goliath. Denn bei Ferrari arbeiten gut 800 Mitarbeiter im Werk in Maranello mit dem einen Ziel, für Michael Schumacher und seinen brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello optimal vorbereitete Rennwagen an den Start zu bringen. Bei "Lucky Strike BAR Honda" im englischen Brackley werkeln rund 350 Angestellte an den weißen Dienstwagen. Hinzu kommen noch einige Honda-Experten, die sich erstaunlicherweise nicht nur um den Motor, sondern auch um Bereiche wie Chassis, Radaufhängung und Aerodynamik kümmern.

Team-Spielchen für Team-Work

Ferrari hat sich vom Stararchitekten Renzo Piano einen Windkanal nach Maß bauen lassen. BAR-Honda ist gerade erst im Begriff, den eigenen nüchternen Zweckbau nachzurüsten, um Schritt halten zu können. Die Scuderia kann im Jahr etwa ein Drittel mehr Geld ausgeben als BAR. In der Etat-Rangliste liegen noch vier weitere Rennställe vor dem britisch-japanischen Team.

Seit David Richards den Rennstall im Dezember 2001 als Teamchef übernommen hat, geht es aufwärts. Nach der vergangenen Saison musste Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve als größter Kostenfaktor gehen. "Wer in der Formel 1 ganz vorn mitfahren will, muss dieselben Gesetze beachten, die auch in anderen Branchen gelten. Management, Mitarbeiter und Motivation müssen stimmen", sagt Richards.

Der Teamchef lässt sich deshalb einiges einfallen, um die Crew zusammenzuschweißen. Mal gilt es, sich in kleinen Gruppen bei Wind und Wetter durch unwegsames Gelände zu kämpfen, mal muss im Teamwork ein in alle Einzelteile zerlegter Kleinwagen wieder zusammengebaut werden. Ohne Bedienungsanleitung, versteht sich.

21.000 Testkilometer hat BAR-Honda vor der Saison abgespult, im Jahr davor waren es nur 6000. "Unser Auto ist schnell genug. Ferrari können wir schon jetzt schlagen, aber die Kombination Ferrari/Schumacher liegt noch knapp außerhalb unserer Reichweite. Aber mit etwas Glück können wir sie schlagen", sagt Willis. In der Saison 2006 will das Team um den WM-Titel fahren. "Dabei spreche ich von den WM-Titeln für Konstrukteure und Fahrer", betonte Willis.

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