Barrichello feiert drei Rennen lang

Foto: dpa

Michael Schumachers einstiger Schattenmann Rubens Barrichello hat den Großen Preis der Türkei höchstpersönlich zu seinem Rekordrennen erklärt. Nach eigener Rechnung bestreitet der Brasilianer am Sonntag (11.5.) in Istanbul seinen 257. Formel-1-Grand Prix.

Er löst damit den Italiener Riccardo Patrese als Rekordhalter ab, der 256 Mal zwischen 1977 und 1993 gestartet war. Allerdings sehen andere Formel-1-Statistiker den 35 Jahre alten Honda-Piloten erst bei 255 Rennen. Damit hätte er den Rekord erst am 8. Juni in Montreal.

Rubens feiert brasilianisch

"Es gibt ein bisschen Verwirrung. Wenn man die Leute fragt, dann gibt es unterschiedliche Meinungen", sagte Schumachers ehemaliger Ferrari-Teamkollege. "Manche sind damit nicht zufrieden und sagen, das sei drei Rennen zu früh. Dann feiern wir halt drei Rennen lang - sehr brasilianisch!" Grund für das Durcheinander: Die Formel-1-Statistiker sind sich uneins, ab wann ein Fahrer an einem Grand Prix teilgenommen hat. So hatte Barrichello 2002 in Spanien und Frankreich jeweils in der Startaufstellung gestanden, konnte die Rennen aber nicht aufnehmen. Die einen zählen die Grand Prix dazu, andere nicht.

Unabhängig davon hat "Rubinho" schon die nächste Marke im Visier: "Ich glaube, dass noch viele Jahre in mir stecken. Vor 300 Grand Prix höre ich nicht auf!", erklärte er. Schon nach dem Rennen vor zwei Wochen in Barcelona hatte er anlässlich seines Rekordes zu einem Golfturnier geladen. Sein Arbeitgeber schenkte ihm ein PS-starkes Motorrad. Im Istanbul Speed Parc startet Barrichello mit einem Wagen in besonderer Lackierung.

Vizeweltmeister und Edelhelfer

Dank des Rekords darf der Südamerikaner nach langer Zeit wieder einmal das Rampenlicht genießen. Der zweitälteste Fahrer im Feld nach dem 37-jährigen Schotten David Coulthard hatte es in der Formel 1 nicht leicht. Nach dem Tod des legendären Ayrton Senna in Imola 1994 war Barrichello die große Hoffnung der Brasilianer. Doch weder bei Jordan noch später bei Stewart konnte er Erfolge feiern. Erst bei Ferrari ab 2000 wurde er im Schatten von Michael Schumacher zum Siegfahrer, gewann neun Grand Prix, schaffte 13 Pole Positions und wurde 2002 und 2004 jeweils Vizeweltmeister.

Barrichellos Ankündigung vor jeder Saison, so gut wie nie zuvor zu sein und diesmal Weltmeister zu werden, wurde zum ungewollten Running Gag. Tatsächlich war er ihn nie mehr als ein Edelhelfer für Rekordweltmeister Schumacher. "Alle haben immer behauptet, dass es keine Unterschiede zwischen uns gäbe, aber es war ein ungleicher Kampf", gab er kürzlich in einem Radio-Interview in Brasilien zu.

Irgendwann reichte es ihm und er bat Ende 2005 um eine vorzeitige Vertragsauflösung. Auf die Frage, was er von dem mittlerweile zurückgetretenen deutschen Superstar gelernt hat, antwortete der Brasilianer einmal: "Vor allem seinen Siegeswillen." In Sachen Ausdauer ist Barrichello nun das Maß der Dinge und steht vor Schumacher. Der Deutsche wird 249 Grand Prix in den Statistiken geführt und ist damit Nummer drei.

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