Erpressung oder Schmiergeld?

Ecclestone gesteht Zahlung an Gribkowsky

Ecclestone Startaufstellung GP Spanien 2011 Foto: xpb 52 Bilder

Bernie Ecclestone hat erstmals zugegeben, dass die Millionen auf den Konten des Ex-Bayern LB-Bankers Gerhard Gribkowsky von ihm stammen. Der Deal sollte ihm angeblich unnötigen Ärger mit den Steuerbehörden in England ersparen.

Kaum hat die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen den ehemaligen Bayern LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky erhoben, rückt nun auch Bernie Ecclestone mit der Wahrheit raus. Die Millionen, die der Banker in einer österreichischen Stiftung versteckt hatte, kamen wie von vielen vermutet aus Ecclestones Tasche.

Gegenüber dem "Daily Telegraph" gab Ecclestone zu, im Jahr 2005 insgesamt 44 Millionen US-Dollar (rund 30 Millionen Euro) über Firmen auf Mauritius und den Britischen Jungferninseln an Gribkowsky überwiesen zu haben. Das Geld sei nach Angaben des Briten allerdings kein Schmiergeld gewesen. Die Zahlung hätte angeblich nichts mit dem Verkauf der Formel 1-Rechte von der Bayerischen Landesbank an die Investmentfirma CVC zu tun gehabt.

Anwälte raten Ecclestone zur Zahlung

Als Grund für die Millionenüberweisung an Gribkowsky gab Ecclestone an, dass er sich Ärger mit dem Finanzamt ersparen wollte. Der deutsche Banker hatte offenbar gedroht, gegenüber den britischen Behörden falsche Angaben zu machen und so das Steuerprüfungsverfahren um seinen Familienfond unnötig in die Länge zu ziehen. Das Finanzamt hatte die Ecclestone-Bilanzen zuvor schon fünf Jahre lang unter die Lupe genommen.

Nach Beratung mit seinen Anwälten entschied sich Ecclestone dafür, wie bereits erwähnt die Millionensumme zu überweisen, um sich kostspieligen Ärger zu ersparen. "Die Anwälte haben mir gesagt: Die Steuerbehörden werden eine Untersuchung gegen Dich einleiten und Du musst dich verteidigen. Du würdest drei Jahre lang vor Gericht stehen und es hätte Dich ein Vermögen gekostet. Also bezahle lieber!"

Keine konkrete Erpressung durch Gribkowsky

Bei der Steuerprüfung war es um die Überschreibung seiner Formel 1-Anteile an seine damalige Frau Slavica gegangen. Um keine Erbschaftsteuer zu bezahlen, ließ der Engländer einen Offshore-Fond namens Bambino für seine Familie erstellen. Obwohl dabei alles korrekt gelaufen sei, wollte Ecclestone die Prüfung nicht durch mögliche Falschaussagen von Gribkowsky verkomplizieren.

Ecclestone sprach in diesem Zusammenhang jedoch nicht von Erpressung, obwohl sein deutscher Geschäftspartner entsprechende Andeutungen gemacht habe. "Er hat nie konkret gesagt: Wenn Du mir das nicht gibst, dann sage ich das und das. Er hat es einfach offengelassen, dass er es tun könnte oder auch nicht."

Staatsanwalt untersucht Bestechungsverdacht

Obwohl Ecclestone eine entsprechende Aussage schon im April in München gemacht hatte, will die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren gegen Gribkowsky nun den Verdacht untersuchen, ob es sich bei dem Geld nicht doch um Schmiergelder handeln könnte. Neben dem Verdacht der Bestechung wird dem Banker in dem Verfahren auch noch Steuerhinterziehung und Untreue vorgeworfen.

Gribkowsky war 2006 von der Bayern LB mit dem Verkauf der Formel 1-Rechte beauftragt worden, die der Bank zuvor unfreiwillig durch die Kirch-Pleite in die Hände gefallen waren. Nachdem die Rechte verkauft waren, erhielt Ecclestone 41,5 Millionen Dollar (28,8 Mio. Euro) auf sein privates Konto und noch einmal weitere 25 Millionen Dollar (17,3 Mio. Euro) auf das Bambino-Konto. Nach Angaben des Formel 1-Chefs habe es sich dabei nicht um Bestechungsgeld sondern um eine übliche Provision gehandelt.

"Ich haben noch nie jemanden bestochen", verteidigte sich der 80-Jährige. "Ich habe fünf Prozent für den Verkauf bekommen. Die Bayerische Landesbank hat den Verkauf und die Provision genehmigt. Das war noch günstig. Ich hätte noch mehr bekommen sollen, weil man für solche Deals normalerweise deutlich mehr berechnet. Es gab dabei keine Geheimnisse."

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