Böse Schlappe für Ferrari

Vettel fehlt eine halbe Sekunde

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Samstag - 29.9.2018 Foto: sutton-images.com 47 Bilder

Die erste Startreihe gehört den Silberpfeilen. Ferrari fehlte das ganze Wochenende eine halbe Sekunde auf die Mercedes. Jetzt rätselt die Szene, wo Ferrari plötzlich die viele Zeit liegen lässt. Der Verdacht: Ferrari hat den Rückwärtsgang eingelegt.

Es ist das Schlimmste, dass ein Rennfahrer nach einer klaren Niederlage im Training sagen kann. Sebastian Vettel sagte es: „Wir haben das maximale Potenzial von unserem Auto abgezogen. Mein Auto war in dem Moment im Q3 am besten, als es zählte. Ich war mit der Balance zufrieden. Es gab auch kein Problem. Wir waren nur zu langsam.“ Am Ende fehlten Vettel 0,556 Sekunden auf die Pole Position von Valtteri Bottas. Dieser Abstand zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Wochenende. Ferrari war immer um diese halbe Sekunden langsamer. Im zweiten Training, im dritten Training, im Q1, im Q2, in der so genannten Idealzeit aus der Addition aller Sektoren und in den Longruns am Freitag.

Die meiste Zeit verlor Vettel im dritten Sektor. Mehr als drei Zehntel. „ich hatte da einen Fehler drin. Der hat mich zwei Zehntel gekostet. Irgendwas musste ich jas probieren“, erzählte Vettel. Im Schlussabschnitt zählt Traktion. Und da kommt es auch darauf an, wie gut die Reifen noch in Schuss sind. Kimi Räikkönen klagte über Untersteuern. Ein Hinweis darauf, dass der Ferrari die Reifen mehr strapazierte als der Mercedes. Zuerst hatte man Mühe die Hinterreifen in Schuss zu halten, dann den linken Vorderreifen.

Vielleicht wäre der Rückstand noch größer ausgefallen, wäre Lewis Hamilton nicht auf Kriegsfuß mit dem zweiten Sektor gestanden. Immerhin robbte sich Ferrari am Samstag im Topspeed etwas an die WM-Gegner heran. Das Defizit betrug nicht mehr 8,6 km/h, sondern nur noch 1,9 km/h. Es war nicht überall schlecht. In den Kurven 13 und 14 machte Vettel Zeit auf die Mercedes gut. In Kurve 6 und Kurve 17 ging sie wieder verloren. „In der vorletzten Kurve hat mir Valtteri eineinhalb Zehntel eingeschenkt.“

Der Abwärtstrend begann in Singapur

Das Trainingsergebnis von Sotschi ist in seiner Deutlichkeit überraschend. Doch ein Trend deutete sich schon in Singapur an. „Da waren wir zumindest im Rennen langsamer als die Mercedes“, gibt Vettel zu. Doch was ist seit Singapur passiert, das die Ferrari so einbremsen könnte? Mercedes hat in den letzten vier Rennen drei Aero-Upgrades gebracht. „Die haben das Auto schneller gemacht, doch jedesmal lag der Fortschritt bei weniger als einem Zehntel“, erklären die Ingenieure.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Samstag - 29.9.2018 Foto: xpb
Ferrari verliert bislang in jeder Session eine halbe Sekunde auf Mercedes.

Der Mercedes ist auch nicht plötzlich ein Traktionswunder oder ein Reifenstreichler geworden. „Wir haben aus unseren Fehler gelernt und die Abstimmung verfeinert. Es gab aber keinen großen konstruktiven Eingriff wie eine neue Aufhängung“, heißt es bei Mercedes. Ihre Analyse der Dinge: Der Mercedes ist ein bisschen schneller geworden, der Ferrari aber hat an Speed verloren. Und stolpert als Folge dessen von einer Verlegenheitslösung in die nächste.

So packte Ferrari am Freitagabend den neuen Heckflügel wieder ein und tauschte ihn gegen ein älteres Modell mit mehr Anpressdruck, ließ aber andere neue Teile am Auto. Das tut man nur, wenn man tief im Wald steckt oder die Reifen schützen muss. Letzteres war der Fall. „Wir haben die Reifen besser über die Runde gebracht“, räumte Vettel ein. Mercedes war sich beim Heckflügel auch nicht sicher, fuhr aber am Freitag Vergleichstests und entschied sich für die Variante mit weniger Abtrieb. Ferrari zauberte sein Ersatzteil aus dem Hut, ohne dass vorher damit in Sotschi gefahren worden wäre.

Wo ist die geheimnisvolle Power-Explosion?

Der größte Unterschied aber ist ein rätselhafter Power-Verlust bei Ferrari. Die wundersame Leistungsexplosion in dem Moment, in dem der Vortrieb nicht mehr durch die Traktion, sondern rein von der Motorleistung bestimmt wird, ist seit dem GP Singapur verschwunden. „Das sehen wir ganz klar an unseren GPS-Messungen“, verrät Renault-Teamchef Cyril Abiteboul. Deshalb gewinnt Ferrari auch keine Zeit mehr auf den Geraden. Mercedes-Motorenchef Andy Cowell stellt dennoch klar: „Sie haben aber immer noch richtig Power im zweiten Drittel der Gerade.“ Vettel kann das Gerede vom dominanten Auto und dominanten Motor nicht mehr hören. „Sind wir mal ehrlich: Zwischen Mercedes und Ferrari ging es immer eng her. Mal waren die vorn, mal wir. Aber nie mit dem Abstand wie heute.“

Kann Ferrari trotz der Trainingsniederlage im Rennen noch auf ein Wunder hoffen? Vettel hofft, dass er beim Start diesmal den Spieß umdrehen kann. Im letzten Jahr stand er auf der Pole Position und Bottas schlich sich in seinem Windschatten auf dem 1.029 Meter langen Spurt in die erste Kurve an um dann in Führung zu gehen. „Wir könnten es diesmal umgekehrt machen“, scherzte Vettel mit dem Finnen. Von der Taktik hat Ferrari nicht viele Optionen. Beide Ferrari und beide Mercedes starten auf Ultrasoft-Reifen. Da die mittlere Reifenmischung weniger stark einbricht als der Hypersoft-Gummi, ist auch der Undercut zum Soft-Reifen nicht mehr so mächtig. Ein Mercedes-Stratege meint: „An Stelle von Ferrari hätte ich ein Auto mit Hypersoft-Reifen qualifizieren lassen. Nach hinten ist Luft. Sie haben nichts zu verlieren.“

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