Valtteri Bottas - Mercedes - GP Frankreich 2021 - Paul Ricard xpb
Lance Stroll - Aston Martin - Formel 1 - GP Frankreich - 17. Juni 2021
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Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich - 17. Juni 2021 51 Bilder

Bottas-Abgang, Russell-Aufstieg nicht beschlossen

Bottas beklagt „Klick“-Stories Russell-Wechsel noch nicht beschlossen

GP Frankreich

Valtteri Bottas hat einen schweren Stand. Der WM-Zug ist für ihn bereits abgefahren. Dazu kommen Medien-Berichte, die seinen Abgang bei Mercedes als beschlossene Sache vermelden. An seiner Stelle steige George Russell 2022 zu Mercedes auf. Die betroffenen Teams wollen davon nichts wissen.

Es spricht Vieles dafür, dass 2021 die fünfte und letzte Saison für Valtteri Bottas bei Mercedes ist. Der Finne hat es bislang in keinem Jahr geschafft, Abonnement-Weltmeister Lewis Hamilton mit gleichem Material herauszufordern. Während der Teamkollege Sieg um Sieg anhäuft, hat der Finne erst neun Mal im Mercedes gewonnen. 2021 noch überhaupt nicht.

Bottas kann sich nicht aus dem Schatten des Superstars lösen. Und mit George Russell scharrt ein Supertalent bereits mit den Hufen, das Mercedes seit 2019 bei Kunde Williams parkt. Der junge Engländer hat zwar in 43 Rennen mit seinem Team nicht einen WM-Punkt gesammelt. Nur bei seinem einzigen Auftritt im Silberpfeil gab es etwas Zählbares. Russell glänzt vor allem in der Qualifikation. Dort kann er die Defizite des Williams mit fahrerischer Klasse kaschieren. In 43 Vergleichen bei Williams mit seinen Teamkollegen hat er immer noch eine weiße Weste.

Hinzu kommt, dass Bottas auch im einzigen direkten Vergleich mit dem Youngster schlecht aussah. In Bahrain 2020 hatte Russell den an Corona erkrankten Hamilton ersetzt und in einem für ihn unbekannten Auto, das nicht auf seine (körperlichen) Bedürfnisse zugeschnitten ist, fast den Sieg eingefahren. Ein Malheur beim Boxenstopp und ein defekter Reifen hinderten ihn daran.

George Russell - Williams - GP Frankreich 2021 - Paul Ricard
xpb
George Russell werden beste Chancen nachgesagt, 2022 ein Mercedes-Werksfahrer zu sein.

Medienberichte über Cockpitverlust

Für Bottas will es 2021 überhaupt nicht laufen. In sechs Rennen kletterte er nur drei Mal auf das Podest. Kein Sieg, dafür drei Nullrunden und nur 47 Punkte. Der WM-Zug ist bereits ohne den Finnen abgefahren. Wieder einmal. An den Leistungen allein liegt es nicht. Man muss dem Blondschopf auch zugestehen, Pech gehabt zu haben.

In Portugal bremste ihn der Motor für zwei Runden, weshalb er Max Verstappen nicht mehr den zweiten Platz abjagen konnte. In Monte Carlo verlor er einen sicheren zweiten Rang, weil sich beim Boxenstopp ein Rad nicht löste. Den Unfall mit Russell in Imola muss er sich mindestens zu 50 Prozent selbst ankreiden. Ein Mercedes darf nicht gegen einen Williams kämpfen. In Summe ist Bottas ein sehr guter Rennfahrer, aber eben kein Überflieger, wie es ein Hamilton ist. Und Experten es Russell zutrauen, einer zu werden.

Der schwache Auftritt von Baku, wo Bottas mit fehlenden Reifentemperaturen kein Vertrauen ins Auto aufbaute, befeuerte die Gerüchteküche. Manche Medien senkten bereits das Fallbeil. Sie berichteten vor dem GP Frankreich, Mercedes habe seinem Fahrer mitgeteilt, für 2022 nicht mehr mit ihm zu planen. Stattdessen, so die Medienberichte aus Italien und Deutschland, erhalte Russell den Sitz neben Hamilton.

Bottas sauer auf Kündigungsmeldungen

Selbstredend wurde Bottas im Vorfeld des siebten Saisonrennens auf die Vollzugsmeldungen angesprochen. "Ich kann nicht bestätigen, dass jemand im Team zu mir kam und gesagt hat, ich sei für nächstes Jahr raus. Es sind jede Saison die gleichen Fragen, immer dieselben Störgeräusche. Diese Stories werden geschrieben, um Klicks zu machen", führt der WM-Sechste aus. "Es haben bislang keine Gespräche zwischen Toto und mir stattgefunden. Die werden irgendwann kommen. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf den bevorstehenden Triple-Header in Frankreich und Österreich."

Eine ähnliche Antwort erhält man auch aus dem Team. Die Geschichten handeln fernab der Realität, heißt es da. Es gäbe einen Fahrplan für Gespräche, doch den werde Mercedes nicht öffentlich machen. Sonst würde man sich unnötigen Druck aufhalsen. Auch von Williams ist zu hören, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff noch nicht das Gespräch gesucht habe. Andererseits gibt sich der Rennstall aus Grove keinen Illusionen hin. Wann, wenn nicht für 2022, soll Mercedes seinen Hoffnungsträger ins Werksteam hochziehen?

Williams hofft zwar, mit dem Reglementswechsel 2022 aus den Niederungen des Feldes aufzusteigen. Jedoch werde man Russell kein Topauto hinstellen können. Williams muss erst die Strukturen schaffen, bei den Werkzeugen aufrüsten, um wieder oben angreifen zu können. Das braucht Zeit. Ob man Russell so lange vertrösten kann? Es mag Teams geben, die ihn mit Handkuss verpflichten würden. Das Problem: Sie könnten mit ihm kein langfristiges Projekt aufbauen, solange Mercedes das Zugriffsrecht hält. Das Weltmeisterteam selbst wird einen der Stars der Zukunft nicht einfach abgeben.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Frankreich - 17. Juni 2021
ams
Der Weltmeister ist für 2022 in einer guten Verhandlungsposition.

Mercedes braucht Hamilton-Russell

Der Engländer selbst will sich an den Spekulationen um seine Person nicht öffentlich beteiligen. "Ich weiß, was geredet wird. Im Moment genieße ich es einfach zu fahren. Und irgendwie kann es ja auch aufregend sein, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt." Allzu lange will Russell aber nicht hingehalten werden. "Die Sommerpause sollte ein guter Moment sein, die Zukunft klarzuziehen." Die startet Anfang August nach dem Grand Prix von Ungarn.

Man muss kein Prophet sein für die These, dass Russell die wahrscheinlichste Option für Mercedes 2022 neben Hamilton ist. Oder anders: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Medien falsch liegen, obwohl noch nichts beschlossen ist (laut der betroffenen Teams), geht gegen Null. Im Prinzip lässt die Konkurrenz den Silberpfeilen keine andere Wahl, als Russell hochzuziehen, wenn Bottas nicht plötzlich über sich hinauswachsen sollte.

Man sieht es bereits in dieser Saison. Red Bull hat mit Sergio Perez einen verlässlichen zweiten Fahrer angeheuert – und schon führt das Team die Konstrukteurswertung an, weil Bottas schwächelt. Deshalb hat Mercedes eigentlich auch keine andere Wahl, als mit Hamilton zu verlängern. Der Vertrag des Weltmeisters läuft bereits am Saisonende aus. Mercedes wird seinen Superstar brauchen, um die Titeljagd fortzusetzen. Gut für seine Verhandlungsposition. Und einen Russell, der ihn antreibt, ihm einheizt und eine neue Dynamik unter den Fahrern schafft. In diesem Fall hat Bottas kaum Optionen. Williams wäre im Gegenzug ein Landeplatz, auch wenn die Fallhöhe groß wäre. Vom Weltmeisterteam zum Hinterbänkler.

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