Bottas der perfekte Bodyguard

"Erwarte nichts zurück vom Team"

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Russland 2018 Foto: Wilhelm 21 Bilder

Valtteri Bottas hätte den GP Russland aus eigener Kraft gewonnen. Doch er durfte nicht. Stattdessen spielte er mal wieder den Leibwächter von Teamkapitän Lewis Hamilton. Der Finne trug die Stallregie gegen ihn mit Fassung.

Es ist eine der härtesten Situationen, die ein Rennfahrer durchleben kann. Valtteri Bottas hatte den GP Russland im Griff. Er hatte den Sieg vor Augen. Der Finne pirschte sich gerade an Max Verstappen heran, der ohne Reifenwechsel führte, als ihn zu seiner Überraschung der Kommandostand zurückpfiff.

„Der ausgegebene Plan war eigentlich, dass ich über Verstappen herfalle“, führte Bottas aus. „Und ich glaube, ich hätte ihn auch gepackt. Ich war schnell genug dafür. Doch plötzlich sollte ich mich hinter Lewis fallen lassen. Dieser Funksprach war verwirrend. Ein solches Szenario hatten wir vor dem Rennen nicht durchgespielt. Das hätten wir aber auch nicht können.“ Bottas bezog sich auf die Blase, die sich unerwartet auf dem linken Hinterreifen von Lewis Hamiltons Mercedes gebildet hatte.

Bottas unterstützt Hamilton mehrmals

Sie zwang die Mercedes-Strategen zum Umdenken. Das Weltmeister-Team fürchtete, Vettel würde an Hamilton vorbeiziehen können. Und sie fürchteten, ihr Star würde sich die Reifen bei der Verteidigung noch mehr ruinieren, was ihn in einen weiteren Stopp zwingen könnte. Mercedes betätigte die Notbremse. Mal wieder zweckentfremdete man Bottas. Wie schon in Ungarn. Damals schirmte der Finne seinen Teamkollegen fast das ganze Rennen gegen die schnelleren Ferraris ab.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Russland 2018 - Sotschi - Rennen Foto: Wilhelm
Bottas schirmte Hamilton mal wieder perfekt gegen Vettel ab.

Das Rennfahrerherz schmerzte. Doch Bottas zeigte Verständnis für die Entscheidung seines Teams. „Lewis kämpft um die Weltmeisterschaft. Für mich geht es nur um Einzelsiege. Das habe ich mir in gewisser Weise selbst zuzuschreiben, weil die Ergebnisse zuvor ausblieben. Es überwiegt das Teaminteresse. Es war eine schwierige Entscheidung für das Team.“ Nicht nur in der 25. Runde half der 29-Jährige seinem Garagennachbar. Auch am Start und nach den ersten Boxenstopps rettete Bottas Hamilton.

Am Start spendete das Auto mit der Nummer 77 dem Rennwagen mit der 44 Windschatten, um Vettels Attacke abzuwehren. Nachdem der Ferrari über einen Undercut an Hamilton vorbeigerutscht war, ließ ihn Bottas auflaufen. „Ich nahm erst Tempo raus, bis Lewis wieder an Sebastian dran war. Im letzten Sektor gab ich wieder Gas, um Vettel aus dem DRS-Fenster zu treiben. Das hat geklappt.“

Die Situation zeigt, was für ein Teamplayer der Finne ist. Er hätte nach den Boxenstopps auch ganz egoistisch davon ziehen können. Ohne seine Hilfe wäre es Hamilton schwerer gefallen, den zweiten Platz zurück zu erobern. Und mit Vettel als Puffer hätte Mercedes nicht zu einer Stallregie greifen können.

Nicht an Stallregie erinnern

Teamplay statt Ego-Trip: Bottas schirmte Hamilton ab, damit der Engländer die Reifentemperaturen wieder in den Griff bekommen kann. Bottas nahm dem Titelverteidiger, der hinter Verstappen hing, den Druck von den Schultern. Als der Niederländer in die Box abbog, erhöhten die Mercedes das Tempo. Vettels Rückstand kletterte von 3,4 Sekunden in Runde 44 auf 7,5 Sekunden bis ins Ziel.

Bottas, der die schnellste Rennrunde fuhr, machte mit Worten klar, dass er der schnellste Mann in Sotschi war. „Es fühlte sich an, als ob ich cruisen würde. Der Motor lief im Schonbetrieb. Und trotzdem war ich schnell. Ich hatte hinter Lewis noch reichlich Reserven.“

Der neue WM-Dritte erwartet nach Erfüllung seiner Pflicht keine Gegenleistung von Mercedes. „Ich habe meinen Teil beigetragen. Ich will nichts zurück. Ich will nur Siege, die ich mir selbst erarbeite.“ Bottas will das Positive aus dem Wochenende mitnehmen. „Unter gleichen Bedingungen hätte ich gewonnen. Ich darf mich nicht an die Stallregie zurückerinnern, sondern an meine starke Performance im Qualifying und Rennen.“

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