Valtteri Bottas - Mercedes - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen sutton-images.com
Startaufstellung - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen
Ross Brawn - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen
Jean Todt - Chase Carey - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen
Helmut Marko - Chase Carey - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen 63 Bilder

Bottas gegen Vettel

So gewann Mercedes gegen Ferrari in Österreich

Am Samstag duellierten sie sich um die Pole-Position, am Sonntag um den Rennsieg. Valtteri Bottas behielt beides Mal die Oberhand gegen Sebastian Vettel. Die Schlüssel: ein Raketenstart, ein starker erster Rennabschnitt und Nerven aus Stahl.

Niki Lauda hatte Bammel vor dem Start. Dabei hätte sich der Mercedes-Außenminister keine Sorgen machen müssen. Als um kurz nach 14 Uhr in Österreich die fünf roten Lichter der Startampel erloschen waren, schoss der Mercedes W08 mit der Startnummer 77 wie ein Pfeil aus der Startbox.

„Es war der beste Start meines Lebens“, berichtete Valtteri Bottas, nachdem er den GP Österreich gewonnen hatte. Acht Meter nach hinten rechts von ihm versetzt, glaubte Sebastian Vettel an einen Frühstart. „Ich war mir todsicher. Sein Blitzstart hat mich ein bisschen abgelenkt, deshalb kam ich selber etwas später vom Fleck und hatte einen durchschnittlichen Start.“ Auf den TV-Monitoren flackerten nur kurze Zeit später die Reaktionszeiten der beiden Piloten auf. Bottas soll seinen Mercedes in nur 0,201 Sekunden angeworfen haben. Vettel in 0,369 Sekunden.

Bottas innerhalb der Toleranz

Der Ferrari-Star berichtete seinem Team über Funk, dass Bottas zu früh losgefahren sein muss. Die Rennleitung untersuchte. Und kam eine gute halbe Stunde nach dem Beginn zum Urteil, dass sich Bottas innerhalb der Toleranz bewegte, die das Regelwerk erlaubt, wenn ein Auto noch bei Rot anrollt. Deshalb sah man von einer Bestrafung ab.

GP Österreich 2017 - Spielberg - Start - Rennen
Aktuell

Weil die Mercedes-Strategen sich bis dahin allerdings nicht sicher sein konnten, straffrei davon zu kommen, forderten sie ihren Piloten auf, Vollgas zu geben. Bottas sollte eine Lücke von 14,5 Sekunden auf Romain Grosjean und die beiden Force India herausarbeiten, um im Falle einer Strafe vor dem Trio zu bleiben. Eine Durchfahrtsstrafe dauert auf dem Red Bull-Ring ungefähr diese Zeitspanne.

Positiver Nebeneffekt: Ohne auf die Reifen achten zu müssen, eilte Bottas seinem Verfolger davon. „Wir waren auf den Ultrasoft-Reifen besser als Ferrari. Als wir genügend Vorsprung auf Grosjean hatten, haben wir Valtteri gesagt, er soll den Abstand von fünf Sekunden auf Vettel halten. Er baute ihn aber aus. Weil er sich einfach wohlfühlte auf dem Ultrasoft“, berichteten die Mercedes-Ingenieure. „Ich habe auf den Ultrasofts mit der Balance gekämpft, und hatte Schwierigkeiten, das Auto richtig zu fühlen“, bedauerte dagegen Vettel. Bis zu dessen einzigem Reifenwechsel in der 34. Runde war Bottas schon um über sieben Sekunden davon gebraust.

Ferrari besser auf Supersoft

Das Kräfteverhältnis drehte sich im zweiten Rennabschnitt. Der Ferrari SF70-H harmonierte bestens mit den Supersoft-Reifen. „Plötzlich war Leben im Auto.“ Ein paar Sekunden holte Vettel durch den früheren Stopp auf. Mercedes entschied sich dazu, den Führenden erst in der 41. Runde mit den rotmarkierten Pirellis zu bestücken. „Wir wollten vor Kimi Räikkönen bleiben. Er lag ungefähr 20 Sekunden hinter uns. Wir brauchten ein bisschen mehr. Aber seine Rundenzeiten waren ungefähr so schnell wie die von Valtteri.“ Der Finne harrte so lange auf dem ersten Reifensatz aus wie nur möglich. „Ich konnte konstant schnell fahren. Zum Schluss hatte ich aber keinen Saft mehr drin. Ich musste reinkommen. Das habe ich den Jungs gesagt.“

Mercedes hatte kurz überlegt, seinen Sieganwärter für den zweiten Teil mit der Softmischung auszurüsten. Man hatte einen frischen Satz für das Rennen aufgespart. Die Strategen verwarfen den Plan. „Vettel und Ricciardo waren unsere direkten Gegner. Beide wählten Supersoft. Das diktierte unsere Entscheidung.“ Bottas kam 1,6 Sekunden hinter seinem Landsmann auf die Strecke. Es dauerte nicht lange und er brauste mit DRS vor der vierten Kurve an Räikkönen vorbei. Das war in der 44. Runde. Wenige Kilometer später bog der Ferrari mit der Startnummer 7 ab. Das Duell Bottas gegen Vettel war angerichtet.

Die Reifen spielten die Hauptrolle. Während der Ferrari pfleglicher mit dem schwarzen Gold umging, schlitterte Mercedes in Schwierigkeiten. Auf dem linken Hinterreifen bildeten sich Blasen. „Das Streckenlayout lässt die Hinterreifen verschleißen. Es braucht Traktion hier. Dazu kamen die hohen Asphalttemperaturen. All das fördert Blasenbildung. Die Teams konnten nach den Longruns vom Freitag nicht wissen, was mit den Reifen nach 30 Runden am Stück passiert“, berichtete Pirelli-Rennleiter Mario Isola. Bottas schilderte: „Ich konnte nur die ersten drei Runden richtig Gas geben. Danach spürte ich, dass mit dem linken Hinterreifen etwas nicht stimmte. Es wurde immer schlimmer in den Rechtskurven. Es fiel mir richtig schwer, dass Auto in die Kurve zu bringen.“

Erinnerungen an den GP Russland

Vettel schloss die Lücke. Es erinnerte an den GP Russland, als Vettel ebenfalls zum großen Schlussspurt ausgeholt hatte, und Bottas um den Sieg zittern musste. Zwei Runden vor Schluss durfte der WM-Führende erstmals den Flap des Heckflügels umklappen. Für eine echte Attacke reichte es aber nicht. „Ich musste perfekt fahren, jeden Brems-, Scheitelpunkt und Kurvenausgang treffen.“ Im Ziel trennten das rote und silberne Auto nur 0,658 Sekunden nach über 1:21 Stunden Fahrzeit. „Ich bin acht Meter hinter ihm gestartet und nur so knapp hinter ihm angekommen. Im Prinzip waren unsere Autos gleichschnell“, meinte Vettel, der sich über den verlorenen Sieg ärgerte. „Eine Runde mehr und ich hätte ihn gepackt.“ Wie sieht es der Sieger? „Ich bin froh, dass es nicht noch eine Runde länger ging.“ Der zweite Karrieresieg rundete ein perfektes Wochenende ab.

Motorsport Aktuell Mercedes - GP England 2017 Warum war Mercedes in Silverstone so schnell? Perfektes Terrain für Silberpfeil

Mercedes zerstörte in Silverstone die Konkurrenz.

Mehr zum Thema GP Österreich (Formel 1)
Start - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019
Aktuell
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 29. Juni 2019
Aktuell
Leclerc vs. Verstappen - GP Österreich 2019
Aktuell