Valtteri Bottas - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza xpb
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Bottas ratlos nach Monza-Pleite

Auf Kriegsfuß mit Rechtskurven

Valtteri Botts verkürzte zwar in Monza den Abstand zu Lewis Hamilton um drei Punkte. Trotzdem verließ er den Speed-Tempel als einer der großen Verlierer. Weil eigentlich er gewinnen müsste, wenn der übermächtige Teamkollege mal stolpert.

Der Rennsonntag begann für Valtteri Bottas mit einer Schrecksekunde und endete in einer Enttäuschung. Ein fünfter Platz in einem Mercedes genügt den eigenen Ansprüchen nicht. Selbst wenn der Teamkollege zwei Positionen dahinter landet. Doch im Gegensatz zu Bottas warf Lewis Hamilton eine Stop-and-Go-Strafe zurück. Sie kostete ihn den sicheren Sieg. Hamilton wurde ans Ende des Feldes zurückgereicht. Elf Plätze und 24,5 Sekunden hinter den Teamkollegen.

24 Runden später sah Hamilton die Zielflagge nur zehn Sekunden hinter Bottas, überholte dabei acht Autos und sicherte sich sogar noch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde. Das nennt man Schadensbegrenzung. "Die Aufholjagd war sehr gut, auf einer Strecke, auf der man schwer überholen kann, ohne den Extra-Boost des Motors", lobte Teamchef Toto Wolff. Seit Monza dürfen die Fahrer im Rennen nicht den Motor-Modus wechseln.

Bottas schob sich hingegen lediglich an Landsmann Kimi Räikkönen vorbei. Und fuhr danach 17 Runden lang wie ein zahnloser Tiger hinter dem McLaren von Lando Norris. Der WM-Zweite konnte sich die Pleite nur mit einem angeschlagenen Auto erklären. "Ich konnte in den Rechtskurven keinem Auto folgen. Deshalb kam ich nie dicht genug heran."

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
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Starts sind in dieser Saison eine Schwäche von Valtteri Bottas.

Bottas mit Horror-Start

Ingenieure und Mechaniker entdeckten bei einem ersten Blitzcheck nach dem Rennen keine offensichtlichen Schäden. Das hatten sie auch nicht in der Startaufstellung, nachdem Bottas in den Erkundungsrunden vor dem Rennstart heftig über einen Abweiser in der Auslaufzone der zweiten Schikane gerumpelt war. "Die Vorderreifen haben blockiert. Die Aerodynamik war beim Blick auf die Teile nicht beschädigt", berichtete der 31-Jährige.

Wieder missglückte dem Finne ein Start. Schon in Ungarn und Spanien wurde Bottas auf den ersten hundert Metern durchgereicht. Diesmal stimmte die Reaktionszeit nicht. Bottas führte es auf neue Protokolle und Vorbereitungen zurück, die eigentlich einen besseren Start garantieren sollten. Das Gegenteil war der Fall. Carlos Sainz fuhr mühelos an ihm vorbei. "Ich habe nicht schnell genug reagiert, als die Lichter erloschen. Irgendwie war ich durch die neuen Prozedere abgelenkt. Der Start an sich war gut, als die Kupplung einrastete. Kein Schlupf, keine durchdrehenden Räder."

Es war der Auftakt für eine Horror-Runde, die ihn von Platz zwei auf sechs zurückwarf. Bottas rätselte, ob sein Mercedes W11 in der Startrunde durch ein paar kleinere Berührungen mit Lando Norris verwundet wurde. Jedenfalls erkannte er sein Auto nicht wieder. In den Lesmos wollte der schwarze Rennwagen mit den Sternen auf der Verkleidung gar nicht einlenken. Sergio Perez schlüpfte auf der Innenseite durch, während Bottas in der verwirbelten Luft direkt hinter Norris untersteuernd über den Randstein ausgangs Lesmo 2 ratterte. Vor der Ascari-Schikane rutschte ihm noch Daniel Ricciardo durch.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
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Im Rennen kam Bottas nicht voran. Lando Norris war für ihn nicht zu überwinden.

Was war mit dem Mercedes?

Das Leid war so groß, dass Bottas einen Reifenschaden vermutete. "Deshalb bin ich vor Ascari früher vom Gas." Als sich der Verdacht in den Daten nicht bestätigte, glaubte der Mercedes-Fahrer an einen kaputten Frontflügel. Doch auch hierfür gab es in der Telemetrie keine Anzeichen.

Bottas rätselte und kämpfte mit einem störrischen Mercedes. "Ich hatte in Rechtskurven kein Gefühl für das Auto. Es hat untersteuert und ist nur gerutscht." Pech für ihn, dass in Monza sieben von elf Kurven rechts herum führen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprang seinem Schützling bei. "Das Auto wollte einfach nicht einbiegen in Rechtskurven. Es muss etwas faul gewesen sein, sonst spricht der Fahrer nicht von einem Plattfuß, wenn es gar keinen gibt."

Auch zwei Tage nach dem Rennen war die Analyse nicht abgeschlossen. Fortführende Untersuchungen ergaben keine offensichtlichen Verletzungen oder Brüche am Mercedes. Bottas und die Ingenieure brüteten weiter über den tausenden Datensätzen, um Unstimmigkeiten auszumachen, die der Fahrer im Cockpit spürte, aber nicht näher bestimmen konnte. Nur die Kühlprobleme waren offensichtlich. Im Verkehr kletterten die Motortemperaturen stärker als in freier Fahrt. Daran hatte Bottas gehörigen Anteil wegen seines verpatzten Starts.

Deshalb musste er aus dem Windschatten der Vordermänner ausscheren und vor den Kurven oft früher vom Gas. Das Hinrollen nennt sich Lift and Coast im Formel-1-Sprech. "Wir waren mit der Kühlung am Limit", gestand Wolff. Das Problem verfolgte Bottas das ganze Rennen. Wenig hilfreich war auch, dass Mercedes die Autos auf mehr Abtrieb eingestellt hatte.

Es war Bottas anzusehen, dass diese Saison, die einfach nicht zu seinen Gunsten verlaufen will, an ihm nagt. Seit dem Auftakt will es nicht mehr klappen mit den Erfolgsmomenten. Der Rückstand von 47 Punkten bei noch neun ausstehenden Rennen sind eigentlich eine zu große Hypothek, um Hamilton wirklich noch den Titel streitig machen zu können.

Ausrutscher des Weltmeisters sind so selten wie Siege von Alpha Tauri. Wenn sie schon mal passieren, muss man maximalen Nutzen daraus ziehen. Im Fall von Bottas wären das 26 Punkte in Monza gewesen statt derer zehn. "Ob ich Zweiter oder Dritter werde in der Weltmeisterschaft ist mir egal. Mir ist bewusst: Wenn ich die WM offen gestalten möchte, muss ich in größeren Schritten aufholen."

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