Valtteri Bottas - GP Australien 2019 Motorsport Images

Der beste Bottas aller Zeiten

Ein "Fuck-You" an alle Kritiker

Valtteri Bottas zeigte sich in Melbourne von einer ganz neuen Seite. Nicht nur fahrerisch glänzte der Mercedes-Pilot, auch persönlich gewann er an Profil. Nach dem Sieg schickte der Finne in Melbourne deftige Grüße an seine Kritiker.

Wer vor dem Saisonstart in Melbourne auf Valtteri Bottas als Sieger gesetzt hatte, ist für jeden Euro Einsatz 25 Euro reicher geworden. Beim nächsten Grand Prix werden die Buchmacher wohl nicht mehr ganz so gute Quoten anbieten. Der Bottas, den wir in Australien gesehen haben, ist nämlich nicht der gleiche Bottas, der im Vorjahr kein einziges Rennen gewinnen konnte.

„2008 bekam ich einen Anruf von einem jungen Rennfahrer, der mich um ein Treffen gebeten hat“, erinnert sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Es war ein verschneiter Tag in Wien und dieser finnische Junge kam im Pulli ohne Jacke und hat mich um Rat gefragt. Dieser Junge hat dann anschließend den Formel Renault Eurocup gegen starke Konkurrenten wie Vergne, Ricciardo oder Merhi dominiert. Manchmal hat er fast das ganze Feld überrundet. Und diesen Valtteri habe ich gestern und heute hier wieder gesehen.“

Die Frage, warum dieser echte Valtteri Bottas sich nicht schon früher gezeigt hat, konnte Wolff aber auch nicht beantworten. Der Österreicher hat aber eine Vermutung: „Vielleicht musste Valtteri die Jahre bei Williams und dann die Schock-Beförderung zu Mercedes erst einmal verdauen. Am Ende des letzten Jahres verabschiedete er sich erschöpft in die Winterpause. Und zurückgekommen ist er als der junge Mann von 2008.“

Valtteri Bottas - GP Australien 2019
Motorsport Images
In der Auslaufrunde musste Valtteri Bottas offenbar noch etwas loswerden.

Robottas mit Software-Upgrade

Nicht nur fahrerisch zeigte sich der 29-Jährige verbessert. Auch in Sachen Einstellung und Selbstvertrauen scheint sich etwas getan zu haben. Bottas, der wegen seiner nüchternen Aussagen auch gerne mal als „Robottas“ verspottet wird, gab sich schon bei den Wintertests verbal deutlich angriffslustiger. Als hätte man dem „Robottas“ eine neue Software-Version aufgespielt.

In Australien überraschte der sonst so ruhige Nordeuropäer nach dem Zielstrich mit einem deftigen Funkspruch in Richtung seiner Kritiker. „Fuck you… to whom it may concern“, brach es aus dem Piloten heraus, was sich frei übersetzen lässt mit: „An alle, die es betrifft… leckt mich am Arsch!“

Der Funkspruch wurde nicht im sogenannten Worldfeed, also der Übertragung für alle TV-Stationen, eingebaut. Nur die Abonnenten der offiziellen Formel-1-Streamingplattform, die in der Onboard-Perspektive allen Piloten folgen können, bekamen die Aussage live übermittelt.

„Das war kein geplantes Statement von mir“, kommentierte der Pilot später die Situation. Eine Erklärung, an wen der Spruch genau gerichtet war, gab es nicht. Nur so viel: „Diejenigen, die ich meine, werden sich schon angesprochen fühlen. Es handelt sich eine lange Liste an Leuten. Es gibt viele Leute, die mich unterstützen. Aber in schlechten Zeiten gibt es auch viel Negatives.“ Bottas dementierte aber, dass er die Kritik in der vergangenen Saison als unfair empfand: „Jeder darf ja sagen, was er will.“

Valtteri Bottas - GP Australien 2019
Wilhelm
Nach dem sieglosen Jahr 2018 begann die neue Saison gleich mit einem Erfolg.

Bottas in Melbourne in eigener Liga

Die Verbal-Attacke hätte es am Ende aber gar nicht gebraucht. Mit seiner Leistung in Australien ließ Bottas die Kritiker von alleine verstummen. Der Blondschopf hatte Teamkollege Lewis Hamilton schon im Qualifying fast den Schneid abgekauft. Am Start machte er dann kurzen Prozess mit dem Weltmeister. In den 58 Runden bis ins Ziel ließ er nichts mehr anbrennen. Bottas fuhr in einer eigenen Liga.

Zwei Umläufe vor Schluss hatte er sogar noch die Muße, die schnellste Rennrunde zu attackieren. Der neue Bottas war nicht zufrieden mit 25 Punkten, stattdessen funkte er Richtung Kommandostand, dass er gerne 26 Zähler hätte: „Die Lücke nach hinten war ja groß genug. Ich bin etwas im Verkehr festgesteckt und musste mich absichtlich etwas zurückfallen lassen. Dann habe ich die Motoreinstellungen zwei Stufen hochgedreht und Gas gegeben. Jetzt bin ich froh, dass ich einen Punkt mehr habe.“

Der Sieg, den Bottas dem verstorbenen Rennleiter Charlie Whiting widmete, sei etwas ganz Besonderes. „Es ist ja insgesamt erst mein vierter Sieg“, schmunzelte der Pilot. „Und nachdem es 2018 gar nicht geklappt hat, bin ich heute natürlich sehr zufrieden. Es war das beste Rennen meiner Karriere. Im Gegensatz zur vergangenen Saison habe ich dieses Mal den perfekten Start erwischt. Jetzt muss ich nur noch sicherstellen, dass es so weitergeht.“ Die Konkurrenz sollte nicht den Fehler machen, diesen neuen Bottas zu unterschätzen.

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