Boxenstopp-Drama bei HaasF1

Zwei Mal menschliches Versagen

Romain Grosjean - HaasF1 - GP Australien 2018 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Kevin Magnussen und Romain Grosjean hatten die Plätze 4 und 5 vor Augen, als beiden das gleiche Missgeschick beim Boxenstopp passierte. Zwei lose Räder beendeten ein Rennen, in dem für HaasF1 22 Punkte auf dem Tisch lagen.

Die Sensation ist Wirklichkeit. Nach den Testfahrten hatten noch viele gezweifelt, an eine gute Show mit wenig Sprit an Bord geglaubt. Selbst die Startplätze 5 und 6 überzeugten noch nicht alle Kritiker. Doch jetzt ist es amtlich. HaasF1 hat das viertschnellste Auto im Feld. Im Renntrimm noch mehr als auf eine Runde. Melbourne war auch keine Eintagsfliege. Die US-Renner sind auf allen Reifen unter allen Bedingungen schnell.

Kevin Magnussen und Romain Grosjean waren auf dem Weg zu 22 WM-Punkten, als das Schicksal zuschlug. Zuerst bei Magnussen und zwei Runden später auch bei Grosjean. Ihr Pech war Sebastian Vettels Glück. Beide HaasF1 stoppten mit lockeren Rädern. Der eine hinten links, der andere vorne links.

Beide Male saß die Radmutter verkantet auf dem Gewinde. Beide Male lag der Fehler beim Mensch. Beide Male erkannte der betreffende Mechaniker vor Abfahrt des Autos das Problem an der Markierung der Radmutter. Doch wenn der Schlagschrauber einmal abgezogen ist, gibt es kein Zurück mehr. Dann schaltet die Ampel automatisch auf Grün.

10.000 Euro Strafe für HaasF1

An der Technik lag es nicht. „Schlagschrauber, Radmuttern, Radsicherung und Radnabe sind praktisch identisch zum Vorjahr“, bestätigt Teamchef Guenther Steiner. Die HaasF1-Crew zählt zu den zuverlässigsten im Feld. 2017 hatte sich das US-Team mit 21 Top 10-Platzierungen auf Platz 7 der Boxenstopp-Rangliste vorgeschoben. „Dabei haben wir nicht mal die beste Ausrüstung“, so Steiner.

Romain Grosjean - HaasF1 - GP Australien 2018 - Melbourne - Rennen Foto: xpb
Weniger Meter nach dem Boxenstopp musste Romain Grosjean seinen Haas-Renner abstellen.

Was in Melbourne passierte, konnte sich auch nach dem Rennen keiner erklären. „Wir hatten das letztes Jahr ein einziges Mal. Sonst gab es nie Probleme“, schüttelte Steiner den Kopf. Vielleicht lag es daran, dass HaasF1 in Melbourne seine Crew weniger trainieren ließ als sonst. „Die Jungs waren an diesem Wochenende mit viel Kleinkram beschäftigt. Wir sind einfach nicht dazu gekommen, unser normales Programm abzuspulen. Vielleicht fehlte da das letzte Quentchen Sicherheit“, grübelt Steiner.

Waren die Mechaniker nach dem ersten Drama um Magnussen nicht sensibilisiert und bei Grosjean extra vorsichtig? Steiner widerspricht: „So läuft das nicht. Ein Boxenstopp ist eine einstudierte Choreografie, die immer möglichst gleich ablaufen sollte. Wenn du dir bei einer Prozedur, die 2,5 Sekunden dauert, von einem aufs nächste Mal sagt, jetzt nehme ich mir etwas mehr Zeit, geht es erst recht schief.“

In der Tat passierte das Malheur beim zweiten Mal an einer anderen Ecke des Fahrzeugs. Was beweist, dass die betreffenden Mechaniker wissen, was sie tun. Sie hatten halt zu unterschiedlichen Zeiten einen schwachen Moment. Zu allem Überfluss flatterte HaasF1 nach dem Rennen auch noch ein Strafzettel der FIA ins Haus. Zwei Mal je 5.000 Euro für regelwidrig arretierte Räder.

Einzige Gegenmaßnahme: Mehr Training

Trotz aller Enttäuschung richtete sich der Blick bei HaasF1 wieder nach vorn. „Unser Auto ist überall schnell. Wir können auch in Bahrain wieder zuschlagen“, gab sich Steiner kämpferisch. Romain Grosjean bestätigte: „Wir haben ein superschnelles Auto. Mit wenig und viel Benzin an Bord. Wäre ich nach dem Start vor Kevin gelegen, hätte ich etwas länger mit der Spitze mithalten können. Wenn wir diese Leistung in Bahrain wiederholen können, dann wird Melbourne schnell vergessen sein.“

In den zwei Wochen bis zum nächsten Rennen wird das Team noch einmal die Boxenstopps anhand der Filmaufnahmen von der Überkopf-Kamera analysieren, um sicherzustellen, dass sich die Pannen nicht wiederholen. In Bahrain wird HaasF1 auf jeden Fall mehr Boxenstopps üben. An den Abläufen will Steiner jedoch nichts ändern. „Daran ist nichts falsch. Wenn du da jetzt eingreifst, verunsicherst du die Leute nur noch mehr. Unsere Aufgabe ist es, dass die Jungs wieder Vertrauen in sich finden.“

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