Renault - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 5. Oktober 2017 ams
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Das Budkowski-Problem

Protest bei Technik-Kopien

Die Personalie Marcin Budkowski hält die Formel 1 weiter in Atem. Der FIA-Techniker, der alles weiß, dockt 2018 bei Renault an. Doch wie viel Wissen bringt er wirklich mit? Wir haben bei verschiedenen Teams nachgefragt.

Renault hat sich bei der Konkurrenz unbeliebt gemacht, weil der Werksrennstall vom Weltverband den Mann abgeworben hat, der alles weiß. Der ehemalige FIA-Technikchef Marcin Budkowski hat den kompletten Überblick, welche Projekte die einzelnen Teams bei der FIA absegnen ließen. Die Korrespondenz lief seit diesem Jahr zuerst über seinen Tisch. Mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting in Kopie: „Marcin ist intelligent und erfahren genug, diese Anfragen zu interpretieren“, sagt Red Bull-Teamchef Christian Horner. „Und er hat den kompletten Überblick, in welche Richtung die einzelnen Teams entwickeln“, heißt es im Fahrerlager.

Doch vor was müssen die Gegner von Renault im Detail Angst haben? Vor gar nichts, sagt Renault-Sportchef Cyril Abiteboul. „Leute abwerben ist in der Formel 1 ein ganz normaler Prozess.“ Aber nicht vom Weltverband, schallt es von der Konkurrenz zurück. Abiteboul meint treuherzig: „Der Nutzen seines Wissens wird überschätzt.“

Die Rivalen können darüber nicht lachen: „Dafür bekommt Budkowski nicht den Posten, den ihm Renault angeboten hat. Er steht über allen drei Technikdirektoren. Marcin muss ihnen schon sehr wichtig sein.“ Während sich Nico Hülkenberg über die Verstärkung freut, droht Horner bereits: „Wenn wir nächstes Jahr am Renault etwas entdecken, das uns bekannt vorkommt, werden wir sofort protestieren.“

Budkowski kennt Power der Motoren und Abtrieb der Autos

Budkowski hat bei Williams und Sauber im Windkanal schon das 2018er Auto gesehen. „Er kennt unsere Daten und Projekte für nächstes Jahr“, ärgert man sich bei Force India. McLaren-Teamchef Eric Boullier nennt 3 heikle Beispiele: „Er hat die Power-Daten aller Motoren. Und er weiß, welchen Abtrieb die einzelnen Autos produzieren. Er kennt in unserem Fall den Anteil an CFD- und Windkanalarbeit. Das ist strategisches Wissen. Und er ist bei den einzelnen Aufhängungssystemen zumindest in deren Philosophie und die Kinematik eingeweiht.“

Bei HaasF1 weiß der 40-jährige Pole genau darüber Bescheid, wie viel von dem Auto Ferrari ist und was selbst oder bei Dallara entwickelt und gebaut wird. Budkowski hat die Regeln für Teams, die nach dem Modell des US-Teams in die Formel 1 einsteigen wollen, mit entwickelt. Auch die Bestimmungen, wie weit man mit den hydraulischen Fahrwerken gehen darf. „Da kennt er alle erlaubten und unerlaubten Tricks“, erklärt Haas-Teamchef Günther Steiner.

Windkanalprozesse und CFD-Software

In allen Windkanälen wird gefilmt, damit die FIA später überprüfen kann, ob die Windkanalzeiten eingehalten werden. Wer beim Verband im Technikbüro sitzt, hat darauf Zugriff.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht den größten Schaden darin, dass Budkowski weiß, wie die Top-Teams ihren Windkanal konfigurieren und CFD-Software programmieren, so dass sie bei beschränkter Windkanalzeit und Computerkapazität maximal viele Testreihen fahren können. Das ist ein Privileg der großen Teams, die sich entsprechende Experten leisten können.

Wer mehr Versuche bei beschränkter Windkanalzeit unterbringt, kann schneller entwickeln. „Aus dem Wissen über unsere Arbeitsweise kann ein fremdes Team viele Schlüsse ableiten. Für Renault ist das eine große Hilfe“, glaubt auch Horner.

Force India-Teamchef Bob Fernley ist hin und hergerissen: „Was da passiert, ist unentschuldbar. Da wird viel Vertrauen aufs Spiel gesetzt. Wird er Renault eine große Hilfe sein? Die Umsetzung seiner Information wird ein Jahr brauchen. Dann sind diese Technologie und diese Prozeduren schon wieder ein Jahr alt, was nach Formel 1-Normen viel ist. Wenn 2019 eine Budgetdeckelung kommt, ist vieles sowieso nicht mehr relevant.“

Auch Wolff mahnt zur Besonnenheit. Was passiert ist, ist passiert. Es lässt sich nicht mehr ändern. „Wir müssen geltendes Recht respektieren und können nicht einer Karriere im Weg stehen. Viel wichtiger ist, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie wir das Problem in Zukunft lösen.“

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