Button ratlos

So schnell mit so kleinem Flügel?

Formula 1 Grand Prix, Italy, Saturday Qualifying Foto: xpb 61 Bilder

Sebastian Vettel ist der langsamste Fahrer auf der Geraden. Aber in der Rundenzeit der größte. Der Titelverteidiger demontierte die Konkurrenz um 0,55 Sekunden. Mit einem Miniflügel im Heck. Jenson Button fragte entgeistert: "Wie ist das möglich?"

Sebastian Vettel ist es gewohnt, ganz vorne in der Rangliste zu stehen. Der Weltmeister markierte in Monza die zehnte Pole Position in dieser Saison. Die 25. in seiner Karriere. Doch in der Top-Speed-Hitliste rangiert Vettel mit 327,7 km/h am Ende der Zielgeraden ganz hinten. Selbst Teamkollege Mark Webber war um 8,5 km/h schneller. Die McLaren-Mercedes lagen um sechs km/h vor Vettel, die Ferrari sogar um 14,5 km/h. Spitzenreiter auf der Geraden war Sergio Perez mit unglaublichen 349,2 km/h. Gegen den Sauber ist Vettel auf der Geraden geradezu geschlichen.

Top-Speed wird in Monza zweitrangig

Das Bild setzt sich auf den anderen Geraden fort. Vor der zweiten Schikane verlor Vettel sieben km/h auf Michael Schumacher. Vor der Ascari-Schikane fehlten ihm sieben km/h auf Jaime Alguersuari. Wenigstens liegt er da im Mittelfeld. Red Bull kann sich auch nicht mit dem Renault-Motor entschuldigen. Vettels Triebwerk war brandneu. Und die schwarzen Renault mit dem gleichen Triebwerk im Heck schafften auf der Zielgeraden 347,2 km/h.

Früher einmal war der Top-Speed in Monza das A und O. Heute scheint er eher zweitranging zu sein. Vettel holt seine Zeit in den Kurven. In der Ascari-Schikane und Parabolica nahm er den McLaren-Fahrern vier Zehntel ab. Fernando Alonso war mit einem Rückstand von 0,304 Sekunden in diesem Sektor der beste Fahrer, der nicht in einem Red Bull saß.

Red Bull für McLaren unerreichbar

In der Rundenzeit war Vettel unantastbar. Lewis Hamilton lag schon über eine halbe Sekunde hinter dem Trainingsschnellsten. Wenn man sich die drei Top-Autos ansieht, dann müssten die Red Bull eigentlich die Schnellsten auf den Geraden und die Langsamsten in den Kurven sein. Im Vergleich zum Ferrari und McLaren hatten die Red Bull einen Papierdrachen im Heck. Trotz der vergleichsweise riesigen Schaufeln bei McLaren waren die Kurvengeschwindigkeiten enttäuschend. "Wenn ich mir den Red Bull-Flügel anschaue, dann frage ich mich, wie die in den Kurven so schnell sein können", rätselte der Trainingsdritte Jenson Button.

Für das Phänomen gibt es zwei Erklärungen: Der Red Bull RB7 generiert so viel Abtrieb über den Unterboden, dass er sich kleine Flügel leisten kann. Und Vettel ist eine deutlich kürzere Getriebeübersetzung gefahren. Die bringt zwar Rundenzeit aber kein Top-Speed. Wenn der Weltmeister im Rennen überholen muss, hat er ein Problem.

Im Qualifying war Vettel unantastbar. Die McLaren-Piloten hätten auch bei einem fehlerfreien Top Ten-Finale Vettel nicht gefährden können. Lewis Hamilton machte ein langes Gesicht: "Sebastians letzte Runde lag außerhalb unserer Reichweite."

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