Caterham macht mobil

Neuer Sportdirektor, neuer Windkanal

Kovalainen & Trulli Foto: Team Lotus 52 Bilder

Lotus heißt ab 2012 Caterham. Teamchef Tony Fernandes will nach zwei Jahren Anlaufzeit endlich im Mittelfeld landen. Dazu ist jedes Mittel recht. Ein Teil der Mannschaft soll in eine neue Fabrik umziehen, der Windkanal wird bei Williams gebucht, KERS bei Red Bull eingekauft, und einen neuen Sportdirektor gibt es auch noch.

Lotus gegen Lotus, das war eine Posse, die ein Buch hätte füllen können. Die Straßenautosparte, also Group Lotus, darf seinen Rennstall, der einmal unter dem Namen Renault eingeschrieben war, ab 2012 Lotus nennen. Die grünen Autos von Tony Fernandes geben das Siegel "Team Lotus" ab und fahren ab nächstem Jahr unter der Flagge von Caterham.

Nielsen ersetzt Gass bei Caterham

Nicht nur das. Fernandes will nach oben. Zwei Jahre lang hat sich sein Rennstall an das Mittelfeld herangepirscht. 2012 will er dort landen. Mit allen Mitteln. Die Zutaten dazu stehen bereit. Technikchef Mike Gascoyne und Chefdesigner Mark Smith haben bei Renault schon Siegerautos gebaut. Der neue Sportdirektor Steve Nielsen kommt von diesem Team. Er ersetzt Dieter Gass, der zurück nach Deutschland geht.

Teile des Rennstalls, vermutlich die Ingenieure, sollen von Norfolk nach Leafield in die Nähe von Oxford umziehen. Das hat geografische Gründe. Lotus hat gerade mit der Nutzung des Windkanals von Williams begonnen. Die ersten fünf Sitzungen haben in der älteren der beiden Anlagen in Grove bereits stattgefunden.

Von Leafield nach Grove sind es 15 Minuten. Von der Fabrik in Hingham wären es mehr als zwei Stunden. Die Windkanalarbeit wird über den Winter Schritt für Schritt von Aerolab in Bologna zu Williams transferiert. "Damit ist praktisch alles unter einem Dach. Wir hatten zu lange Wege", erzählt Technikchef Mike Gascoyne.

Red Bull-KERS als letzter Baustein

Die Motoren kommen weiter von Renault. Red Bull liefert künftig nicht mehr nur das Getriebe, sondern auch KERS. Der Hybridantrieb ist auf jeder Strecke mindestens drei Zehntel wert. Das Red Bull-System ist mittlerweile ausgereift. Klagen gibt es kaum noch.

Damit sind auch technisch alle Bausteine gesetzt. Fehlt nur noch ein schnelles Auto. Da könnte auch das Reglement mithelfen. "Wir gehen davon aus, dass sich der angeblasene Diffusor 2012 mit den jüngsten Regeländerungen nicht mehr realisieren lässt", hofft Gascoyne. "Damit wird den meisten Teams, die vor uns stehen, eine Sekunde weggenommen."

Wie viel der angeblasene Diffusor wert sein kann, hat Gascoyne in diesem Jahr leidvoll erfahren. "Als wir in Barcelona von einem normalen Auspuff auf einen umstellten, der in den Diffusor bläst, haben wir sofort eine halbe Sekunde gewonnen." Seit dem GP Singapur haben die grünen Autos den Rückstand auf das Mittelfeld noch einmal verkürzt. Seit der Auspuff neu ausgerichtet und der Diffusor entsprechend modifiziert wurde, produziert der Lotus T128 im Heck deutlich mehr Abtrieb.

"Wir beginnen diese Technologie immer besser zu verstehen. Es ist unglaublich, wie viel Rundenzeit man allein mit dem angeblasenen Diffusor rausholen kann. Wir haben durch die Singapur-Maßnahme eine weitere halbe Sekunde gefunden. Im Vergleich zur Red Bull-Version fehlt uns aber immer noch eine Sekunde", rechnet Gascoyne vor.

Mammutaufgabe angeblasener Diffusor

Das Ganze ist ein Zeitproblem. "Die meisten Teams haben mit dieser Entwicklung schon im letzten Jahr begonnen. Wir erst im Winter. Es dauert, bis man seinen Windkanal dafür eingerichtet hat." Um das Anblasen des Unterbodens im Labor zu simulieren, braucht man einen Kompressor, der die Auspuffgase erzeugt, einen Strömungsausrichter, der sie im richtigen Winkel einbläst und eine Art Ofen, der die Luft anwärmt. Es ist nämlich ein Unterschied für den Abtrieb, mit welcher Temperatur die Auspuffgase am Zielort die Strömung beschleunigen. Je wärmer umso besser.

Laut Gascoyne muss der ganze Windkanal für das heiße Anblasen neu kalibriert werden, weil sich die Aerodynamikbalance Richtung Heck verschiebt. "Mit jedem neuen Motorkennfeld, das wir von Renault kriegen, kannst du deine ganzen Versuchsreihen von vorne bis hinten wieder neu durchspielen. Das bedeutet zehn Mal so viel Arbeit als wenn du irgendetwas an einem Flügel änderst."

Kleine Teams wie Lotus, pardon Caterham, hoffen, dass die FIA trotz Lobbyarbeit von Red Bull und McLaren den ganzen Zauber verbietet. Weil er unnötig Geld kostet. Gascoyne ist optimistisch: "Nächstes Jahr fahren wir im Mittelfeld mit."

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