Chaos im Rennen

Die Angst vor dem großen Regen

Michael Schumacher - Mercedes - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - 23. November 2012 Foto: xpb 84 Bilder

Die Wettervorhersage für Sao Paulo ist eindeutig: Im Rennen wird es über der Strecke von Interlagos regnen. Die Temperaturen gehen rapide bergab. Die Teams müssen sich schnell auf die Bedingungen einstellen. Es droht Chaos.

Die Gegensätze hätten in Sao Paulo nicht größer sein können. Beim Freien Training am Freitag zeigte das Thermometer 32°C im Schatten. Der Temperaturfühler an der Rennstrecke schlug sogar bis 54°C aus. So hoch wie in dieser Saison noch nirgendwo. Abgesehen von der körperlichen Anstrengung klagten viele Piloten über zu große Hitze in den Hinterreifen. "Das war schon heiß heute", schnaufte Nico Hülkenberg später.

Wechselnde Bedingungen für Quali und Rennen

Doch das wird sich ändern. Schon am Samstag kommt der große Temperatureinbruch. Die Sonne wird von Wolken verdeckt. Das Quecksilber soll kaum höher als zur 20°C-Marke klettern. Nach letzten Prognosen soll um 18.30 Uhr Ortszeit der große Regen kommen - dreieinhalb Stunden nach dem Qualifying.

Die Leistungen des Trainings lassen sich deshalb nur bedingt als Gradmesser für die mögliche Reihenfolge im Qualifying und Rennen herannehmen. Die gesammelten Daten sind höchstens noch gut für die Entwicklung des Autos für 2013. Mitten im WM-Kampf müssen sich alle Piloten auf ständig wechselnde Bedingungen einstellen.

Setzen die Teams auf reine Regenabstimmung?

"Wir haben schon im zweiten Training verschiedene Abtriebslevel ausprobiert. Auch mit Blick auf möglichen Regen am Sonntag", erklärt Timo Glock. "Aber es ist natürlich immer die Frage, was das Wetter macht. Letztes Jahr habe ich den Fehler gemacht und voll auf Regen gesetzt, weil die Wahrscheinlichkeit relativ hoch war. Und dann war am Sonntag auf einmal die Sonne draußen."

Für Landsmann Hülkenberg käme ein kleiner Temperatursturz nicht ungelegen: "Auf der Hinterachse hatte ich gar keine Stabilität. Wir verstehen das Problem noch nicht. Deshalb hätte ich es gerne ein paar Grad kühler. Ob es Regen gibt oder nicht ist mir eigentlich egal." Mit Mischbedingungen hat der Rheinländer gute Erfahrungen in Interlagos. Auf der halbfeuchten Strecke fuhr er 2010 im Williams an gleicher Stelle sensationell auf Pole Position."

Die prognostizierten Regenfälle sollen am Samstagabend monsunartig ausfallen. Am Sonntag soll es dann den ganzen Tag über leichte Niederschläge geben. "Wir gehen von einer Regenwahrscheinlichkeit von 90 Prozent aus", erklärte Pirelli-Sportchef Paul Hembery. "Leider können die Niederschläge hier relativ heftig werden. Wenn die zur falschen Zeit kommen, ruinieren sie die Party."

Pirelli bevorzugt Intermediate-Bedingungen

Pirelli stand in dieser Saison schon häufig in der Kritik, dass die Regenreifen bei Wasser auf der Bahn schnell und unvorhersehbar zu Aquaplaning neigen. 2013 soll es eine neue Generation der profilierten Gummis geben, die mit mehr Wasser zurechtkommt. Schwimmen die Autos auf, bleibt nur noch ein Start hinter dem Safety-Car oder ein Abbruch.

"Wir würden lieber abwarten, bis der Regen vorbei ist und dann bei abtrocknender Strecke starten", so Hembery. "Dann ständen die Teams vor der Frage, wann sie auf Slicks wechseln sollen. Unter solchen Halb-Halb-Bedingungen funktioniert unser Intermediate-Reifen sehr gut." Sollte es trocken bleiben, rechnet Hembery mit einem Zweistopp-Rennen. "Die Medium-Reifen halten etwa 20 Runden."

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