Charles Leclerc & Sebastian Vettel - Ferrari - F1 - 2019 xpb
Ferrari SF1000 - F1-Auto 2020
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Ferrari SF1000 - F1-Auto 2020 30 Bilder

Leclerc vor Sim-Duell gegen Vettel

„Rennen mit ihm wäre lustig“

Charles Leclerc hat in einem ersten Video-Gespräch verraten, wie er gegen die Langweile in der Rennpause kämpft, wie er unerwartet Freude bei Streamen von Online-Rennen fand und was er von einem neuen Ferrari-Vertrag für Sebastian Vettel hält.

In Zeiten von Ausgangssperren und Isolation ist es für Journalisten nicht einfach, in Kontakt mit Formel-1-Fahrern zu kommen. Gut einen Monat nach dem letzten öffentlichen Auftritt in Melbourne hat sich nun Charles Leclerc erstmals wieder zu Wort gemeldet. Der Ferrari-Pilot stellte sich bei einer Videokonferenz den Fragen der Weltpresse.

Wie einige seiner Kollegen sitzt der Youngster aktuell in seiner Heimat Monaco fest. An die Isolation hat sich Leclerc aber noch nicht so recht gewöhnt, wie er selbst zugibt: "Als Fahrer ist man normalerweise nicht so lange zuhause. Wir reisen ja sonst ständig zu den ganzen Rennen. Jetzt für mehrere Wochen hier zu sein, ist irgendwie komisch."

Der Pilot vermisst natürlich vor allem das Rennfahren. Aber auch einfach nur das Zusammensein mit anderen Menschen fehle ihm, wie Leclerc offen verrät: "Nach einigen Wochen hier in meinem Apartment wird es langsam etwas langweilig. Das macht nicht gerade Spaß."

Der Alltag bietet in Corona-Zeiten nicht viel Abwechslung: Schlafen, Trainieren, ein wenig Fernsehen, ein paar Rennen am heimischen Simulator, dazu musiziert Leclerc noch ein wenig mit Gitarre und Klavier. "Ich habe zuletzt auch ein paar Bücher über die Historie von Ferrari gelesen", berichtet der Pilot.

Kochkünste ausbaufähig

Zu den ungewohnten Aktivitäten gehört auch das Kochen: "Darin bin ich leider ziemlich schlecht. Ich beschränke mich vor allem auf einfache Pasta. Das kann ich ganz gut. Ich möchte aber lieber nicht zu viel riskieren. Letztens habe ich mich an Carbonara gewagt. Das hat einigermaßen geklappt. Ich muss aber noch etwas üben."

Charles Leclerc - Virtueller Grand Prix China 2020
Twitch: Charles Leclerc
Zwei Starts, zwei Siege - Leclerc fährt der Konkurrenz im offiziellen F1-Game um die Ohren.

Mehr Befriedigung gibt dem 22-Jährigen die Zeit am Simulator. Leclerc ließ sich vor wenigen Wochen sogar dazu überreden, die Renn-Sessions in der virtuellen Welt über die Plattform "Twitch" zu streamen. So können Leclercs Fans ihrem Liebling von überall auf der Welt dabei zuschauen, wie er gegen Kollegen kämpft.

"Ich habe nicht erwartet, dass mir das Streamen so viel Spaß macht. Früher hätte ich nicht einmal daran gedacht, so etwas zu machen", grinst Leclerc und fügt an: "Für die Leute draußen ist das eine gute Möglichkeit, mich so zu sehen, wie ich wirklich bin. An der Rennstrecke ist das nicht so leicht mit dem ganzen Druck. Auf Twitch bin ich mit Fahrern wie Lando (Norris), George (Russell) und Alex (Albon) zusammen, die meine Freunde sind und die ich schon lange kenne."

Ehrgeiz auch in der virtuellen Welt

Die Diskussionen über einen möglichen Saisonstart im Juli verfolgt Leclerc nur am Rande. "Mein Fokus liegt jetzt ganz darauf, dass ich die Leute unterhalten kann. Ich möchte denjenigen helfen, die sich zuhause langweilen und keinen Simulator haben. Ich möchte ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das hat bisher auch ganz gut funktioniert. Ich habe einige positive Reaktionen erhalten. Und das macht wiederum mich glücklich."

Dass er bei seinen virtuellen Rennabenteuern auch noch sportlich ziemlich erfolgreich ist, verschweigt Leclerc höflich. Der WM-Vierte aus dem Vorjahr konnte zuletzt die offiziellen F1-Online-Rennen in Australien und China gewinnen. Es waren die ersten beiden virtuellen Grand Prix, bei denen er überhaupt am Start stand.

Das zeigt den Ehrgeiz des Aufsteigers. Nach eigener Aussage verbringt er rund fünf Stunden pro Tag im Rennsitz. "Was soll man auch anderes machen? Man kann die Zeit ja nicht nur mit Fitness-Training verbringen. Im Spiel kann man den Wettbewerb simulieren. Es ist natürlich nicht so wie im richtigen Leben. Aber wir als Fahrer wollen uns einfach immer gegeneinander messen."

Charles Leclerc - Virtueller Grand Prix China 2020
Twitch: Charles Leclerc
Mit Brille und Stirnband - die Fans bekomemn Leclerc im Stream etwas anders geboten als an der Rennstrecke.

Leclerc verstellt sich nicht

Leclerc betont, dass es die meiste Zeit nur um Spaß geht. Neben den virtuellen Rennen konnte man den Ferrari-Star zuletzt auch beim Rumblödeln im Cockpit eines LKWs beobachten. Im "Truck Simulator" steuerte Leclerc einen 40-Tonner über die Autobahn – natürlich mit den F1-Kollegen Norris und Russell im Schlepptau, was – wie nicht anders zu erwarten war – nicht unfallfrei über die Bühne ging.

Untereinander gibt es auch immer mal ein paar kleine Verbalattacken. So machten sich die Online-Freunde während der gemeinsamen Gaming-Sessions zum Beispiel auch schon über das Verhältnis Leclercs zu Teamkollege Vettel lustig oder scherzten über die Motor-Tricksereien von Ferrari. Leclerc hielt sich bei den Scharmützeln allerdings vornehm zurück.

Angst, dass er etwas Falsches sagen könnte, habe er aber nicht: "Wir wissen, dass da eine Menge Leute zuschauen. Ich versuche mich aber nicht zu verstellen, sondern mich von meiner natürlichen Seite zu zeigen. Über diese soziale Plattform klappt das deutlich besser als an Rennwochenenden. Ich denke hier gar nicht groß drüber nach, dass ich etwas Falsches sagen könnte."

Wann kommt es zum Duell gegen Vettel?

Nachdem Leclerc seinen Gegnern in den Online-Rennen zumeist die Rücklichter gezeigt hat, warten nun alle auf das erste Duell gegen Vettel. Der Heppenheimer verriet jüngst, dass er sich auch einen Simulator für Zuhause angeschafft hat und demnächst in den virtuellen Motorsport einsteigen will. "Ich werde ihm definitiv eine Nachricht schicken, wenn er mit der Installation fertig ist. Das wird bestimmt lustig, gegen ihn ein paar Rennen zu fahren", freut sich Leclerc bereits.

Der Ferrari-Aufsteiger nutzte die Gelegenheit, um noch einmal zu betonen, dass das Verhältnis zum eigenen Teamkollegen nicht so schlecht ist, wie es immer dargestellt wird. Er hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn Ferrari den Vertrag mit Vettel verlängert: "Ich würde mich freuen, wenn er mein Teamkollege bleibt. Wir hatten ein paar Probleme auf der Strecke, wie zum Beispiel in Brasilien. Aber das Verhältnis war immer gut, auch wenn das nach außen nicht immer so rüberkam."

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1
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