Charles Leclerc - GP Australien 2020 xpb
Ferrari SF1000 - F1-Auto 2020
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Leclerc-Taktik bei kurzem Kalender

„Müssen mehr Risiko gehen“

Charles Leclerc erwartet, dass die Saison 2020 deutlich verkürzt wird. Mit etwas mehr Risiko will er die Favoriten im Mercedes-Lager von Thron stoßen. Der Monegasse erwartet, dass die Karten durch die spezielle Situation neu gemischt werden.

Für Rennfahrer ist die aktuelle Saison nicht einfach. Statt der regelmäßigen Adrenalin-Dusche heißt es momentan Warten auf den Saisonstart. Noch haben die Formel-1-Bosse aber keinen offiziellen Termin benannt, an dem es wieder losgehen soll. Die ganze Szene befindet sich gerade in einem Schwebezustand.

Natürlich verfolgen die Fahrer interessiert die aktuellen Kalender-Spekulationen auf den einschlägigen Motorsport-Webseiten. Dazu gibt es immer wieder E-Mails von der Fahrergewerkschaft GPDA mit neuen Infos zu den Planungen. Ferrari-Pilot Charles Leclerc bittet die ausgehungerten Fans noch um etwas Geduld.

Keiner weiß momentan, wie sich die Situation entwickelt. Ich erwarte aber, dass es irgendwo in Europa wieder losgehen wird", so der Monegasse. Leclerc befürchtet jedoch, dass die Anzahl der GPs drastisch reduziert werden muss. "Zwölf Rennen sollte die Saison schon umfassen. Das muss man versuchen irgendwie reinzuquetschen. Aber selbst wenn es weniger sind, ist das immer noch besser als gar nichts."

Charles Leclerc - GP Australien 2020
Wilhelm
Auf den Kontakt zu seinen Ingenieuren muss Leclerc aktuell verzichten.

Mehr Überraschungen in kurzer Saison

Der 22-Jährige erwartet eine intensive Saison, wenn es denn mal wieder losgeht: "Die Situation erfordert spezielle Entscheidungen von den Verantwortlichen. Wir Fahrer müssen auf alles vorbereitet sein. Aktuell geht es vor allem darum, so viele Rennen wie möglich zu fahren. Zur Not auch mal zwei auf einer Strecke."

Mit einer deutlichen Verringerung der Rennanzahl könnte die Wahrscheinlichkeit von Überraschungen steigen, glaubt Leclerc. Für sein drittes Formel-1-Jahr hat er sich schon eine Strategie zurechtgelegt: "Mercedes und Lewis starten sicher als Favoriten in die Saison, selbst wenn es nur acht Rennen gibt. Es wird nicht einfach sein, sie zu schlagen. Wir werden sicher etwas mehr riskieren müssen, was die Strategie und die Manöver auf der Strecke angeht."

Bezüglich der Stärke des eigenen Autos tappt man bei Ferrari allerdings noch im Dunkeln. Mehr als die Eindrücke von den Testfahrten haben die Ingenieure bisher nicht gewonnen. Leclerc gibt zu, dass sich Ferrari bei den Proberunden in Barcelona nicht von seiner besten Seite gezeigt habe. Jetzt müsse man aufholen, so wie in der letzten Saison.

Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020
Stefan Baldauf
Nach den Erfahrungen von den Testfahrten erwartet Leclerc dieses Jahr eine Aufholjagd.

Piloten müssen bei Aufholjagd helfen

"Dieses Jahr wird das aber nicht so einfach", befürchtet Leclerc. "Wenn es mal losgeht, wird ohne Unterbrechung bis zum Ende durchgefahren. Da gibt es keine Pausen, in denen man mit der Entwicklung große Sprünge machen kann. Das heißt, dass wir Fahrer auf der Strecke von Beginn an noch konzentrierter arbeiten und dem Team das richtige Feedback geben müssen, um die Weiterentwicklung von Beginn an in die richtige Richtung zu steuern."

Beim Saisonauftakt erwartet Leclerc eine ganz spezielle Erfahrung: "Das Gefühl im Cockpit wird sicher etwas komisch sein. Das erste Mal nach so einer langen Zeit zu fahren und dann geht es gleich mit Trainings, einem Qualifying und dem Rennen los. Das wird sicher nicht so einfach werden. Da muss man sich erst einmal wieder eingewöhnen."

Um nicht komplett einzurosten, hat sein Physio ein hartes Fitness-Programm aufgelegt. Dazu gibt es Simulator-Training im heimischen Wohnzimmer. Damit die Sinne geschärft bleiben. "Der Simulator hilft sicher dabei, Reflexe zu trainieren und fokussiert zu bleiben. Aber die Fliehkräfte und das echte Verhalten des Autos lassen sich natürlich nicht simulieren. Die Karten könnten dadurch etwas neu gemischt werden."

Charles Leclerc - Virtueller Grand Prix China 2020
Aktuell

Rennen zur Not auch ohne Zuschauer

Mit Interesse hat der Monegasse die Diskussionen darüber gelesen, dass man einzelne Rennen bei Doppel-Veranstaltungen auch gegen die Fahrtrichtung absolvieren könnte. Der Vorschlag wurde zwar mittlerweile von den meisten Experten wegen der hohen Investitionen in neue Auslaufzonen und Randsteine als unrealistisch eingestuft, trotzdem findet Leclerc die Idee cool.

"Ich habe das mal im Kart gemacht. Da mussten die Piloten die Strecken ganz neu lernen", berichtet der Pilot aus eigener Erfahrung. "So eine Maßnahme würde sicher nicht alles auf den Kopf stellen, was die Frage der Favoriten angeht, aber es würde der ganzen Sache noch etwas Würze geben, denke ich."

Weniger Würze bekommen die Rennwochenenden dagegen durch die Abwesenheit der Zuschauer. Leclerc würde es bedauern, wenn man mit Rennen vor leerer Kulisse starten müsste: "Es würde sich einfach nicht so anfühlen wie ein normales Rennwochenende. Man kann die Fans sehen und ihre Unterstützung spüren. Sie richten einen in schlechten Zeiten auf und wenn es gut läuft, jubeln sie noch mehr, weil sie happy sind."

Im Gegensatz zu anderen Kollegen, würde Leclerc Rennen ohne Zuschauer aber nicht kategorisch ablehnen: "Es wäre immer noch besser als gar keine Rennen zu fahren. Vielleicht müssen wir uns zum Start der Saison erst einmal darauf konzentrieren, die Leute zu Hause zu unterhalten. Die Sicherheit muss immer oberste Priorität haben."

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