F1-Teamchefs - Konferenz - 2019 Motorsport Images
Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2019
Red Bull - Teamfoto - GP Österreich 2019
Renault - Teamfoto - GP Frankreich 2019
McLaren - Boxenstopp - GP England 2019 10 Bilder

Concorde-Abkommen auf Eis

Kein neuer Deal in der Krise

In der Corona-Krise haben viele Teams auf Überlebens-Modus geschaltet. Deshalb hat bis heute keiner den neuen Formel-1-Vertrag unterschrieben. Das wird auch nicht passieren, bevor die Krise voll überstanden ist.

Das alte Concorde Abkommen läuft Ende des Jahres aus. Der neue Formel-1-Vertrag liegt seit November 2019 bei den Anwälten auf den Tisch. Mittlerweile wurden das Technische Reglement und das Finanzabkommen nach den Wünschen der Teams und ihrer Rechtsberater angepasst.

Zuletzt gab es nur noch Differenzen darüber, wie viel die Rechteinhaber an die Teams ausschütten sollten. Die Teams forderten mehr Geld, bissen dabei aber auf Granit. Liberty rechnete mit den ersten Unterschriften im April. Das aber ist seit dem Ausbruch der Corona-Krise in weite Ferne gerückt.

Ein Teamchef meinte: "Bevor sich irgendein ein Team für fünf Jahre verpflichtet, müssen wir alle erst einmal wissen, ob wir diese Krise überleben. Im Moment wird über dieses Thema gar nicht geredet. Es gibt jetzt wichtigere Dinge zu tun."

Die Nervosität innerhalb der Teilnehmer steigt. Sieben Teams fordern von der FIA und dem F1-Management deutlichere Signale beim Kostensparen als nur das 2020er Chassis für 2021 zu homologieren und die Einführung der neuen Autos auf 2022 zu verschieben.

Die drei großen Teams bremsen. Bei einer Konferenz der zehn Technikchefs zur Frage, welche weitere Komponenten ins nächste Jahr übernommen werden könnten, kam nicht viel heraus. "Die dürfen sowieso nichts entscheiden. Am Ende sind die Teamchefs gefragt", heißt es.

Frederic Vasseur & Otmar Szafnauer - F1-Teamchefs - 2019
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Die Teamchefs der kleinen Teams fordern weitere Einsparungen. Doch die großen Teams bremsen.

Streitpunkt Getriebe

Eines wurde bei den jüngsten Gesprächen der Teamchefs um Sparmaßnahmen klar. Ferrari und Red Bull haben Vorbehalte. Mercedes verhält sich still. Der Rest fordert ein Einfrieren von Getriebe, Radträgern und Aufhängungen. Und eine drastische Reduzierung der Budgetdeckelung.

FIA-Präsident Jean Todt und Formel-1-Chef Chase Carey haben offenbar erkannt, dass die Corona-Krise ihnen die goldene Gelegenheit bietet, die Kosten endlich dramatisch zu drücken. Es schwirren Budgetlimits von bis 100 Millionen Dollar durch den Raum.

Die großen Teams haben den Ernst der Lage aber offenbar noch nicht erkannt. Dazu ein Beispiel mit welch absurden Argumenten sich einige Teams gegen die Homologation des Getriebes für 2021 stemmen.

Angeblich haben Ferrari und Red Bull herausgefunden, dass Mercedes Motor und Getriebe nur mit vier Stehbolzen verbindet, diesen Verbund trotzdem verwindungssteif hinbekommt. Ferrari und Red Bull-Honda brauchen sechs Stehbolzen. Die Folge: Das Getriebe baut deshalb eine Spur breiter. Das könnte ein aerodynamischer Nachteil sein. Beide Teams wollen deshalb für 2021 neue Getriebe bauen.

Chase Carey - F1 - GP Australien 2020
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Liberty Media muss den Zeitplan zum neuen Concorde-Abkommen anpassen.

Kommt ein Übergangs-Vertrag?

Der Formel-1-Vertrag wird die drei involvierten Parteien trotz Krise bald wieder beschäftigen. Es stellt sich nämlich die Frage, auf welcher Basis er gelten soll. Der den Teams vorliegende Vertrag ist für das ursprünglich auf 2021 terminierte Technik-Reglement und die letzte Version der Finanzregeln ausgelegt. Das kann schon deshalb nicht mehr eingehalten werden, weil das Technik-Reglement auf 2022 verschoben wurde.

Wenn jetzt noch die Budgetdeckelung heruntergesetzt wird, müssten auch da Anpassungen vorgenommen werden, die von allen erst einmal abgenickt werden müssten. Es ist deshalb gut möglich, dass Liberty den Teams vielleicht nur eine Vertragsverlängerung um ein Jahr anbietet, um sämtliche bürokratische Hürden zu meistern.

Das aber birgt Risiken und Chancen. Die drei großen Automobilhersteller hätten ein Jahr mehr Bedenkzeit. In einem Jahr können sich viele gute Gründe ansammeln, den Daumen nach unten zu senken. In diesem Fall müsste schleunigst ein neues Motor-Format her.

Andererseits sind alle Beteiligten nach der Krise schlauer. Wenn Teams aus Finanznot zusperren müssen, hätten die FIA und das F1-Manangement mehr Zeit, die Regeln neu zu schreiben, um die Formel 1 auf eine finanziell gesündere Basis zu stellen.

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