F1 Logistik - Flugzeug - GP Mexiko GP Mexiko
Sauber - F1-Logistik - 2016
Beat Zehnder - Sauber - 2016
Sauber - F1-Logistik - 2016
Sauber - F1-Logistik - 2016 18 Bilder

Corona-Alarm weitet sich aus

Alle Italiener in einem Flieger

Das Corona-Virus hat die Formel 1 fest im Griff. Offiziell finden die ersten drei Grand Prix des Jahres in Australien, Bahrain und Vietnam statt. Doch die Einreisebestimmungen verschärfen sich mit jedem Tag.

Es könnte die verrückteste Formel-1-Saison aller Zeiten werden. Zehn Tage vor dem Beginn der WM kann keiner mit Bestimmtheit sagen, wo sie beginnt und wie sie weitergeht. Allenthalben herrscht große Nervosität. Jetzt wurde sogar ein Reifentest von Ferrari mit den neuen 18-Zoll-Reifen in Fiorano abgesagt. Obwohl dort die Italiener unter sich sind.

Offiziell gilt noch das Statement von Formel-1-Chef Chase Carey: „Die ersten drei Rennen in Australien, Bahrain und Vietnam finden statt.“ Das kann aber in ein paar Stunden schon wieder Makulatur sein. Weil nicht FIA, Formel-1-Management oder Veranstalter das Zepter in der Hand halten, sondern die nationalen Einreisebehörden.

Wenn genügend Teilnehmer ausgesperrt werden, kann kein Grand Prix stattfinden. In den Verträgen steht, dass die Formel 1 gegenüber dem Veranstalter verpflichtet ist, mindestens zwölf Autos an den Start zu bringen. Wie viele dann tatsächlich am Rennen teilnehmen, spielt keine Rolle.

Der GP USA 2005 mit nur sechs Startern zählte auch zur WM. Doch wenn bestimmte Länder bei der Einreise ausgesperrt werden, fahren die entsprechenden Autos auch im Training nicht. Dann könnte der Veranstalter die Formel 1 in Haftung nehmen.

Doch nun liegt der Fall anders. Es wäre aus Sicht des F1-Managements höhere Gewalt, wenn bestimmte Teams mangels Personal ihrer Pflicht nicht nachkommen können. Und es wäre unfair den Teams gegenüber, die zuhause bleiben müssen. Das könnte in der Endabrechnung den einen oder anderen Platz in der Konstrukteurs-WM kosten. Und hier geht es um viel Geld.

Impressionen - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 20. März 2017
sutton-images.com
Die ersten Aufbauhelfer aus dem Grand-Prix-Zirkus sind bereits in Melbourne vor Ort.

Corona-Check am Flughafen

Die Wahrscheinlichkeit möglicher Absagen schwankt je nach Land. Australien lehnt bislang nur Personen ab, die in den letzten vier Wochen in China und im Iran waren. Italiener dürfen einreisen, müssen sich aber neuerdings am Flughafen einer kurzen Untersuchung samt Befragung stellen.

Auch in Bahrain wurden die Einreisebedingungen in den letzten Tagen noch einmal verschärft. Elf Länder stehen auf der schwarzen Liste, darunter China, Japan, Singapur, Thailand und Italien. Und alle Leute, die über die Vereinten Arabischen Emirate einreisen wollen. Das betrifft den halben Formel 1-Zirkus. Wer von Australien ohne den Umweg über Europa direkt nach Bahrain fliegt, und das machen wegen der kurzen Pause von nur sieben Tagen die meisten, benutzt eines der Drehkreuze Dubai, Singapur, Hongkong, Thailand oder Abu Dhabi.

Bahrain überlegt nun, unter welchen Bedingungen man diese Personen trotzdem einreisen lassen kann. Das Königreich will seine Prestige-Veranstaltung unbedingt durchziehen. Eine Möglichkeit wäre ein intensiver Corona-Test nach Ankunft am Flughafen. Das aber würde stundenlange Wartezeiten bedeuten.

Vietnam verfährt da rigoroser. Die neue Formel-1-Destination will Italiener nur einreisen lassen, wenn sie vorher 14 Tage in Quarantäne waren. Ohne Italien aber würden Ferrari, Alpha Tauri, Haas und Alfa Romeo fehlen. Und der Zirkus hätte keine Reifen. Die Pirelli-Monteure sind zwar hauptsächlich Engländer, doch unter den Technikern befinden sich auch viele Italiener. Pirelli würde die Teams sicher nicht ohne Aufsicht ihre Reifen benutzen lassen.

Impressionen - Formel 1 - GP Bahrain - 27. März 2019
ams
Lässt Bahrain das italienische Formel-1-Personal ins Land?

Formel 1 fährt nur mit kompletten Feld

Was in diesem Fall passiert, darüber hat sich Liberty gegenüber den Teams noch nicht offiziell geäußert. „Das ist wie der weiße Elefant, der im Raum steht, über den aber keiner sprechen will“, scherzte ein Teamchef. Gegenüber Reuters hat Formel-1-Sportchef Ross Brawn allerdings schon bekräftigt, dass man nicht mit einem reduzierten Feld fahren würde, sollten einige Teams ausgesperrt werden.

Bei Ferrari und Alpha Tauri überlegt man nun, das italienische Personal gemeinsam in einem Flieger zu den ersten Übersee-Rennen reisen zu lassen. Das erleichtert den Behörden vor Ort die Abfertigung. Im Zirkus macht sich die Einschätzung breit: Australien findet statt, Bahrain wackelt, und Vietnam hat wenig Chancen.

Es könnte aber ein Poker bis zur letzten Minute werden. Von den Veranstaltern wird freiwillig keiner absagen. Sonst müsste er das Antrittsgeld bezahlen. Er bräuchte schon den Vorwand höherer Gewalt. Etwa, wenn die Regierung wie in China Großveranstaltungen untersagt oder in der Formel 1 stark vertretene Nationalitäten nicht einreisen lässt.

Auch Liberty wird sich hüten, einen Grand Prix voreilig aus dem Kalender zu werfen. Dann würde man vertragsbrüchig und bekäme kein Geld. Ex-Formel 1-Chef Bernie Ecclestone rät: „Ich würde nie ein Rennen absagen. Verschieben ist besser. Das Corona-Virus wird uns noch eine Weile begleiten. Vielleicht tun sich später im Jahr deswegen Lücken auf, in die man eines der ersten Rennen fallen lassen kann, weil sich dort die Lage beruhigt hat.“

Mehr zum Thema GP Australien (Formel 1)
Formel Schmidt - GP Australien - Screenshot - 2020
Aktuell
Red Bull Fabrik 2020
Aktuell
Impressionen - GP Australien 2020
Aktuell