Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020 xpb
Sebastian Vettel - GP USA 2007
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Coronakrise bremst Vettel aus

Leclerc Ferraris neuer Mittelstürmer

Ferrari hat schon im Winter entschieden, dass Charles Leclerc der neue Mittelstürmer des Teams wird. Vielleicht hätte es für Sebastian Vettel mit der ursprünglichen Budgetdeckelung noch eine Zukunft in Maranello gegeben. Mit den neuen Restriktionen als Folge der Coronakrise aber konnte Ferrari dem Deutschen kein vernünftiges Angebot mehr machen.

TV-Experte Martin Brundle ist überzeugt: "Die Kollision der Ferrari-Piloten in Brasilien war der Sargnagel für Vettel." Nicht, weil Ferrari dem Deutschen die Schuld für die Karambolage gegeben hätte. Eher, weil in Maranello der Gedanke reifte: Zwei Platzhirsche in einem Team funktioniert nicht.

Wer die Zukunft für Ferrari ist, wurde kurz vor Weihnachten klar. Ferrari verlängerte den Vertrag mit Charles Leclerc um fünf Jahre. Das hat nicht einmal Michael Schumacher geschafft. Die Verträge mit dem deutschen Superstar wurden immer um drei Jahre fortgeschrieben. So wie bei Sebastian Vettel.

Bei Ferrari macht auch keiner einen Hehl aus der Formulierung: "Charles Leclerc ist unsere Zukunft." Die Teamleitung verfährt in Zukunft nach dem Prinzip, dass man besser einen Mittelstürmer und einen Passgeber hat als zwei in der Spitze, die um die Torjäger-Krone kämpfen. Ein Teammitglied umschreibt es so: "Wir spielen in Zukunft 4-4-1-1 statt 4-4-2."

Eine Doppelspitze kann sich nur ein Team leisten, das mit dem besten Auto antritt. So wie Mercedes in den letzten sechs Jahren. "Wären Hamilton und Rosberg noch 2017 in einem Team gefahren, hätte der Schuss für Mercedes nach hinten losgehen können. Da hatten wir ein Auto, das gut genug war, um davon zu profitieren", meint der Ferrari-Mann.

Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020
Motorsportpics.de / Jerry André
Bei den Wintertests war der SF1000 zu langsam.

Gleiche Aufgabe, weniger Geld

Ferrari nahm bereits im Januar Gespräche mit Carlos Sainz auf. Das zeigt, dass Ferrari schon zu dem Zeitpunkt wenig Hoffnung in ein Modell mit zwei Nummer eins-Fahrern setzte. Deshalb fiel auch Daniel Ricciardo aus der engeren Wahl. Trotzdem hätte es für Vettel noch eine Chance geben können, noch einmal zwei Jahre dranzuhängen. Doch nur ohne die Corona-Krise und ihre Folgen.

Die zwingt Ferrari dazu, die Zukunftsplanung komplett zu überdenken. Mit der Festschreibung des Chassis und 18 weiterer Komponenten bis Ende 2021 sind die Möglichkeiten begrenzt, den technischen Rückstand, der sich schon bei den Testfahrten angedeutet hat, vollständig aufzuholen. Die Ingenieure haben festgestellt, dass man dazu mehr braucht als nur ein paar neue Leitbleche.

Die Reduzierung des Budgetdeckels von 175 auf 145 Millionen Dollar bedeutet für alle Topteams einen Neubeginn. Für Ferrari ganz speziell. Die Scuderia muss einerseits mit dem 2020er Auto Boden auf Mercedes und Red Bull gutmachen, andererseits mit 20 Prozent weniger Geld als ursprünglich geplant ein komplett neues Auto für 2022 bauen.

Dazu kommt noch die schwierige Aufgabe, das Team von 1.000 Angestellten runterzufahren. Und alles muss gleichzeitig stattfinden. Ein kleines Team hat wenigstens nicht diesen Gesundschrumpfungsprozess an der Backe. Pech für Vettel: Die Folgen der Coronakrise und die Abrüstung der Formel 1 haben Ferraris Fahrplan empfindlich beeinflusst und nicht in seine Richtung gelenkt.

Charles Leclerc - Porträt & Helm - Formel 1 - 2020
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Ferrari hat Charles Leclerc praktisch zur Nummer eins gemacht.

Zu großes Opfer für Vettel

Ferrari schätzt seine Chancen für 2020 und 2021 realistisch ein. Es wird mit dem SF1000 vielleicht für GP-Siege, aber nicht den WM-Titel reichen. Deshalb wird Maranello mit voller Kraft auf die Saison 2022 hinarbeiten. Für einen wie Vettel, der mit Ferrari gerne noch Weltmeister geworden wäre und höchstens noch zwei Jahre drangehängt hätte, wäre dieses Modell wenig attraktiv gewesen.

Er hätte akzeptieren müssen, dass Ferrari seine ganzen Anstrengungen auf eine Zeit konzentriert, in der sein nächster Vertrag schon fast wieder ausgelaufen wäre. Es hätte 2022 klappen müssen oder gar nicht. Die ganze Arbeit hätte sich also hauptsächlich für den gelohnt, der bis 2024 an Bord bleibt. Und das ist Charles Leclerc.

Carlos Sainz mag man diese Wartezeit zumuten. Für den Spanier ist Ferrari ein Aufstieg. Er wird sich in das Programm einfügen und keinen Kleinkrieg gegen den Teamkollegen anzetteln, so lange Ferrari sich in der Wiederaufbauphase befindet. Vettel dagegen läuft die Zeit davon. "Wir hätten von ihm 2021 Opfer verlangen müssen, die für ihn schwer zu akzeptieren gewesen wären", heißt es dazu aus dem roten Hauptquartier. Red Bull hat bereits in der Saison 2019 gezeigt, dass dieses Modell funktionieren kann. Zumindest mit Blickrichtung Fahrer-WM. Wer den Konstrukteurs-Pokal gewinnen will, braucht zwei Siegfahrer an Bord. Ferrari hofft, dass sich Sainz zu einem entwickelt.

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