Antonio Giovinazzi - GP Belgien 2020 Motorsport Images
Antonio Giovinazzi - GP Belgien 2020
George Russell - GP Belgien 2020
Leclerc & Vettel - Ferrari - GP Belgien 2020
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Horror-Crash beim Belgien-GP: „Zum Glück haben wir den Halo“

Horror-Crash beim Belgien-GP „Zum Glück haben wir den Halo“

In Runde 10 des Belgien-Grand-Prix hielt die Formel 1 den Atem an. Antonio Giovinazzi sorgte für den heftigsten Crash der Saison. Auch George Russell wurde in den Unfall reingezogen. Nach dem Rennen wurde Kritik an der Sicherheit laut.

Das ganze Rennwochenende von Spa-Francorchamps hielten sich die Piloten von den Banden fern. Doch im Rennen dauerte es nur zehn Umläufe, bis es zum ersten und einzigen Mal ordentlich krachte. Am Ausgang der schnellen Fagnes-Kurve, wo die Piloten rund 240 km/h drauf haben, verlor Antonio Giovinazzi die Kontrolle über seinen Alfa Romeo.

Der Italiener versuchte das lose Heck noch einzufangen, machte die ganze Sache dadurch aber noch schlimmer. Statt sich nach innen Richtung Strecke zu drehen, schleuderte der Gegenpendler das Auto rechts in die Bande. Wie in einem Flipper prallte der C39 von den Reifenstapel anschließend zurück auf die Piste. Dabei löste sich auch noch das linke Hinterrad.

Der von hinten heranrasende Williams von George Russell konnte dem herumfliegenden Hindernis nicht mehr ausweichen. Der Brite rumpelte über das abgerissene Rad, was ihn seinerseits nach links aus der Bahn in die Bande warf. Durchgeschüttelt aber unverletzt konnten beide Piloten aus ihren Wracks steigen. Nach einem kurzen Check im Medical Center gaben die Teams Entwarnung.

Antonio Giovinazzi - GP Belgien 2020
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Bei rund 240 km/h verlor Giovinazzi die Kontrolle über seinen Alfa Romeo.

Entschuldigung von Giovinazzi

Unfallverursacher Giovinazzi entschuldigte sich direkt für das kleine Malheur mit den schwerwiegenden Folgen: "Es tut mir leid für George, dass ich sein Rennen kaputtgemacht habe. Ich muss mich auch bei meinem Team entschuldigen, das dieses Wochenende ein gutes Ergebnis verdient gehabt hätte. Die Enttäuschung nach dem schweren Unfall ist riesengroß."

Der Alfa-Pilot erklärte auch, wie es zu dem Fauxpas kommen konnte: "Ich habe ordentlich gepusht, um im DRS-Bereich von Sebastian (Vettel) vor mir zu bleiben. Am Ausgang der Kurve ist mir dann einfach das Heck ausgebrochen. Ich war am Limit unterwegs. Da können Fehler passieren."

Opfer Russell zeigte sich gleichzeitig frustriert und glücklich, dass nicht mehr passiert ist: "Ich bin natürlich angepisst, weil wir ein richtig gutes Rennen hatten. Zum Glück haben wir einen Halo-Bügel auf den Autos, sonst hätte es meinen Helm treffen können. Das wäre dann deutlich schlimmer ausgegangen."

Giovinazzi machte Russell keine Vorwürfe: "Ich war einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Da konnte ich nichts machen. Sein Rad kam praktisch aus dem Nichts und hat mich in die Mauer gedrückt. Der Einschlag war ordentlich. Die Umstände waren unglücklich, aber so ist der Rennsport nun einmal."

Antonio Giovinazzi - GP Belgien 2020
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Beide beteiligten Piloten überstanden den Unfall unverletzt.

Spa-Francorchamps zu gefährlich?

Der heftige Crash führte nach dem Rennen im Fahrerlager zu Diskussionen, ob die Traditionsstrecke von Spa wegen der hohen Speeds der heutigen Formel-1-Autos noch zeitgemäß ist? Die Mauer stand an der betreffenden Stelle nicht weit von der Ideallinie entfernt. Giovinazzi hatte kaum Auslauf, um seine Geschwindigkeit zu reduzieren.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff will nichts von Kritik an der Strecke hören: "Natürlich ist es eine sehr schnelle Ecke, in der Giovinazzi abgeflogen ist. Aber die Formel 1 braucht diese alten Strecken, auf denen der Fahrer noch einen Unterschied machen kann. Wir brauchen eigentlich noch mehr davon. Statt die Strecke zu kritisieren, sollte man lieber untersuchen, warum sich das Rad vom Auto gelöst hat."

Das rund 16 Kilogramm schwere Hinterrad muss durch dicke Kevlarseile gesichert werden, damit es sich im Falle eines Crashs nicht selbstständig macht. Jedes Seil muss laut Reglement sieben Tonnen Zugkraft aushalten. Doch bei einem Highspeed-Aufprall wie in diesem Fall, bei dem das ganze Auto am Rad reißt, helfen alle Sicherheitsmaßnahmen nichts. Mit einem gewissen Restrisiko muss man in der Formel 1 leben.

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