Crash - GP Toskana Mugello - 2020 xpb
Carlos Sainz - GP Toskana Mugello - 2020
Max Verstappen - GP Toskana Mugello - 2020
Antonio Giovinazzi - GP Toskana Mugello - 2020
Ferrari - GP Toskana Mugello - 2020 51 Bilder

Massencrash in Mugello: Show wichtiger als Sicherheit?

Massencrash in Mugello Show wichtiger als Sicherheit?

Der Massenkarambolage beim Safety-Car-Restart in Mugello hat für große Diskussionen gesorgt. Wurden die Fahrer hier einer unnötigen Gefahr ausgesetzt? Wir erklären, wo das Problem liegt.

In Runde sechs des Toskana Grand Prix hielten die Formel-1-Fans den Atem an. Das Safety-Car war nach dem Crash in der Anfangsphase gerade wieder in Richtung Boxengasse abgebogen, als Valtteri Bottas das Feld auf die Zielgerade führte. Um der Konkurrenz keine Chance zu geben, aus dem Windschatten einen Angriff zu starten, wartete der Finne bis zum letzten Moment mit dem Beschleunigen.

Das Safety-Car-Protokoll schreibt vor, dass alle Piloten hinter dem Führenden eine konstante Geschwindigkeit und gleichmäßige Abstände einhalten müssen. Es gilt selbstverständlich Überholverbot. Doch einige Fahrer im Mittelfeld konnten es offenbar kaum erwarten, wieder loszulegen. Sie gaben Gas, bevor Bottas sein Tempo erhöhte.

Die Piloten ganz hinten reagierten auf die Autos vor ihrer Nase und begannen ebenfalls zu beschleunigen. Als die Frühstarter bemerkten, dass Bottas noch gar nicht angezogen hatte, stiegen sich plötzlich wieder auf die Bremse. Doch auf der Zielgerade zu bremsen ist bekanntlich nie eine gute Idee.

Freispruch für Bottas

Es entstand ein Zieharmonika-Effekt. Einige Piloten konnten den langsameren Autos noch ausweichen, andere wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Am Ende landeten Kevin Magnussen, Antonio Giovinazzi und Carlos Sainz in der Mauer. Nicholas Latifi wurde am Heck getroffen. Der Williams-Rookie rollte am Boxenausgang aus.

Restart - GP Toskana Mugello - 2020
Wilhelm
Während die Piloten vorne das Tempo anziehen, ist hinten schon das Chaos ausgebrochen.

Zum Glück blieben bei dem Massencrash alle Beteiligten unverletzt. Nach dem Rennen waren sich alle einig, dass die Situation äußerst gefährlich war. Romain Grosjean gab zunächst den führenden Piloten die Schuld, die seiner Meinung nach zu lange gezögert und damit die "lebensgefährliche" Situation heraufbeschworen haben.

Doch Valtteri Bottas ließ sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben. "Mich trifft keine Schuld. Ich habe natürlich meinen Vorteil gesucht und so spät wie möglich beschleunigt. Aber vorher bin ich eine konstante Geschwindigkeit gefahren. Und das Rennen beginnt bekanntlich erst wieder an der Linie. Die Jungs, die da gecrasht sind, brauchen gar nicht zu jammern."

Safety-Car mit Teilschuld?

Einige Piloten forderten die FIA auf, künftig eine neue Lösung zu finden, um solche Situationen zu vermeiden. Problematisch sind vor allem Strecken mit langen Geraden, auf denen sich der Zielstrich weit hinten befindet, wie zum Beispiel in Baku oder in Sao Paulo. Hier kam es schon in der Vergangenheit immer wieder zu brenzligen Szenen.

Laut Bottas trägt auch die Rennleitung eine Mitschuld: "In letzter Zeit ist zu beobachten, dass die Lichter beim Safety-Car immer später ausgehen. Wir können damit nicht genug Abstand schaffen und das Tempo zum Beispiel schon einige Kurven früher anziehen. Ich denke, das wird gemacht, um die Show zu verbessern. Das sollte man meiner Meinung nach aus Gründen der Sicherheit nochmal überdenken."

Auch Lewis Hamilton forderte die Verantwortlichen auf, etwas zu ändern: "Sie versuchen es aufregender zu machen. Aber heute wurden Piloten dadurch in Gefahr gebracht. Die Lichter am Safety-Car werden immer später ausgemacht. Heute war es wohl ein bisschen über dem Limit."

Auch von Alex Albon bekam Bottas Rückendeckung: "Wenn die Linie so weit hinten liegt, ist es doch klar, dass er das Tempo so spät wie möglich anzieht. Wenn dann im Mittelfeld einige Piloten falsch antizipieren, um einen Beschleunigungsvorteil zu bekommen, dann kommt es zum Zieharmonika-Effekt. Das ist gefährlich. Aber so etwas ist vorhersehbar. Je weniger Zeit man dem Führenden gibt, das Tempo anzuziehen, desto leichter ist zu lesen, wann der Restart erfolgt."

Kevin Magnussen - Haas - GP Toskana Mugello - 2020
xpb
Beim Safety-Car-Restart entstand hoher Sachschaden.

Verwarnung für zwölf Piloten

Bei der Rennleitung wollte man das Argument mit dem späten Safety-Car-Signal nicht gelten lassen. Schon in Kurve 11 wurden die Piloten darüber informiert, dass Bernd Mayländer mit seinem Mercedes in die Boxengasse abbiegt. Da war noch genug Zeit, eine Lücke zum Safety-Car reißen zu lassen und vor der Zielkurve das Tempo anzuziehen.

Die FIA-Kommissare ließen nach dem Rennen eine Reihe von Fahrern antanzen. Es wurde zudem die Telemetrie aller Beteiligten analysiert. Am Ende verzichtete man aber darauf, einen Hauptschuldigen auszumachen und zu bestrafen. Stattdessen bekamen gleich zwölf Fahrer eine Verwarnung.

Bei Kevin Magnussen, Daniil Kvyat, Nicholas Latifi, Alex Albon, Lance Stroll, Daniel Ricciardo, Sergio Perez, Lando Norris, Esteban Ocon, George Russell, Antonio Giovinazzi und Carlos Sainz erkannte man in den Daten, dass sie während des Restarts immer wieder mit Gas und Bremse gespielt und keine konstante Geschwindigkeit eingehalten haben. Deshalb gab es für sie die gelbe Karte, die aber ohne konkrete Folgen bleibt.

Die Stewards betonten zudem, dass allen nicht genannten Fahrern kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. Besonders Valtteri Bottas habe demnach das Recht gehabt, das Tempo bis zum letztmöglichen Zeitpunkt zu diktieren.

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